Land unter im Fiordland Nationalpark

Die Südwestküste der Südinsel Neuseelands ist durch die Südalpen und zahlreiche Fjorde fast komplett unzugänglich. Es gibt genau eine 110 Km lange Sackgasse, die in Te Anau beginnt und in den Milford Sound führt, alle anderen Fjorde sind nur mit dem Boot oder dem Hubschrauber zu erreichen. Den Tag zuvor hatte es wiedermal ausgiebig geregnet, das haben wir in Te Anau ausgesessen. Der Campingplatz dort hatte sogar eine (Hobbit-) Sauna, die wir im strömenden Regen aufgesucht haben. Ein winziger Bretterverschlag, in Fassform, mit einem Elektroofen, durchaus auf Temperatur gebracht, aber durch das ‚Dach‘ tropfte der Regen, so dass es mehr ein Dampfbad denn eine Saunagang wurde. Der Weg im Regen zurück zum Camper, nur mit einem Handtuch umwickelt, sah wohl für die anderen Gäste etwas irritierend aus. Außer der Sauna gab es in Te Anau noch ein Kino mit einem tollen Film über den Nationalpark, hauptsächlich mit spektakulären Aufnahmen aus dem Hubschrauber und eine Holzofen Pizzeria, von echten Italienern betrieben.

Wir haben mit unglaublich viel Glück für eine Nacht einen Platz für den Camper in der Milford Sound Lodge ergattert, der einzige Übernachtungsmöglichkeit im Fjord – normalerweise sind alle Plätze über Monate ausgebucht. So haben wir viel Zeit, um entlang der Strecke die zahlreich ausgewiesenen Highlights anzusehen. Fiordland besteht nur aus Bergen, Regenwald und unfasslichen Mengen Wasser. Es regnet hier an 200 Tagen im Jahr und würde es nicht doch irgendwie ablaufen, stünde das Land nach einem Jahr 10m tief unter Wasser. Wir machen eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt hinauf, 3 Stunden, in denen es 5 mal regnet und zwischendrin immer wieder kurz die Sonne scheint. Schon bald hinter dem Parkplatz ist klar, hier ist nicht der Weg das Ziel, sondern der Bach der Weg. Es tropft und trieft aus allen Ritzen und der Wald ist so vollständig in Moos eingewickelt, als wären die Bäume nur aufgestellt, damit das Moos noch mehr Platz zum Wuchern hat. Mit zunehmender Höhe werden die Bäume kleiner, bis man über sie hinweg schauen kann und dann offenbart sich ein tolles Bergpanorama mit völlig unberührten Tälern, so wie es in den Alpen vor vielleicht 1000 Jahren ausgesehen haben mag. Die Gipfel sind frisch verschneit (endlich mal weiße Weihnachten!). Die Straße verläuft nun zwischen fast senkrechten, kahlen, hunderte Meter hohen Felswänden hindurch, über die sich in kurzen Abständen die weißen Striche der Wasserfälle abzeichnen. Vor einer der gigantischen Felswände scheint Schluss zu sein, aber es geht durch einen verwegenen Tunnel steil bergab weiter. Auf der anderen Seite ist das Wetter besser, aber die Szenerie gleich spektakulär. Es gibt noch einen Canyon zu bewundern, den sich ein Fluss in den Fels geschliffen hat und tosend darin verschwindet und dann sind wir auch schon im Milford Sound angekommen.

Maximal weit weg

Gestern haben wir den Ort auf unserer Reise erreicht, der am weitesten entfernt von zuhause ist. Dieser Punkt ist definiert durch den Antipoden der Daten auf meinem T-Shirt, also 48°08’25.6“S, 168°22’39.2″W (gedanklich: Wenn man einen Stock daheim senkrecht in die Erde steckt, wo schaut er auf der anderen Seite raus). Dieser Punkt liegt im Pazifischen Ozean, aber gar nicht so weit von der Südinsel Neuseelands entfernt. Am nächsten, dachte ich irrtümlicherweise, kommen wir diesem Punkt beim Ort Balclutha. Genaueres Nachrechnen ergab für Balclutha 236 km, aber der nächste Ort Clinton war mit 228 km noch näher, dann kam Gore mit 231 km Entfernung von dem theoretischen Maximum) Zum Glück gibt es in Neuseeland noch keinen Ort „Trump“.

Königsalbatrosse, Pinguine und Seebären in Dunedin

So langsam nähert sich das Wetter in Neuseeland dem an, was man um diese Jahreszeit zuhause erwarten würde, 11° bei Dauerregen. Auch die Standheizung mag nicht mehr, zum Glück gibt es in einer Schrankecke einen Heizlüfter!

In Neuseeland, auf der Halbinsel Otago, vor den Toren Dunedins, gibt es die weltweit einzige Albatross-Brutkolonie auf dem Festland. Auf dem hintersten Hügel der Halbinsel haben sich die Meeresvögel eingerichtet. Bevor man aber vom Parkplatz kommend die Albatrosse am Himmel entdecken kann, muss man durch die Mövenhölle. Tausende Lummen, Scharben, Kormorane nisten in den Klippen, nur die Möven müssen auf der Wiese neben dem Parkplatz brüten. Die Folge ist nicht nur wildestes Geschrei und Scheinangriffe auf die Besucher, die vom Auto kommen, sondern auch noch die fast 100% Garantie eine ordentliche Ladung Mövenscheiße auf den Kopf zu bekommen – abwaschbare Regenjacke mit Kapuze ist also die Kleidung der Wahl (das Auto ist nach dem Besuch auch allseits besprenkelt). Dafür kann man ganz nah an den flauschigen Mövenküken vorbeigehen, in dem Stadium sind sie ja noch ganz süß. Hat man den Hitchcock-Pfad hinter sich gelassen und wagt es endlich, auf einer der Aussichtsplattformen, den Blick gen Himmel zu heben, sind die Albatrosse mit ihren über 3m weiten Schwingen am Himmel leicht auszumachen. Meist fliegen sie hoch oben, aber hin und wieder kommt einer auf Augenhöhe vorbei, so dass man sie gut beobachten kann. Diese riesigen Vögel sind aerodynamisch so optimiert, dass sie zwar ohne einen Flügelschlag unendlich in der Luft segeln können (außer bei Flaute), wehe aber, wenn sie landen müssen. Wir machen noch eine Führung mit, bei der man nach einer multimedialen Einleitung eine halbe Stunde Zeit hat, in einem verglasten Unterstand auf die Wiese zu blicken, auf der die Vögel brüten und über der sie heute ihre Kreise ziehen, da der Wind sehr günstig weht. Der Aussichtspunkt ist nicht nur komfortabel wind- und Mövensicher sondern auch genial gelegen, denn die Albatrosse kommen oft auf Augenhöhe in nächster Nähe vorbeigesegelt. Leider ist die junge Führerin davon besessen, auch noch das letzte Detail ihres umfassenden Wissen über jeden der hier anwesenden Vögel anzubringen, schöner wäre, die majestätischen Segler ganz für sich stehen bzw. fliegen zu lassen, den Rest könnte man sich auch im Informationszentrum anlesen.

Nachtrag zu den Pinguinen: Hier auf der Otago Halbinsel gibt es eine weitere betreute Kolonie der Gelb-Augen Pinguine. Das Konzept hier ist um Klassen besser als das bei den Zwergpinguinen in Oamaru! Die Pinguine brüten auch hier in einem weitläufigen, welligen Wiesengelände mit viel (wiederaufgeforsteter) niederer Vegetation. Auch hier gibt es Brutboxen, aber keine Besuchertribünen sondern ein ausgefeiltes System abgedeckter Gräben, durch die man zu Unterständen geleitet wird, aus deren Sehschlitze man ganz nah an die Pinguine herankommt, ohne diese zu stören. Die Kolonie hat dieses Jahr 6 Küken und die Betreiber sind mächtig stolz darauf, gab es doch in den beiden Vorjahren kein einziges. Außerdem gibt es ein Pinguin Rehabilitationszentrum, in dem geschwächte oder verletzte Tiere wieder aufgepäppelt werden, bevor es zurück ins Meer geht. Hier kann man sie ebenfalls durch Schlitze im Bretterverschlag von ganz nah beobachten.

Und dann lagen da noch bestimmt ein Dutzend Seebären auf der Wiese vor unseren Füßen und hatten sich gar nicht lieb, lauter Halbwüchsige, nur auf Krawall gebürstet!

Steampunk und Pinguine in Oamaru

In Oamaru befindet sich eine große Kolonie Zwergpinguine. Das hört sich spannend an. Da fahren wir mal hin, es liegt auch noch am Weg nach Dunedin, einem der Highlights auf der Südinsel. Oamaru sticht aus dem Einerlei neuseeländischer Kleinstädte dadurch heraus, dass es nicht aus Wellblech und Holzlatten zusammengenagelt wurde, sondern aus wirklich schönem, sehr hellem Kalkstein, der in der Gegend abgebaut wird, erbaut ist. Oamaru ist wohl ein kulturelles Zentrum der Gegend, es gibt eine Oper, Museen, Galerien, usw. Auch eine echte kleine Dampflok zieht sonntags ein paar Waggons schnaufend und trötend am Hafen auf und ab. Besonders zu erwähnen ist das Museum Steampunk HQ. Dort haben drei Künstler ein Projekt initiiert, in dem sie, aber auch andere Künstler ein Panoptikum skuriler Skulpturen aus alten technischen Geräten zusammengeschweißt und Scifi-Geschichten dazu erfunden haben. Unglaublich originell und beeindruckend, eine Bewegung und Kunstform, die mir bis dahin völlig unbekannt war!

Kommen wir zu den Pinguinen: Außer besagten Zwergpinguinen gibt es noch die sehr seltenen und endemischen Gelb-Augen Pinguine. Ein paar von denen brüten an einem Strand etwas außerhalb von Oamaru. Hoch über dem Strand kann man auf einem Holzpfad zu einem kleinen Unterstand laufen und hat Blick auf die Küste. Der Strand selber ist zur Brutzeit gesperrt. Die Pinguine wechseln sich in der Kinderbetreuung ab und jeweils einer ist den Tag über im Meer auf Futtersuche. Am Abend kommen sie dann zu ihrem Nest zurück und füttern die Jungen mit dem halbverdauten, stinkenden Fischbrei. Die Gelb-Augen Pinguine kommen so zwischen 6 und 7 heim, die Zwergpinguine um 8:45. Zeit genug, um beide zu besuchen. In Oamaru ist es saukalt, vielleicht 13° und es weht ein starker Wind, der den zeitweiligen Regen ideal horizontal auf’s Land peitscht – perfekte Voraussetzungen um sich ein oder zwei Stunden draußen aufzuhalten und nach Pinguinen Ausschau zu halten. Alle anderen Touristen haben nach einer Stunde längst wieder kehrt gemacht und wir beschließen auch, aufzugeben, als sich just der eine Pinguin, der schon ewig in der Brandung auf und abschwimmt doch überlegt, jetzt an Land zu gehen. Da watschelt also ein schwarz weißes Pünktchen über den Strand und ist hastduihnnichtgesehen schon im Nest verschwunden. Der geneigte Betrachter mag in den drei Pixeln einen Pinguin erkennen, dass es der Gelbaugen-Pinguin ist, muss man halt glauben – immerhin hat das Warten nichts gekostet…

Gänzlich anders bei den Zwergpinguinen…. Die Kolonie der wildlebenden Zwergpinguine entpuppt sich als geniales win-win Projekt des örtlichen Tourismus Managements. Gegen einen saftigen Eintrittspreis wird man auf eine Tribüne mit hunderten Sitzplätzen geleitet und von der Anweiserin in scharfem Ton unterwiesen, a) die Klappe zu halten, b) nicht zu fotografieren und c) ihren Anweisungen im Falle einer Notlage Folge zu leisten. Die Pinguine, die schon im Wasser auf das Kommando zum Landgang warten wären durch Gespräche und Rotlicht aus der Fokussierelektronik der Kameras sehr irritiert. Die Durchsagen kommen über ohrenbetäubende Lautsprecher und die ganze Szenerie ist von gleißenden gelben Scheinwerfern ausgeleuchtet. Da ist man doch sofort von der Notwendigkeit dieser Vorsichtmaßnahmen überzeugt. Genug der Vorrede. Die Pinguine kommen in Gruppen von 30-50 aus dem Meer und werden erstmal von der Brandung geschleudert, bevor sie zum Trocknen an Land hopsen und dann sichtlich erschöpft die Böschung hinaufwatscheln, nah an der Premium-Tribüne vorbei. Dann ruhen sie sich erstmal unter einem Bretterweg aus, bis sich einer traut und den Weg in die Brutkästen antritt. Überhaupt achten die Pinguine sehr auf Geschlossenheit, keiner darf zurückbleiben und alles wird gemeinsam gemacht, keine Alleingänge! Über 100 dieser Brutkästen sind hier aufgestellt, damit die Pinguine nicht selber welche graben müssen, aber natürlich ist das hier kein Zoo, sondern alles ist ganz wild und natürlich. Weitere Pinguine kommen, sauber einzeln gezählt und mit über die Lautsprecheranlage aktualisierten Landungszahlen (da hören die Pinguine jetzt aber genau zu ). Jetzt kommt der Brüller: Manche Pinguine haben sich überlegt, unter der Bühne wild zu brüten! Da sie ja total geschützt sind, müssen die Aufseherinnen hilflos zusehen, wie die Pinguine durch die Absperrung schlüpfen und zwischen den Sitzreihen hindurch zu ihren Nestern watscheln. Das ist schon einer der besten Momente des Abends, man sieht sie ganz aus der Nähe, sie sind ja nur ca. 30 cm hoch aber doch sehr putzig. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz wird es dann noch besser, die Pinguin Küken, die mittlerweile genauso groß sind wie ihre Eltern (aber in flauschigen Flaum gekleidet) kommen bettelnd und piepsend aus den Brutkästen und misshandeln förmlich ihr fütterndes Elternteil mit ihren gierigen Schnäbeln, einen Schritt von den Besuchern entfernt! Leider gibt es nur ein heimlich aufgenommenes Nachbild, man will ja nicht sein Leben riskieren, wegen ein paar Pinguinen, 237 heute Abend, um genau zu sein…

Jetboat Spaß in der Rakaia Schlucht

Der Campingplatz am Rande der Rakaia Schlucht hat eine großartige Aussicht, wie von einer großen erhöhten Terrasse auf den Rakaia Fluss, der hier aus der Schlucht kommend in ein hunderte Meter breites Flussbett auffächert. Die letzten 6 Wochen hat es geregnet und gestürmt, aber heute wird die Sonne noch scheinen. Der Wind ist heftig und wirbelt das mehlfeine Sediment aus dem Schotterbett auf, das sich nach dem letzten großen Hochwasser abgesetzt hat, treibt ihn zum Glück aber von uns weg. Der Fluss hat immer noch Hochwasser, angeblich 360 m³/s das dreifache des Normalen. Wir gehen einen kurzen Weg zu Fuß über die Brücke hinunter an den Fluss, wo ein knallgelbes Jetboat auf Gäste wartet. Wir zahlen unseren Obulus und bekommen dann sofort und nur für uns von einem Neuseeländer Original die gewünschte Fahrt den Fluss hinauf, bis zu der Stelle von der man den Weg zurück wandern kann. Im Jetboat fühlt es sich gleich wie auf einer Achterbahn an; natürlich gehört zum Programm, dass der Kerl uns auch seine Maneuver und Spezialeffekte vorführt, z.B. direkt auf die Felsen zu halten und dann kurz vor dem Crash das Steuer rumreißen. Besonders Spaß machen die Spins, bei denen er das Boot in irrem Tempo um fast 360 Grad dreht, festhalten war sinnvollerweise angeordnet. Viel zu schnell sind wir schon am Ausstiegspunkt angekommen, klettern über den Bug auf den Kies und beginnen mit der Wanderung, die außer einigen tollen Aussichtspunkten auch noch unzählige Windungen durch die Seitentäler der Schlucht bereit hält. Aus den 10 Minuten Raserei auf dem Hinweg werden so 90 Minuten mühsamer Rückweg mit bestimmt 500 extra Höhenmetern.

Durch die Südalpen Neuseelands

Hinter dem Arthurpass geht es hinab in die endlos weiten Täler der Südalpen. Anders als in unseren Alpen sind hier die Flüsse nicht in ein künstliches Bett gezwängt, sondern haben und nehmen sich allen Platz zum mäandern. Die Berge sind kahl und haben kaum felsige Partien, eher große Schotterhänge. Der Wind treibt die Wolken in hohem Tempo vor sich her, Föhnsturm würde es bei uns heißen, denn hinter dem Pass regnet es nicht mehr und die Sonne kommt immer öfter durch. Die Flussläufe leuchten beeindruckend blau, wenn die Sonne scheint und sie nicht gerade Hochwasser führen. Entlang der Straße gibt es ein paar wenige Farmen mit Rindern und Schafen aber der Gesamteindruck ist doch die unberührte, großartige Weite. Am Weg liegen noch die Castle Rocks, Kalksteinfelsen, die von den häufigen Stürmen bizarr geschliffen wurden. Als wir aus den Bergen ins Flachland kommen, bläst der Wind wie toll von hinten und die Schüssel fährt wie der Teufel. Dann aber müssen wir leider rechts abbiegen und das Wohnmobil die letzten Kilometer ins Ziel segeln.

Die Kea Dame am Arthur-Pass

Die berühmten Bergpapageien Neuseelands sind selten geworden und im Bestand gefährdet, nur noch 5000 sollen auf der Südinsel leben. Auf dem Arthurpass in den Südalpen, auf 1000m Höhe, kann man sie mit Glück noch sehen. Wir biegen zu einem Aussichtspunkt von der Passstraße ab, da steht ein VW Bus Oldtimer auf dem Parkplatz (an sich schon ein Hingucker) aber davor sitzt er, der Kea! Als wir von der Aussicht auf das große Viadukt zurückkommen (naja, Brücken über Alpentäler haben wir schon mal woanders gesehen) sitzt der Kea auf einem Haufen Felsen vom Straßenbau und putzt sich das wollig warme Gefieder. Nachdem eine viertel Stunde verstrichen ist und ich mich, von ihm völlig ingoriert, bis auf 2m genähert habe, putzt er sich noch immer und damit ist klar, dass es sich um eine Kea Dame handeln muss, auch wenn ich das rein äußerlich nicht erkennen kann. Irgendwann tut sie dann doch, was Keas so einzigartig macht: Sie fliegt auf unser Wohnmobil und beginnt die Gummidichtung aus der Dachluke zu knabbern – Keas sind ja so ziemlich die intelligentesten Vögel, sagt die Wissenschaft, aber ich kann den Geistesblitz beim Zerstören von Gummidichtungen nicht erkennen. Ich würde also eher sagen, sie sind sehr geschickt, aber schlau ist das nicht (außer sie hätten einen Fütterungsvertrag mit der örtlichen Autowerkstätte abgeschlossen) Für Mittag ist heftiger Regen angesagt und wir beschließen, dass die Gummidichtung in der Dachluke für uns im Ganzen wertvoller ist als in Stückchen für die Kea Dame und fahren weiter.

Westküste: Paparoa-Nationalpark

Hier gibt es wunderschöne, unberührte Küsten mit steil aufragenden Felsformationen, Wälder mit den südlichsten Palmen der Welt, Höhlen in der Karstlandschaft, steile Klippen und Strände mit feinstem Kies. Außerdem einen wirklich schönen Campingplatz mit Stellplätzen am Meer. Nach 260 km Fahrt mit ständig überhöhtem Tempo (also mehr als 60 km/h) eine willkommene Entspannung. Aber der Reihe nach…

An diesem Strand haben die Wellen ganze Arbeit geleistet und sehr attraktive Überhänge, Höhlen und viel feinen Kies produziert und ein Wasserfall ist bestens als (leider nur kalte) Dusche geeignet.

In der Höhle unweit des Campingplatzes verbirgt sich eine magische Überraschung: Nachts, also wenn es in der Höhle wirklich finster ist leuchten an der Decke hunderte winzige Punkte wie ein Sternenhimmel auf. Das sind kleine ‚Würmchen‘, vielleicht 2 cm lang und kaum dicker als ein Haar, deren eines Ende (das hintere) fluoresziert. Tatsächlich handelt es sich um die Larven einer Mücke, die ein feines Netz spinnen, in das sie andere Insekten mit ihrem Leuchten hineinlocken.

Ein paar Kilometer weiter sind die Pancake Rocks einen kurzen Spaziergang von der Straße entfernt. Das Kalkgestein ist wirklich wie ein Stapel Pfannkuchen geschichtet und oben drauf sitzen die kleinen Seeschwalben und plärren lauthals um von den Eltern gefüttert zu werden. Ständig sieht man die Alten mit kleinen Fischen im Schnabel herumkurven, um den hungrigen Artgenossen zu entkommen und die Beute an die eigenen Jungen zu verfüttern. Unten donnert die Brandung in verschiedenen Löchern gegen den Fels und jagt dabei die Gischt in die Luft. Und dann sind da auch noch die Seebären, die völlig erschöpft vom vielen Rumliegen alle Flossen von sich strecken.

Mit dem Kayak zu den Seebären

Im Abel Tasman Nationalpark kann man zwar ausgedehnt wandern, die bessere Art der Fortbewegung und Erkundung ist aber zweifellos das Kayak. Die Küsten sind außerhalb der Buchten felsig und vollkommen unzugänglich. Das Meer ist zumindest vormittags ganz ruhig, sodass auch vermeintlich völlig ungeübte sich ins Boot zwängen können, ohne auf der Stelle zu kentern. Also haben wir eine Ganztagestour gebucht, bei der man mit einem speziellen Kayak-Transportschiff ca. 15 Kilometer entlang der Küste nach Norden gefahren wird um dann etwa die Hälfte der Strecke im Lauf des Tages zurück zu paddeln. Als sehr praktisch erwies sich eine Spritzschutzdecke aus Neopren, die tatsächlich verhindert, dass man den ganzen Tag im Nassen sitzt und friert. Außerdem hat das Kayak ein Ruder, welches vom Kapitän, hinten sitzend, mit Pedalen bedient wird. Der Boss sitzt dagegen vorne und gibt die Steuerungskommandos, die der Kapitän hinten ausführen kann oder auch nicht… Diese Art der Gewaltenteilung war dem Bootsfrieden sehr zuträglich und in keinem der zwei Teams kam es diesbezüglich zu einer Meuterei, die von dem Rasta Guide Neo hätte geschlichtet werden müssen. Team New York erwies sich zu unserer Überraschung im Lauf des Tages als erstaunlich schwach gegenüber Team München. Nach der Einweisung sind wir zu einer Insel gepaddelt, auf deren Felsen im Sommer Seebären leben sollen, um hier ihren Nachwuchs zu bekommen. Da schwimmt etwas kleines in einiger Entfernung, Neo erklärt, dass es sich um einen aus dem Nest geschmissenen Pinguin handelt, der jetzt etwas unschlüssig sei, wo er hin soll, jedenfalls sei es untypisch, dass er so lange nicht abtaucht. Gerne hätte ich das schwimmende etwas selber zu seiner Befindlichkeit befragt. Dann erreichen wir die Insel und tatsächlich liegen etliche fette Seebären träge auf den Felsen in der Sonne, aber einige sind auch im Wasser auf Futtersuche. Näher als 20 m soll man ihnen nicht kommen und weil die Kühe trächtig sind oder gerade ihre Jungen bekommen haben ist das wahrscheinlich auch gut so. Nachdem wir die Insel umrundet haben geht der direkte Weg zur Bark Bay für die Mittagspause ziemlich weit draußen übers Meer. Es gibt einen leckeren Burger und Walnuss-Apfel-Kuchen nebst Kaffee und Keksen um sich für die Weiterfahrt fit zu machen. Jetzt hat der Wind wie vorhergesagt aufgefrischt und wir müssen kräftig dagegen anpaddeln, bis wir aus der Bucht draußen sind. Dann geht es mit Rückenwind fast von selbst an der Küste mit ihren sagenhaften Felsformationen entlang und viel schneller als gedacht haben wir Anchorage Bay in Sicht, dem Ziel der Tour. Vorher geht es aber noch zwischen einigen Felsen knapp hindurch, was bei dem Wind und den Wellen schon etwas spannend ist, aber wir schrammen nirgends an. Dann gibt es noch Seeigel, Seesterne und den Schatten eines Rochens zu sehen, bevor wir gar nicht so erschöpft, wie erwartet an dem großen Strand anlanden. Bald holt uns das Boot ab und wir sind rechtzeitig für einen großen Cappucino wieder zurück am Campingplatz.

Abel Tasman Nationalpark

Endlich schönes Wetter! Nach einer Woche Sturm und Regen scheint jetzt eine Phase stabileren Wetters anzubrechen. Der Abel Tasman Nationalpark ist einer der begehrtesten Ziele in Neuseeland. Man kann ihn nur mit dem Schiff bzw. zu Fuß erkunden – die Wanderwege verlaufen teilweise so dicht am Meer, dass sie nur bei Ebbe begehbar sind, entsprechend muss man planen oder größere Umwege in Kauf nehmen. Wir machen aber nur einen Tagesausflug mit dem Wassertaxi und lassen uns in einer der Buchten aussetzen. Am Nachmittag kommt das Boot wieder vorbei und sammelt die vielen Robinsons wieder ein. Auf dem Weg mit dem Boot kommen wir an einer Insel mit Seehunden vorbei, die alle faul in der Sonne dösen. Eine weitere Attraktion auf der Fahrt ist der Felsen ‚Split Apple‘, der im Meer an einen zerteilten Apfel erinnert (oder zur Zerschlagung von Apple auffordert?)

Der Abel Tasman Park besteht aus vielen unberührten, wunderschönen Buchten mit Sandstränden, eingerahmt von Granitfelsen. Der Sand ist durch die Mineralien gelb bis ocker gefärbt sind. Aber auch die Bäche und kleinen Flüsse sind in diesem Farbton. Die Hügel hinter den Buchten sind dicht bewaldet. Weil Susi noch einen lädierten Fuß von der Tongariro Tour hat, machen wir nur eine kleine Runde zu dem Cleopatra Pool, der eigentlich ein Bach mit einigen Gumpen und großen rund geschliffenen Granitbrocken ist, fast wie daheim, aber trotzdem schön.