Die Kauri Bäume sind nach den Sequoias die zweitgrößten Bäume der Welt. Wir besuchen den Tane Mahuta (Gott des Waldes), der ca. 2000 Jahre alt sein soll. Ein Gigant im Wald, von den Maori als Vater allen Lebens verehrt. Er ist über 50 m hoch, hat einen Stamm mit ca. 6m Durchmesser und bis in eine Höhe von 14m keinen Ast (245 qm Holz). Ein anderes Exemplar, den Tematua Ngahere (Vater des Waldes), ist vermutlich noch 500 Jahre älter, hat einen noch dickeren Stamm, schaut aber altersbedingt in der Krone schon arg gerupft aus.
Es erscheint uns unvorstellbar, wie es die europäischen Siedler (eigentlich Invasoren) es in wenigen Jahrzehnten geschafft haben, mit den damaligen Werkzeugen in dem Land derartig gründlich den Urwald mitsamt diesen riesigen Kauris zu vernichten. Seit einigen Jahren gehört das Land jetzt wieder formell den Maori, na toll. Das Fällen von Kauris ist mittlerweile verboten, nur die Maori dürfen für rituelle Handlungen (z. B. den Bau eines Kanus) noch Bäume schlagen.
Der Begriff des Waldbadens könnte ebenso gut von den Maori stammen. Die Ehrfurcht vor den Bäumen war bei dem Gebet in den Wald unseres Guides auf Te Reo Māori auch ohne Übersetzung zu spüren.
Von Auckland sind es fast 4 Stunden Fahrt durch die anfangs sehr hügelige aber hübsche Landschaft gen Norden. Als wir links abbiegen um zur anderen Küstenseite zu gelangen, ändert sich die Landschaft: Weideflächen sind eingezäunt und zahlreiche Rinderherden stehen dicht an dicht. Die Hügel sind jetzt forstwirtschaftlich gründlich zerstört, großflächiger Kahlschlag wird mit Kiefern neu bepflanzt wie ein Maisfeld. Hier sollen also die berühmten letzten Kauri Bäume Neuseelands stehen? Tatsächlich ändert sich hinter einem Schild plötzlich die Vegetation und wir fahren auf einer kurvenreichen kleinen Straße durch einen dichten Urwald mit Palmfarnen und vielen anderen, uns unbekannten Baumarten. Der Campingplatz, den wir uns ausgesucht haben, liegt sehr idyllisch, unweit eines kleinen Flusses am Rand eines urigen Waldstücks, in dem tatsächlich zwei beeindruckend große Kauri Bäume stehen. Diese Bäume wachsen kerzengerade und verzweigen erst in großer Höhe. Ihr Holz ist stabil und war deswegen sehr geschätzt für jede Art von Bau oder Schiff. Dementsprechend wurde der Bestand dezimiert und die traurigen Reste sind nun zwar streng geschützt werden aber von einem Pilz bedroht, gegen den es kein Mittel gibt. Deswegen muss der Wanderer seine Schuhe reinigen und desinfizieren bevor er den Trampelpfad zu den Bäumen betreten darf. Hier zwitschern viele Vögel und besonders nett sind die Sittiche mit ihrem bunten Gefieder. Auf dem Campingplatz haben wir ein lauschiges Plätzchen am Rande des Waldes gefunden und ich baue das erste mal unser Zelt in einer perfekt gemähten, ebenen Wiese auf. Auch der Gaskocher kommt erfolgreich zum Einsatz. Es schmeckt vorzüglich aus der Pfanne, die billiger war, als das was jetzt darin brutzelt.
Auf einem Nightwalk durch die Kauris erfahren wir von dem Maori-Ranger Erstaunliches über die Tierwelt und die ökologischen Wechselwirkungen und Schäden, die hier seit Eintreffen der Europäer in ungeheurem Ausmaß um sich greifen. Das Artensterben hat hier durch die eingeschleppten Räuber eine ganz andere Dynamik. Das Nationaltier Neuseelands, der Kiwi, wird aussterben, wenn es nicht sehr bald gelingt, Ratten, Possums, verwilderte Hunde und Katzen auszurotten, der Bestand nimmt mit 2% pro Jahr ab. Wir bekommen noch auf der Rückseite eines dicken Stamms die Wetas gezeigt, das sind Riesengrillen! Und in der Nacht hören wir noch zwei der vier Kiwis rufen, die hier in der Nähe des Campingplatzes leben.