Das Höllenspektakel von Mount Yasur

Wir haben für die nächsten beiden Tage eine Unterkunft in den Bergen, nahe des berühmten Mount Yasur gebucht. Wenn man der Beschreibung in Booking.com glaubt, dann… tatsächlich aber ist die Strohhütte ohne Strom, ohne Wasser, ohne Klo auf einem Hügel im Dschungel gelegen mit fantastischem Blick über den dichten Wald hinweg direkt auf den Vulkan. Selten hatten wir eine so gigantische Lage, sogar aus dem Bett sieht man direkt auf den Kraterrand, aus dem ständig Wolken unterschiedlicher Färbung herausquellen. In Abständen donnert es von dem Berg herüber und in der Nacht ist das orange Glühen dieser Wolken vor dem klaren Sternenhimmel ein grandioses Schauspiel.

Weil dieser Vulkan so spektakulär ständig aktiv ist, sind entsprechend viele Touristen auf der Insel. Die Tour zum Berg ist – fast in japanischem Stil – perfekt organisiert und geradezu unverschämt teuer. Dafür wird noch eine Tanz-Show geboten und der Häuptling des Dorfes erteilt den vielleicht 50 Touristen aus aller Welt noch seinen Segen. Der Aufstieg zum Krater ist ein Witz, nachdem alle auf der Ladefläche mehrerer Pickups ganz dicht herangefahren wurden. Der Krater ist aber wirklich einmalig. Es gibt mehrere, unterschiedlich gute Aussichtspunkte, von denen aber nur diejenigen besucht werden können, die nicht gerade von den ätzenden, heißen Schwaden eingenebelt werden. Sehr tief unten befinden sich 4 Löcher aus denen die Gase unter hohem Druck entweichen und dabei immer wieder Lavafetzen in die Luft schleudern. Ab und zu kommt es zu heftigeren Ausbrüchen, mit Donnergrollen fliegen dann hunderte größere und kleinere Fladen weit in die Höhe und verteilen sich rund um die Krater. Was tagsüber schon faszinierend ist, wird nach Einbruch der Dunkelheit zu einem apokalyptischen Spektakel am Eingang in den Höllenschlund. Wir waren am ersten Abend fast eine Stunde in dem stürmischen Wind am Kraterrand gestanden und doch schien es kurz, als wir wieder in die Jeeps getrieben werden. Am nächsten Abend haben wir die Tour wiederholt, in der Hoffnung zu den Aussichtspunkten auf der gegenüberliegenden Seite gelassen zu werden, was tatsächlich der Fall war, da die zweite Crew etwas laxer bezüglich der Gefahren durch die Gase war. So standen wir dann zuweilen in den heißen Dämpfen, mit tränenden Augen durch die Asche und Schwefeldämpfe, aber glücklich noch etwas näher dran zu sein. Ein großartiger Ausbruch, bei dem die Lava bis in Höhe des Kraterrands, wahrscheinlich über 200 m in die Höhe geschleudert wurde und wie in Zeitlupe wieder in dem Schlund verschwand. Zurück am Besucherzentrum ließen wir uns mit Kisans Pickup wieder zu unserer Unterkunft fahren, da wir im Finstern nicht die halbstündige Abkürzung durch den Dschungel suchen wollten. Die Strecke querte zwei tief eingeschnittene trockene Bachbetten und war so ziemlich das Wildeste, was wir je mit einem Jeep gefahren sind. Ich habe mich auf der Rücksitzbank in die Mitte gesetzt und die beiden Griffe im Dach rechts und links wie ein Gibbon benutzt, um nicht gegen das Chassis oder gleich ganz aus dem Wagen geschleudert zu werden. Hier in den Bergen von Tanna braucht es eine gewisse Robustheit zum Überleben.

Tanna

Die Insel Tanna, im Süden von Vanuatu gelegen, auch mit einem aktiven Vulkan, ist touristisch besser erschlossen. Gleichwohl wurde uns erzählt, dass die Hunde auf Tanna sehr hungrig seien und von den Einheimischen lieber gegessen als gefüttert werden… Am 31.10. wollen wir weiter nach Fiji, sollten wir den Kontakt mit den ehemaligen Kannibalen heil überstehen.

Tanna wird mit einem ‚richtigen‘ Flugzeug angeflogen, auch ist außer der Landebahn noch eine Straße weitgehend asphaltiert. Unsere erste Nacht verbringen wir in einer kleinen Bungalowanlage, hübsch gelegen auf einem felsigen Plateau knapp oberhalb der Küste. Direkt vor uns befindet sich ein sogenanntes Blue Hole, mehr dazu später. Der nächste Tag beginnt mit einem Besuch in einem ‚Kastom Village‘, nach einer Fahrt mit dem Jeep in die Berge werden wir von einer in Bastumhang bekleideten jüngeren Frau erwartet. Miriam spricht nicht nur gut Englisch, sondern hat auch Geschick, uns mit der hier angesagten Bemalung im Gesicht aufzuhübschen. Dann geht es hinunter durch den Wald, mit zahlreichen Erläuterungen zu den Nutzpflanzen und Bäumen bis wir zur einer Platz mit einer Kochhütte kommen, in der für uns von anderen Frauen ein Laplap zubereitet wird, die in Vanuatu verbreitete auf heißen Steinen gegarte Pampe aus geriebenen Kochbananen, Taro und Kokosraspel, verfeinert mit spinatartigem Grünzeug aus dem Wald. Es ist ein bisschen wie Schuhbeck im Fernsehen, alles liegt bereit und jedes Stadium der Zubereitung ist auf wundersame Weise in 0,nix fertig und wir können natürlich aus dem bereits fertigen Paket kosten.

Weiter geht es zum Versammlungsplatz der Männer, auf denen uns der Häuptling vorgestellt wird, dessen (20 Jahre jüngere) Frau Miriam fleißig übersetzt. Die Männer tragen ein klein wenig Bast um die Lenden und einen Penisköcher. Der Medizinmann, ein schon etwas angegrauter älterer Herr, erklärt, wie er mit Hilfe eines scharfen Bambusmessers offene Knochenbrüche flickt und als Beweis wird uns eine der Frauen vorgeführt, die sich als Kind den Arm gebrochen hatte. Nun kommt noch ein Tanz zur Aufführung, dann dürfen wir aus den Souvenirs auswählen und das übliche Gästebuch fehlt auch nicht. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob das hier jetzt ein Freilichtmuseum oder die Realität ist… Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, denn auf die Frage, woher das Dorf wusste, dass wir kommen würden, meinte unser Fahrer ganz lapidar, er hätte sie gestern am Handy angerufen. Naja und unten an der Hauptstraße sieht man niemanden im Baströckchen, alle tragen T-Shirts und kurzer Hosen. Trotzdem war das recht beeindruckend und die zahlreichen Kinder waren ja auch durchaus echt.

Zwei Tage später, zurück aus den Bergen kam uns die Unterkunft am Meer gleich richtig komfortabel vor und wir bekamen einen Kaffee, konnten uns duschen und die klebrige Mischung aus Mangosaft und Vulkanstaub aus der Wäsche waschen lassen. Und dann war da noch das Blue Hole, ein größeres Loch im Riff vor unserem Bungalow zu dem man bei Ebbe zu Fuß laufen kann und dann buchstäblich wie in ein Aquarium hineinspringen. Eine großartige Fülle von Korallen und Fischen erwartete uns, so waren wir ewig im Wasser und haben besonders lang die krass bunten Clownfische in ihren Seeanemonen aus nächster Nähe beobachten können. Zum Glück war der giftigen Seeschlange* der Sinn heute nicht nach weißem Touristenfleisch, so konnten wir unbehelligt den Pool wieder verlassen und die Weiterreise nach Fiji antreten. * Nattern-Plattschwanz