Resümee

Gut, das Ende war unglücklich gelaufen aber die zwei Wochen Geiselnahme in Peru sollen nicht das halbe Jahr zuvor dominieren.
Was bleibt besonders in Erinnerung?
In Japan: Die höflichen, hilfsbereiten und perfekt organisierten Menschen. Die unbeschreiblich schmackhaften und grandios verzierten Gerichte in den Ryokans. Die bezaubernden Gärten, die Onsen, der Shinkansen und Hiroshima.
Auf Vanuatu: Die besonders herzlichen und neugierigen Menschen. Die urgewaltigen Vulkane im Dschungel. Das Leben mit Sam und seiner Familie aus dem Wald von Ambrym. Die glühenden Fontänen des Yasur und der Blick aus dem Bett auf das Glühen der Wolken über dem Krater. Kisal und seine Art, Mangos im Fahren zu verzehren.
Auf Fiji: Die Yasawa Inseln mit ihrem türkisfarbigen Lagunen und dem Katamaran. Die Vielfalt der Ressorts zum Entspannen, das Schnorcheln und besonders die Begegnung mit den Mantas.
Auf Samoa: Die Langsamkeit allen Lebens in der Hitze. Die offenen Fales mit den gepflegten Vorgärten und die Kirchen, die die Hälfte aller Bauwerke ausmachen. Beeindruckende Lavaküsten mit den berühmten Blowholes
Die absolute Unterschiedlichkeit aller Pazifik Inselstaaten
Neuseeland, Nordinsel: Der schwierige Start mit Campingausrüstung und Zelt. Die mächtigen Kauri Bäume und ihre Gefährdung durch einen Pilzbefall. Der knallgelbe Ginster überall, die glücklichen Kühe auf grünen Weiden ohne Stall. Kiwis sieht man nur im Zoo. Die vielfältigen vulkanischen Aktivitäten rund um Rotorua, aber auch die Überregulierung und saftigen Eintrittsgelder. Die gewaltige Alpine Crossing Tour im Tongariro Nationalpark und der unglaubliche Sturm auf dem Red Crater. Die Glühwürmchen-Höhlen bei Waitomo gehören zu den Top 5 Erlebnissen der Reise!
Neuseeland, Südinsel: Camper schlägt Zelt, besonders bei dem Wetter! Man darf überall campen, nur nicht da, wo’s schön ist. Immer wieder sehr weite Strecken zu fahren, besonders unangenehm bei extremem Seitenwind. Die neugierig-aufdringlichen Keas, die eleganten Albatrosse und die putzigen Zwerg-Pinguine. Der Milford Sound bei optimalem Wetter. Weihnachten in der Sonne in Christchurch. Eine sehr entspannte Zugfahrt von Christchurch zurück auf die Nordinsel.
Französisch Polynesien: Sylvester findet nicht statt. Alles schließt werktags um 16:00, am Sonntag ist es schwer, etwas zu essen zu finden. Alle Touristen leben in Ressorts, die sie nicht verlassen. Tahiti wird überschätzt. Der schmale Streifen Sand namens Rangiroa ist so absurd verloren und winzig in den endlosen Weiten des Pazifiks, dass es fast Beklemmung auslösen kann. Das Tauchen in dem unglaublich klaren Wasser und die blaue Lagune mit den Haien im knietiefen Wasser war einer der absoluten Höhepunkte der ganzen Reise.
Auf der Osterinsel: Hier tobt das (südamerikanische) Leben, Cocktails, Ceviche zum Reinlegen. Die Moai gehören zu den unergründlichsten und faszinierendsten Kunstobjekten dieser Welt. Weiter weg von allem geht kaum.
Chile: Die Natur ist gewaltiger als fast alles, was wir bisher erlebt haben. Die Abwesenheit jeglicher (gefährlicher) Plagegeister ist eine große Wohltat. Spanisch ist essentiell und schwieriger als Englisch, aber nach 2 Monaten geht es schon viel besser.
Patagonien: Die Fahrt mit dem Expeditionsschiff Scorpios III in den Fjorden zu den Gletschern Patagoniens rangiert unter den Top 5 Erlebnissen der Weltreise ziemlich weit oben. Der Nationalpark Torre del Paine, der Perito Moreno Gletscher und die Wanderungen in El Chalten wären jeweils für sich eine Reise wert.
Die Großstadt Buenos Aires war eine tolle Abwechslung zwischen den Naturwundern Patagonien und Atacama.
Atacama: Die Formen und Farben der Wüste, die klare, dünne Luft in der enormen Höhe. Die Besteigung des 5600 m hohen Cerro Torre geschafft zu haben. Die Sterne, die Vicunas, die Flamingos. Unser wunderschöner Wüstenbungalow in San Pedro de Atacama. Hunderte Kreuze am Abgrund entlang der Panamericana auf der Busfahrt durch die Wüste nach Peru.
Peru: Die Kluft zwischen Arm und Reich ist beklemmend, gleich hinter der Grenze. Für die Gourmets gibt’s kein Halten in Arequipa. Cusco liegt höher als auf Dauer gesund ist. Ungläubiges Staunen über die handwerklichen Fähigkeiten der Inkas. Eine der spektakulärsten Bahnstrecken der Welt führt nach Machu Picchu. Corona verwandelt Peru in atemberaubendem Tempo in einen Polizeistaat. Die Unfähigkeit der Deutschen Botschaft bei der Organisation der Rückholflüge ist nicht mehr zu toppen.
Glück:
Dem Taifun in Tokio um wenige Stunden entkommen
Den letzten Manta der Saison getroffen
Liegengelassenen Rucksack mit Foto und Tablett zurück bekommen
Einen Platz auf der Scorpios III mit 50% Rabatt ergattert
Nicht vom Puma gefressen worden
Nur eine Woche durch Corona verloren
Nichts geklaut bekommen, nichts verloren
Pech:
Laptop kaputt – viel Zeit für die Reparatur investiert ohne Ergebnis
Zu viel Wind vereitelt einen Hubschrauberflug zu den Gletschern auf der Südinsel Neuseelands
Zuviel Zeit bei Ärzten verbracht
Machu Picchu nicht gesehen zu haben, einen Tag zu spät dran
Vermisst:
Analoge Reiseführer zum Blättern
Ein Fernglas
Nach 202 Tagen zurück ist es zuhause doch auch ganz nett, aber das liegt wesentlich an den Corona-Umständen – sonst wäre es wahrscheinlich ein Fall in ein ganz schön tiefes Loch gewesen.
Wir sind dankbar für das Erlebte und die Zeit, die wir so reichlich zusammen hatten, das war ein großes Privileg.
Der weite Weg in die Freiheit
Tagelanges zermürbendes Warten. Täglich neue Verschärfungen und zunehmende Anfeindungen durch die peruanischen Medien schüren große Ängste in der Bevölkerung – plötzlich erlebt man die Fremdenfeindlichkeit am eigenen Leibe. Die Deutschen sind halt infiziert und die Touristen im Allgemeinen Schuld an der Ausbreitung des Virus. Nur einen Steinwurf entfernt hat es die ersten beiden Todesfälle unter den Touristen gegeben. In unserem Hotel benimmt sich der Manager, als wären wir Aussätzige, Kommunikation von Tür zu Tür über WhatsApp und um das Geld für das Zimmer einzusammeln, schickt er Priscilla vor, es entgegenzunehmen. Priscilla ist froh, dass ihre Quarantäne im Hotel mit unserer Abreise endet und sie zurück zu ihrer Familie kann. Sie hat uns zuverlässig mit Frühstück und Abendessen versorgt, auch wenn es eigentlich immer das Gleiche gab, Reis mit Hühnchen, manchmal aber auch Hühnchen mit Reis. Über die diversen WhatsApp Gruppen erfahren wir, wie es manch anderen geht, die z.B. für Monate in Quarantäne gesteckt werden, weil in ihrem Hostel ein Corona Fall aufgetreten war. Was haben wir da für ein Glück gehabt in unserem Hotel unbehelligt die 16 Tage in Frieden leben zu können.
Die Organisation der Rückreise durch des Auswärtige Amt und die Botschaft in Lima hätten die Behörden jeder Bananenrepublik besser hingekriegt. Ein solches, heilloses Chaos, sowohl im Ablauf als auch in der Kommunikation, man reibt sich die Augen! Die Deutschen waren praktisch die letzten, die Cusco verlassen haben, täglich beobachteten wir, wie die anderen Nationen Flüge oder Busse organisieren. Am letzten Tag vor der avisierten Abreise bekommen wir abends um 8 eine email, die uns anweist, am nächsten Morgen um 6 an einem Sammelplatz in Cusco zu erscheinen.
Um 5 verlassen wir unser Heim und laufen eine halbe Stunde durch das finstere, regnerische, gespenstische Cusco, um uns dann in eine endlose Schlange, versehentlich ganz hinten anzustellen. Bis alle 11 Busse gefüllt sind und die Wartenden mit der Passagierliste abgeglichen sind, vergehen schon 3 Stunden. Am Flughafen wird es nicht besser, die Leute werden auf der Straße entlang der Flughafenmauer aufgereiht, bestimmt 300 m Schlange. Meter für Meter kommen wir dem Eingang zum Flughafengelände näher. Nach erneutem Abgleich mit den Listen legen wir unsere Rucksäcke auf einen leeren Parkplatz in eine Reihe und ein Drogenhund versagt kläglich beim Aufspüren unserer Koka Bonbons.
7 Stunden nachdem wir das Hotel verlassen haben, startet der Flieger in Richtung Santiago de Chile recht mühsam, weil voll beladen in dieser Höhe. Nach einer Stunde Flug nimmt der Kapitän das Gas raus und man fragt sich, was das soll, keine Erklärung aus dem Cockpit. Schließlich landen wir in Iquiqe, da waren wir ja schon mal. Es ist nur zum Auftanken, denn die Landebahn in Cusco ist zu kurz, um in der Höhe vollgetankt abgeben zu können. Im Flughafen von Santiago haben alle Geschäfte geschlossen, bis auf eine Kaffeebar, der erste Cappuccino seit über zwei Wochen! Warum die Maschine nach Frankfurt erst stundenlang aufgetankt wird, nachdem alle schon auf ihren Plätzen sitzen, verrät die Crew nicht. Es ist schon lange finster als es endlich losgeht. Der Pilot fliegt einen weiten Bogen, bevor er Kurs auf Europa nimmt, um erst genügend Höhe für die Andenüberquerung zu sammeln. Das ‚Abendessen‘ kommt in einer Plastiktüte, die gleiche gibt es nochmal zum Frühstück, eine kleine Empanada, gut, dass wir unsere Einkäufe aus Cusco mitgenommen hatten. Nach ca. 35 Std. Reise sind wir zurück in München…

Das Maas ist voll, Heiko
Die geplanten Flüge von Cusco über Santiago nach Frankfurt wurden abgesagt. In der deutschen Botschaft in Lima herrscht ein derartiges Chaos, dass die Honorarkonsulin in Cusco in der WhatsApp Gruppe offen von Unfähigkeit spricht:
Gestern gab es mehrere Flüge raus aus Cusco, viele Busse, zuletzt mit Italienern, nun auch Schweizern und Österreichern dabei, fahren seit Tagen Richtung Lima, und ich muss hier guten Willen zeigen, die mehr als 600 gestrandeten Deutschen im Raum Cusco gruppieren, organisieren, hinhalten und vertrösten, während das AA -darf ich das jetzt doch einmal sagen?- versagt.
Ich melde mich wieder, Maria Jürgens
Aber das Auswärtige Amt ‚bemüht sich mit Hochdruck‘…
Inzwischen hat sich in Cusco eine Gruppe Deutscher Gefangener virtuell zusammengefunden, die in den sozialen Medien, TV und Zeitungen Druck aufbauen will, dass sich nach zwei Wochen endlich was bewegt. Jeder schickt ein Selfie mit Mundschutz und mit der Collage gehen wir online. Sogar habe ich einen Twitter Account angelegt https://twitter.com/NikoLipkowitsch?s=09 um mich an der Aktion zu beteiligen und, wer weiß, vielleicht kann man den ja nochmal für die Arbeit bei den Grünen brauchen. Und wir freuen uns über jeden, der hier liked oder retweeted: https://twitter.com/GERstuckinperu

Ein Lichtblick nach 10 Tagen Hausarrest
Nachdem es seit Verhängung der Ausgangssperre am 16.3. keinen Fortschritt in Richtung einer Ausreise und Rückflug nach Deutschland gab, scheint es nun endlich für den 31.3. ein Flug mit LATAM von Cusco über Santiago de Chile nach Frankfurt zu geben. Der Botschafter feiert sich dafür, alle anderen schütteln nur den Kopf, aber immerhin, für die, die nicht in Cusco oder Lima warten, geht es erst Anfang April nach Hause.
Die Situation in Cusco hat sich fast täglich verschärft. Durften wir Anfangs noch selber einkaufen, so ist uns das jetzt auch untersagt, da unsere Gegend zu einer speziellen Sperrzone erklärt wurde. In unmittelbarer Umgebung hat es Coronafälle gegeben, ein ältere Mexikaner ist daran gestorben. Seither geht die Polizei rigoros vor und verhängte Quarantäne von mindestens einem Monat über ein Hostel in dem ein Corona-Fall entdeckt wurde. Fast 150 Gäste und Mitarbeiter sind betroffen, darunter auch Deutsche. Das Haus wird von Militärs rund um die Uhr bewacht und die Bewohner dürfen ihre Zimmer 23 Std. am Tag nicht verlassen.
Die Schikanen durch die peruanischen Behörden kennen keine Obergrenze:
– Wir dürfen offiziell unser Zimmer nicht verlassen; da wir aber die einzigen Gäste sind und die Klappladen zur Straße zum Schutz gegen neugierige Blicke geschlossen wurden, können wir im Innenhof und auf den Balkon an die frische Luft. Dieser Umstand ist eigentlich das größte Glück, das wir in dieser Zeit genießen.
– Für den Transfer zum Flughafen reicht nun nicht mehr ein Passierschein der Polizei sondern es muss auch eine Genehmigung des Außenministeriums vorliegen.
– Da der Flughafen in Lima geschlossen wurde und nur noch der militärische Teil geöffnet ist, können nicht mehr als 3 oder 4 Maschinen am Tag abgefertigt werden.
Warten auf Befreiung
In unserem kleinen Hotel Rumi Wasi, schön am Hang gelegen mit Blick über die Stadt, das wir mittlerweile alleine bewohnen, werden wir umsorgt von Priscilla, dem Hausmädchen und Köchin, Manuel, dem Manager und Cristina, der Eigentümerin die in Lima festsitzt. Von ihnen haben wir den Kontakt zur deutschen Honorarkonsulin in Cusco bekommen und sind von ihr, wie auch die fast 600 anderen gestrandeten Deutschen, in eine WhatsApp Gruppe aufgenommen worden um über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten zu werden. Zusätzlich gibt es eine WhatsApp Gruppe pro Fluggesellschaft, in unserem Falle Avianca, bei der wir ein Ticket für den Rückflug über Bogota nach München am 20.3. , also übermorgen, haben. Natürlich ist dieser Flug aber als ‚canceled‘ angezeigt.
Manuel hat uns versichert, solange wie notwendig bleiben zu können. Priscilla hat ihren 4 jährigen Sohn mitgebracht und lebt jetzt auch hier, um uns zu versorgen. Abends kocht sie Hühnchen mit Reis, ein Gericht, das wir befürchteten, die ganze Reise unzählige Male serviert zu bekommen, doch tatsächlich war es hier in Cusco das erste Mal in dem halben Jahr!
Es tut sich etwas am Himmel: Die Polizei lässt Drohnen fliegen, um zu kontrollieren, dass auch jeder brav zuhause bleibt. Und jetzt sind auch die ersten drei Latam Maschinen aus Lima gekommen, um Israeli und Mexikaner abzuholen. Seit es die App Flightradar gibt, kann sich ja keiner mehr am Himmel verstecken.
Avianca stellt sich taubstumm, keine Information, ob und wann ein Flug stattfinden wird.
Langweilig wird uns aber nicht, es gibt ja viele, die besorgt mit uns Kontakt halten. Aber wir haben, verglichen mit den meisten anderen Orten in Peru, die wir gesehen haben, wirklich Glück gehabt, dass es uns in Cusco erwischt hat.
Beruhigend ist auch, dass, sollten die Einkäufe zur Neige gehen, die Vorräte an Bauchspeck noch ziemlich lange halten werden.

Mit der Bahn umsonst nach Machu Picchu
Umsonst, aber keineswegs kostenlos sind wir mit der Bahn nach Machu Picchu gefahren. Umsonst, weil an dem Morgen nach unserer Ankunft früh um 7 das Telefon klingelt und uns der Rezeptionist des Hotels mitteilt, dass Machu Picchu ab sofort geschlossen sei und wir zusehen sollen, dass wir mit einem der Züge, die heute noch zurück nach Ollantaytambo fahren den Ort verlassen sollen. Schade, wir waren einen Tag zu spät dran!
Nachdem wir mit dem Bus von Cusco bis Ollantaytambo gefahren wurden (in der Regenzeit ist dieser Streckenabschnitt für die Bahn gesperrt) war die Zugfahrt ein absolutes Highlight. Der Bau dieser Bahnstrecke wurde 1913 in Cusco begonnen und hat 15 Jahre gebraucht bis Aquas Calientes, der Talort von Machu Picchu nach 110 Km erreicht war. Das Gleis folgt dem Rio Urubamba, der sich eine 1000de Meter tiefe Schlucht gegraben hat und ist in weiten Abschnitten abenteuerlich zwischen dem reißenden Fluss und den Felswänden förmlich an den Fels geklebt. Im Laufe der Fahrt geht es 800 m bergab auf ’nur noch‘ 2000m und die Vegetation wird immer dichter, bis man sich schon im Dschungel wähnt. Es ist ein Wunder, dass diese Bahnstrecke nicht nach jedem Regenguss von einer Mure verschüttet wird. Wir haben den ‚360° Zug‘ gewählt, dessen Wagen auch noch gebogene Fenster im Dach haben und damit beste Aussicht bieten. Den Umständen entsprechend war der Zug fast leer und so hatten wir auch die offene Aussichtsplattform im letzten Wagen für die ganze Fahrt fast für uns alleine.
Nach knapp zwei Stunden ist Machu Picchu erreicht. Auch dieser Ort hängt an den Felswänden der Schluchten, die Sonne verschwindet früh hinter einem der Gipfel. Ansonsten besteht der Ort ausschließlich aus touristischer Infrastruktur, Hotels, Restaurants und Marktstände für Inka-Kitsch. Unser Zimmer ist an zwei Seiten mit einer Glasfront offen, interessante Architektur! Am Abend sind wir noch die 2 Kilometer bis zum Beginn des Wanderwegs nach Machu Picchu gelaufen, wir waren also nur noch 400 hm entfernt…
Die Rückfahrt ist dann den Umständen entsprechend gut geglückt, erst wurden wir, da Inhaber eines Tickets, an den Trauben wartender Menschen vorbei ins Bahnhofsgelände gelassen, bekamen unser Ticket für den nächsten Zug umgebucht und hatten wieder das Glück in einem nur halb vollen Wagen zu fahren. Zufällig hatten wir uns mit einem deutschen Pärchen unterhalten, die eine organisierte Reise gebucht hatten und deshalb in Ollantaytambo mit einem Kleinbus abgeholt wurden – und wir durften zurück nach Cusco mitfahren. In unserem alten Hotel wurden wir fürsorglich wieder aufgenommen, sogar in ein besseres Zimmer gesteckt und mit einem improvisierten Abendessen versorgt. Ansonsten ist wohl für die nächsten 15 Tage Ausgangssperre, außer zum Einkaufen. Zeit zum Lesen….
Geiselhaft in Cusco
Nun hat also Peru verfügt, dass wir hier zu bleiben haben, damit wir uns daheim nicht mit dem Coronavirus anstecken – es hätte aber noch ein Schlupfloch durch Kolumbien gegeben, das haben wir aber um ein paar Stunden verpasst.
In Cusco kann man sich aktuell über die Haftbedingungen mal überhaupt nicht beschweren.
Auch unsere Zelle, wiewohl aus hohen Mauern mit groben Felsbrocken errichtet, geht in einen kleinen Innenhof und von einer höher gelegenen Terrasse hat man eine fantastischen Aussicht auf die Stadt, die sich weit auf die Berghänge ausgebreitet hat.
Anders als das weiße Arequipa ist hier alles in Ton gehalten, die Dächer der Altstadt sind mit Schindeln gedeckt und die engen Gassen sind meistens so steil und mit Treppen gespickt, dass Autos kaum eine Chance haben in der Stadt herum zu fahren.
Das Zentrum der Altstadt bildet ein großer Platz, an dem zwei mächtige Kathedralen wetteifern, welche die bedeutendere ist. Rund um den Platz gibt es mehr als genug Auswahl an Kneipen, Cafés und Restaurants. Überquert man den Platz zügig wird man ca. 10 mal angemacht, ob man nicht mal in die Speisekarte, das Massageangebot, die Zigarettenauswahl oder die Schmuckschatulle schauen möchte oder sich nicht doch lieber die Schuhe putzen lassen will. Letzterem haben wir fahrlässigerweise zugestimmt. Der Preis gilt offenbar nur für einen Schuh und wenn man dann das Argumentieren anfängt, wird einfach der zweite Schuh so versaut, dass man kaum noch auskommt, den doppelten Preis zu zahlen, um dann später mühsam die gründlich verhunzten Schuhe selber wieder aufzupolieren. Umso angenehmer war ich überrascht, für 8 Euro eine Stunde sehr passabel massiert worden zu sein.
In und um Cusco sind die alten Mauern und Anlagen der Inka verstreut. Einige davon kann man auf einem Spaziergang durch die Altstadt entdecken, andere liegen etwas außerhalb und man kann entweder eine Tour buchen oder sich ein Auto mieten. Diese Mauern sind ja weltberühmt aber life davor zu stehen und die Dimensionen der millimetergenau gearbeiteten Steine zu erleben ist schon etwas Besonderes. Am eindrucksvollsten ist die Anlage Sacsayhuamán mit Steinen, die bis zu 200 Tonnen wiegen und 20 Kilometer weit vom Steinbruch transportiert wurden. Leider gibt es kaum erklärende Tafeln, erstens, weil man einen Guide nehmen soll und zweitens, weil man wohl wenig gesichert weiß, denn die Inka haben nichts aufgeschrieben und so scheint vieles nur Mutmaßung der Archäologen oder der Fantasie der Guides entsprungen.
Arequipa
Arequipa liegt auf 2300 m Höhe, auf einer Hochebene etwa auf halbem Weg zwischen den Anden und dem Pazifik in unmittelbarer Nähe von drei Vulkanen. Die Stadt wurde 1540 von den spanischen Eroberern gegründet und ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von Erdbeben stark beschädigt worden. Die Innenstadt ist von Kolonialbauten geprägt, die fast alle mit dem weißen Vulkangestein Sillar erbaut wurden. Besonders ragen heraus die Kathedrale am zentralen Plaza de Armas, der auf drei Seiten von Arcaden gesäumt ist…

und das ehemalige Kloster Santa Catalina:
Arequipa hat ein angenehmes Großstadtflair, viele Bars und Cafes auf Dachterrassen und in gemütlichen Innenhöfen, zahlreiche Galerien und Museen, die in den herrschaftlichen Häusern rund um den zentralen Platz angeordnet sind.
Besonders eindrucksvoll war ein Museum, welches die in den 90er Jahren gefundenen mumifizierten Kinder thematisiert, die von den Inkas auf den Gipfeln der höchsten Vulkane vor ca. 500 Jahren erschlagen und mit zahlreichen Opfergaben bestattet wurden. Grausame Rituale zur ‚Besänftigung‘ der Götter.
Weiter geht es nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inka-Reichs
Mit dem Bus auf der Panamericana nach Norden
Von Nord-Chile gibt es keine direkten Flüge nach Peru, immer muss man nach Santiago und von dort nach Lima. Auch um 1000e Kilometer Hin und Herfliegen zu vermeiden, fahren wir mit dem Bus ca. 1500 Kilometer in drei Tagen von Calama über Iquique, Arica, Tacna nach Arequipa, der größten Stadt im Süden Perus.
Tag 1: von Calama nach Iquique
Die Fahrt durch die Atacama Wüste geht über Maria Elena hinab nach Tocopilla und dann entlang der Pazifikküste nach Norden bis Iquique. Wir kommen durch Orte, die an Trostlosigkeit nicht zu überbieten sind, ehemals prosperierende Salpeter-Minen sind längst geschlossen und die Industrieanlagen verrosten vor sich hin, gespenstisch. Aber auch entlang der Küste auf der berühmten Straße Nr. 1, der Panamericana, passieren wir gottverlassene Wellblech-Hüttenansammlungen, ohne jeden Baum oder Strauch. Die Küstengebirge sind eine großartige Kulisse, aber sobald Menschen zugange sind, ist die Wüste voller verwehter Müllhaufen aus Plastikflaschen, Bauschutt und anderer abgekippter Konsumgüter, ein trauriges Bild.
Umso angenehmer sind wir überrascht von dem quirligen Leben in Iquique. Entlang einer Fußgängerzone sind fast alle der alten Holzhäuser restauriert und einige Bars und Restaurants laden mit Tischen im Freien zur Einkehr. Die sonst üblichen Modeketten mit ihrem ewig gleichen Einerlei fehlen völlig. Der Hafen, ein paar hundert Meter weiter, beheimatet eine ansehnliche Flotte von bunten Fischkuttern und als besondere Attraktion richtig fette und ebenso faule Seelöwen, die sich auf einer schwimmenden Plattform sonnen oder im Wasser auf die Fütterung durch die Fischer warten. Erstaunlich, wie selbst die allerfettesten einigermaßen elegant aus dem Wasser herauskommen.

Tag 2: Von Iquique nach Tacna in Peru
Wir hatten ein wunderschönes Hotel in einem alten, aber von einem genialen Architekten perfekt renovierten Haus mit einem integrierten Anbau und Innenhof, zu dem das Zimmer gelegen war. Kommt in die Top 10.
Iquique liegt auf einem schmalen Streifen am Meer, hinter dem sich das Küstengebirge und eine riesige Sanddüne erhebt. Der weitere Weg nach Arica, wieder mit Turbus, geht zunächst an dem Berghang hinter der Düne 1000m hinauf auf die Hochebene. Die Ödnis der Wüste hier ist gegenüber der Küstenstraße gestern noch mal gesteigert, auch trifft man selten auf Gegenverkehr, ein paar LKW und Busse, fast keine PKW. Manchmal zweigen Straßen rechts oder links ins Nichts ab, dann steht da ein Wartehäuschen, so einsam wie das Gestell von Apollo 11 auf dem Mond. Bedrückend sind die, nach schweren Unfällen, liegengelassenen Wracks und die vielen Kreuze an der Straße, die oft wie Grabstätten auf einem Friedhof gestaltet sind.
Auf der Strecke nach Arica müssen zwei Flusstäler überquert werden. Das klingt erstmal banal, bedeutet aber, dass jeweils über 1000m Höhenunterschied von der Hochebene zur Brücke und wieder hinauf zu überwinden sind. Wir haben (mit Absicht) die vordersten Plätze im oberen Stock direkt an der Frontscheibe gebucht. Von hier hat man natürlich eine tolle Sicht, fühlt sich aber bei der Fahrt hinab in diese gigantischen Canyons doch ein wenig ungemütlich, geht es doch hinter der Leitplanke hunderte Meter steil abwärts ohne jeden Halt. Die Kreuze stehen hier auch deutlich dichter…
In Arica müssen wir vom Bus in ein Sammeltaxi umsteigen und werden, von dem peruanischen Fahrer betreut, über die Grenze nach Peru, in die nächste größere Stadt, Tacna, gebracht. Aus- und Einreise ist unkompliziert, wir müssen aber einen Zettel zur Dokumentation unserer Reiseroute ausfüllen, das Coronavirus ist auch hier angekommen.
In Tacna geraten wir am Abend in die Fänge des fürsorglichen, aber auch geschäftstüchtigen René, der das Restaurant ‚Inca‘ betreibt und seinen Status auf Facebook gerne mit den zwei einzigen Gästen (noch dazu aus Deutschland!) anheben will. Das Essen ist vorzüglich, Alpaca, Lamm und Kalbfleisch auf einem Lavastein gebraten. Dazu gibt es ein, aus Quinoa hergestelltes Getränk.
Unser Hotel in Tacna heißt übrigens ganz passend ‚Mama Mia‘ und bietet Aussicht auf reichlich Wellblech, Müll und unverputzte Ziegelmauern…
Tag3: Von Tacna nach Arequipa
Der öffentliche Raum in Tacna ist deutlich von mehr Armut geprägt – schon auf dem Weg von der Grenze in die Stadt sieht man kahle Sandhügel, die mit Zelten und winzigen Häusern aus Betonsteinen bebaut sind – sicher ohne Wasser, Strom, etc.
Weil es in Tacna für uns nichts mehr zu tun gibt, fahren wir schon eine Stunde früher als nötig zum Busbahnhof. Keine schlechte Idee, denn der gebuchte Bus von Oltursa ist kaputt und wir werden im letzten Moment auf den Bus einer anderen Gesellschaft umgebucht, bekommen noch 21 Soles zurück und sitzen kurz darauf wieder in der ersten Reihe oben. Leider sind dir Fenster mit Folie zugeklebt und so bleibt nicht viel von der Aussicht, die sich aber von den Vortagen kaum unterscheidet. Lange 6 Stunden dauert die Fahrt ohne nennenswerter Pause, auch werden wir noch von Filmvorführungen belästigt, deren Tonspur durch die Buslautsprecher dröhnt. Hier in Peru ist sehr viel mehr Verkehr und der Fahrer oft und lange auf der linken Spur unterwegs. Als es dämmert haben wir immer noch 100 Km vor uns. Das Busterminal von Arequipa ist ein einziges hektisches Gewusel von hunderten Reisenden, Straßenverkäufern und Personal der Busgesellschaften, aber wir kommen heil hindurch in ein Taxi, das uns zum Hotel in die Innenstadt bringt. Nu is gut mit Busfahren!
Das Hotel Los Tambos ist sehr zentral, nahe des Hauptplatzes mit der Kathedrale gelegen und ein sehr angenehmer und ruhiger Ort, ein Quantensprung nach oben verglichen mit gestern. Das uns empfohlene Restaurant Chicha ist ein Erlebnis für sich, ein einladender Patio mit schön gedeckten Tischen und mehr aufmerksamen Obern als Gästen. Es gab als Vorspeise eine gefüllte Paprika und dann ein zart rosa gebratenes Alpaca Steak und knusprig gebratene Meerschweinchen Filetstreifen. Unglaublich lecker – das Restaurant gehört Gastón Acurio, dem besten und berühmtesten Koch Perus.
Es sind diese Wechselbäder von ‚very local‘ zu unerwartetem Luxus, die das Rucksack-Reisen anstrengend aber eben auch so spannend machen.













































