Steampunk und Pinguine in Oamaru

In Oamaru befindet sich eine große Kolonie Zwergpinguine. Das hört sich spannend an. Da fahren wir mal hin, es liegt auch noch am Weg nach Dunedin, einem der Highlights auf der Südinsel. Oamaru sticht aus dem Einerlei neuseeländischer Kleinstädte dadurch heraus, dass es nicht aus Wellblech und Holzlatten zusammengenagelt wurde, sondern aus wirklich schönem, sehr hellem Kalkstein, der in der Gegend abgebaut wird, erbaut ist. Oamaru ist wohl ein kulturelles Zentrum der Gegend, es gibt eine Oper, Museen, Galerien, usw. Auch eine echte kleine Dampflok zieht sonntags ein paar Waggons schnaufend und trötend am Hafen auf und ab. Besonders zu erwähnen ist das Museum Steampunk HQ. Dort haben drei Künstler ein Projekt initiiert, in dem sie, aber auch andere Künstler ein Panoptikum skuriler Skulpturen aus alten technischen Geräten zusammengeschweißt und Scifi-Geschichten dazu erfunden haben. Unglaublich originell und beeindruckend, eine Bewegung und Kunstform, die mir bis dahin völlig unbekannt war!

Kommen wir zu den Pinguinen: Außer besagten Zwergpinguinen gibt es noch die sehr seltenen und endemischen Gelb-Augen Pinguine. Ein paar von denen brüten an einem Strand etwas außerhalb von Oamaru. Hoch über dem Strand kann man auf einem Holzpfad zu einem kleinen Unterstand laufen und hat Blick auf die Küste. Der Strand selber ist zur Brutzeit gesperrt. Die Pinguine wechseln sich in der Kinderbetreuung ab und jeweils einer ist den Tag über im Meer auf Futtersuche. Am Abend kommen sie dann zu ihrem Nest zurück und füttern die Jungen mit dem halbverdauten, stinkenden Fischbrei. Die Gelb-Augen Pinguine kommen so zwischen 6 und 7 heim, die Zwergpinguine um 8:45. Zeit genug, um beide zu besuchen. In Oamaru ist es saukalt, vielleicht 13° und es weht ein starker Wind, der den zeitweiligen Regen ideal horizontal auf’s Land peitscht – perfekte Voraussetzungen um sich ein oder zwei Stunden draußen aufzuhalten und nach Pinguinen Ausschau zu halten. Alle anderen Touristen haben nach einer Stunde längst wieder kehrt gemacht und wir beschließen auch, aufzugeben, als sich just der eine Pinguin, der schon ewig in der Brandung auf und abschwimmt doch überlegt, jetzt an Land zu gehen. Da watschelt also ein schwarz weißes Pünktchen über den Strand und ist hastduihnnichtgesehen schon im Nest verschwunden. Der geneigte Betrachter mag in den drei Pixeln einen Pinguin erkennen, dass es der Gelbaugen-Pinguin ist, muss man halt glauben – immerhin hat das Warten nichts gekostet…

Gänzlich anders bei den Zwergpinguinen…. Die Kolonie der wildlebenden Zwergpinguine entpuppt sich als geniales win-win Projekt des örtlichen Tourismus Managements. Gegen einen saftigen Eintrittspreis wird man auf eine Tribüne mit hunderten Sitzplätzen geleitet und von der Anweiserin in scharfem Ton unterwiesen, a) die Klappe zu halten, b) nicht zu fotografieren und c) ihren Anweisungen im Falle einer Notlage Folge zu leisten. Die Pinguine, die schon im Wasser auf das Kommando zum Landgang warten wären durch Gespräche und Rotlicht aus der Fokussierelektronik der Kameras sehr irritiert. Die Durchsagen kommen über ohrenbetäubende Lautsprecher und die ganze Szenerie ist von gleißenden gelben Scheinwerfern ausgeleuchtet. Da ist man doch sofort von der Notwendigkeit dieser Vorsichtmaßnahmen überzeugt. Genug der Vorrede. Die Pinguine kommen in Gruppen von 30-50 aus dem Meer und werden erstmal von der Brandung geschleudert, bevor sie zum Trocknen an Land hopsen und dann sichtlich erschöpft die Böschung hinaufwatscheln, nah an der Premium-Tribüne vorbei. Dann ruhen sie sich erstmal unter einem Bretterweg aus, bis sich einer traut und den Weg in die Brutkästen antritt. Überhaupt achten die Pinguine sehr auf Geschlossenheit, keiner darf zurückbleiben und alles wird gemeinsam gemacht, keine Alleingänge! Über 100 dieser Brutkästen sind hier aufgestellt, damit die Pinguine nicht selber welche graben müssen, aber natürlich ist das hier kein Zoo, sondern alles ist ganz wild und natürlich. Weitere Pinguine kommen, sauber einzeln gezählt und mit über die Lautsprecheranlage aktualisierten Landungszahlen (da hören die Pinguine jetzt aber genau zu ). Jetzt kommt der Brüller: Manche Pinguine haben sich überlegt, unter der Bühne wild zu brüten! Da sie ja total geschützt sind, müssen die Aufseherinnen hilflos zusehen, wie die Pinguine durch die Absperrung schlüpfen und zwischen den Sitzreihen hindurch zu ihren Nestern watscheln. Das ist schon einer der besten Momente des Abends, man sieht sie ganz aus der Nähe, sie sind ja nur ca. 30 cm hoch aber doch sehr putzig. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz wird es dann noch besser, die Pinguin Küken, die mittlerweile genauso groß sind wie ihre Eltern (aber in flauschigen Flaum gekleidet) kommen bettelnd und piepsend aus den Brutkästen und misshandeln förmlich ihr fütterndes Elternteil mit ihren gierigen Schnäbeln, einen Schritt von den Besuchern entfernt! Leider gibt es nur ein heimlich aufgenommenes Nachbild, man will ja nicht sein Leben riskieren, wegen ein paar Pinguinen, 237 heute Abend, um genau zu sein…