Das Maas ist voll, Heiko

Die geplanten Flüge von Cusco über Santiago nach Frankfurt wurden abgesagt. In der deutschen Botschaft in Lima herrscht ein derartiges Chaos, dass die Honorarkonsulin in Cusco in der WhatsApp Gruppe offen von Unfähigkeit spricht:
Gestern gab es mehrere Flüge raus aus Cusco, viele Busse, zuletzt mit Italienern, nun auch Schweizern und Österreichern dabei, fahren seit Tagen Richtung Lima, und ich muss hier guten Willen zeigen, die mehr als 600 gestrandeten Deutschen im Raum Cusco gruppieren, organisieren, hinhalten und vertrösten, während das AA -darf ich das jetzt doch einmal sagen?- versagt.
Ich melde mich wieder, Maria Jürgens

Aber das Auswärtige Amt ‚bemüht sich mit Hochdruck‘
Inzwischen hat sich in Cusco eine Gruppe Deutscher Gefangener virtuell zusammengefunden, die in den sozialen Medien, TV und Zeitungen Druck aufbauen will, dass sich nach zwei Wochen endlich was bewegt. Jeder schickt ein Selfie mit Mundschutz und mit der Collage gehen wir online. Sogar habe ich einen Twitter Account angelegt https://twitter.com/NikoLipkowitsch?s=09 um mich an der Aktion zu beteiligen und, wer weiß, vielleicht kann man den ja nochmal für die Arbeit bei den Grünen brauchen. Und wir freuen uns über jeden, der hier liked oder retweeted: https://twitter.com/GERstuckinperu

Ein Lichtblick nach 10 Tagen Hausarrest

Nachdem es seit Verhängung der Ausgangssperre am 16.3. keinen Fortschritt in Richtung einer Ausreise und Rückflug nach Deutschland gab, scheint es nun endlich für den 31.3. ein Flug mit LATAM von Cusco über Santiago de Chile nach Frankfurt zu geben. Der Botschafter feiert sich dafür, alle anderen schütteln nur den Kopf, aber immerhin, für die, die nicht in Cusco oder Lima warten, geht es erst Anfang April nach Hause.

Die Situation in Cusco hat sich fast täglich verschärft. Durften wir Anfangs noch selber einkaufen, so ist uns das jetzt auch untersagt, da unsere Gegend zu einer speziellen Sperrzone erklärt wurde. In unmittelbarer Umgebung hat es Coronafälle gegeben, ein ältere Mexikaner ist daran gestorben. Seither geht die Polizei rigoros vor und verhängte Quarantäne von mindestens einem Monat über ein Hostel in dem ein Corona-Fall entdeckt wurde. Fast 150 Gäste und Mitarbeiter sind betroffen, darunter auch Deutsche. Das Haus wird von Militärs rund um die Uhr bewacht und die Bewohner dürfen ihre Zimmer 23 Std. am Tag nicht verlassen.

Die Schikanen durch die peruanischen Behörden kennen keine Obergrenze:
– Wir dürfen offiziell unser Zimmer nicht verlassen; da wir aber die einzigen Gäste sind und die Klappladen zur Straße zum Schutz gegen neugierige Blicke geschlossen wurden, können wir im Innenhof und auf den Balkon an die frische Luft. Dieser Umstand ist eigentlich das größte Glück, das wir in dieser Zeit genießen.
– Für den Transfer zum Flughafen reicht nun nicht mehr ein Passierschein der Polizei sondern es muss auch eine Genehmigung des Außenministeriums vorliegen.
– Da der Flughafen in Lima geschlossen wurde und nur noch der militärische Teil geöffnet ist, können nicht mehr als 3 oder 4 Maschinen am Tag abgefertigt werden.

Warten auf Befreiung

In unserem kleinen Hotel Rumi Wasi, schön am Hang gelegen mit Blick über die Stadt, das wir mittlerweile alleine bewohnen, werden wir umsorgt von Priscilla, dem Hausmädchen und Köchin, Manuel, dem Manager und Cristina, der Eigentümerin die in Lima festsitzt. Von ihnen haben wir den Kontakt zur deutschen Honorarkonsulin in Cusco bekommen und sind von ihr, wie auch die fast 600 anderen gestrandeten Deutschen, in eine WhatsApp Gruppe aufgenommen worden um über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten zu werden. Zusätzlich gibt es eine WhatsApp Gruppe pro Fluggesellschaft, in unserem Falle Avianca, bei der wir ein Ticket für den Rückflug über Bogota nach München am 20.3. , also übermorgen, haben. Natürlich ist dieser Flug aber als ‚canceled‘ angezeigt.
Manuel hat uns versichert, solange wie notwendig bleiben zu können. Priscilla hat ihren 4 jährigen Sohn mitgebracht und lebt jetzt auch hier, um uns zu versorgen. Abends kocht sie Hühnchen mit Reis, ein Gericht, das wir befürchteten, die ganze Reise unzählige Male serviert zu bekommen, doch tatsächlich war es hier in Cusco das erste Mal in dem halben Jahr!
Es tut sich etwas am Himmel: Die Polizei lässt Drohnen fliegen, um zu kontrollieren, dass auch jeder brav zuhause bleibt. Und jetzt sind auch die ersten drei Latam Maschinen aus Lima gekommen, um Israeli und Mexikaner abzuholen. Seit es die App Flightradar gibt, kann sich ja keiner mehr am Himmel verstecken.
Avianca stellt sich taubstumm, keine Information, ob und wann ein Flug stattfinden wird.
Langweilig wird uns aber nicht, es gibt ja viele, die besorgt mit uns Kontakt halten. Aber wir haben, verglichen mit den meisten anderen Orten in Peru, die wir gesehen haben, wirklich Glück gehabt, dass es uns in Cusco erwischt hat.
Beruhigend ist auch, dass, sollten die Einkäufe zur Neige gehen, die Vorräte an Bauchspeck noch ziemlich lange halten werden.

Himmlische Leere: Nur ein paar Frachtflugzeuge über Peru

Geiselhaft in Cusco

Nun hat also Peru verfügt, dass wir hier zu bleiben haben, damit wir uns daheim nicht mit dem Coronavirus anstecken – es hätte aber noch ein Schlupfloch durch Kolumbien gegeben, das haben wir aber um ein paar Stunden verpasst.

In Cusco kann man sich aktuell über die Haftbedingungen mal überhaupt nicht beschweren.
Auch unsere Zelle, wiewohl aus hohen Mauern mit groben Felsbrocken errichtet, geht in einen kleinen Innenhof und von einer höher gelegenen Terrasse hat man eine fantastischen Aussicht auf die Stadt, die sich weit auf die Berghänge ausgebreitet hat.

Anders als das weiße Arequipa ist hier alles in Ton gehalten, die Dächer der Altstadt sind mit Schindeln gedeckt und die engen Gassen sind meistens so steil und mit Treppen gespickt, dass Autos kaum eine Chance haben in der Stadt herum zu fahren.

Das Zentrum der Altstadt bildet ein großer Platz, an dem zwei mächtige Kathedralen wetteifern, welche die bedeutendere ist. Rund um den Platz gibt es mehr als genug Auswahl an Kneipen, Cafés und Restaurants. Überquert man den Platz zügig wird man ca. 10 mal angemacht, ob man nicht mal in die Speisekarte, das Massageangebot, die Zigarettenauswahl oder die Schmuckschatulle schauen möchte oder sich nicht doch lieber die Schuhe putzen lassen will. Letzterem haben wir fahrlässigerweise zugestimmt. Der Preis gilt offenbar nur für einen Schuh und wenn man dann das Argumentieren anfängt, wird einfach der zweite Schuh so versaut, dass man kaum noch auskommt, den doppelten Preis zu zahlen, um dann später mühsam die gründlich verhunzten Schuhe selber wieder aufzupolieren. Umso angenehmer war ich überrascht, für 8 Euro eine Stunde sehr passabel massiert worden zu sein.

In und um Cusco sind die alten Mauern und Anlagen der Inka verstreut. Einige davon kann man auf einem Spaziergang durch die Altstadt entdecken, andere liegen etwas außerhalb und man kann entweder eine Tour buchen oder sich ein Auto mieten. Diese Mauern sind ja weltberühmt aber life davor zu stehen und die Dimensionen der millimetergenau gearbeiteten Steine zu erleben ist schon etwas Besonderes. Am eindrucksvollsten ist die Anlage Sacsayhuamán mit Steinen, die bis zu 200 Tonnen wiegen und 20 Kilometer weit vom Steinbruch transportiert wurden. Leider gibt es kaum erklärende Tafeln, erstens, weil man einen Guide nehmen soll und zweitens, weil man wohl wenig gesichert weiß, denn die Inka haben nichts aufgeschrieben und so scheint vieles nur Mutmaßung der Archäologen oder der Fantasie der Guides entsprungen.