Riesenparty geschenkt bekommen

Der Capitan Luis auf der Skorpios III gab sich die Ehre und uns ein Gala-Diner. Wolf, aus Perth, hat seinen 75. Geburtstag gefeiert und saß auch noch an unserem Tisch – da haben wir dann ein gemeinsames Geburtstagsständchen aller Passagiere bekommen.
Das Essen war super lecker und nachdem alle propesatt waren, wurden die Buffettische weggeräumt und der Speisesaal in eine Tanzfläche verwandelt. Bis um Mitternacht wurde getanzt, besonders eifrig und gekonnt natürlich die Chilenen und Mexikaner.

‚Wir hätten erschossen gehört‘

Die Kreuzfahrt mit dem Expeditionsschiff Skorpios III zu den Gletschern des Campo Hielo del Sur.

‚Wir hätten erschossen gehört‘, wenn wir uns dieses Abenteuer nicht gegönnt hätten. Zuerst war Susi erschrocken, wie klein das Schiff ist. Aber es hatte genau die richtige Größe für diese Fahrt, groß genug, um ruhig im Wasser zu liegen und sich nahe an die Gletscher heran wagen zu können, aber klein genug um in den engen Fjorden Patagoniens zu manövrieren. Mit nur 53 Passagieren war das Schiff halb voll und daher überall viel Platz, keine Wartezeiten und die 34 Mann Besatzung haben uns auf das vortrefflichste betreut und verköstigt. Jeder Superlativ ist da gerechtfertigt. Wir hatten eine ungemein großzügige Kabine mit drei Fenstern und 4 Betten, schön warm und gemütlich, zentral gelegen und mit einem perfekten Bad. Jederzeit konnten wir auch den Kapitän auf der Brücke besuchen sowie in 2 Bars frisch flambierten Irish Coffee, Pisco Sour, heiße Schokolade, etc. nachtanken.

Die Landschaft rund um das Campo Hielo mit den verwinkelten Fjorden und die zahlreichen gigantischen Gletscher (nach der Antarktis und Grönland das drittgrößte Eisfeld der Welt), die wir besucht haben, waren (zumindest für mich) der bisherige Höhepunkt der Weltreise.
Die Bilder zeigen den Amalia Gletscher, der mit einer 2 Kilometer breiten Eiswand in den Fjord mündet. Ständig kracht es irgendwo und es fallen gewaltige Brocken ins Meer, die oft große, aber flache Wellen aussenden. Der Gletscher mit seinen unzähligen Formen, Figuren, Farben und seiner absoluten Reinheit hat uns gefesselt, derartige Abgeschiedenheit und Unberührtheit haben wir so noch nicht erlebt.

Das Wetter war erst wechselhaft, dann hat es meistens geregnet, nur während des Mittagessens schien regelmäßig die Sonne. Aber erstaunlicherweise hatte das keinen Einfluss auf das Programm und das Erlebte, denn im Schiff war es immer warm und trocken. Aber hier kamen tatsächlich alle unsere warmen und wasserdichten Sachen gleichzeitig zum Einsatz. Außerdem besteht Patagonien sowieso zu 90% aus Wasser, da war die neblig trübe Stimmung sehr authentisch und ließ die Gletscher noch mehr wie aus einer versunkenen eiszeitlichen Welt erscheinen.

Die Skorpios hat einige kleinere Boote mit Außenbordern am Heck gelagert, die für die insgesamt 6 Ausflüge und Landgänge mit einem Kran zu Wasser gelassen werden. Alle Passagiere bekommen eine Schwimmweste vor dem Ausstieg, dann geht die Fahrt in die Buchten durch die schwimmenden Eisbrocken dichter heran an die Gletscher oder zu den vorbereiteten Ausstiegsstellen.

Einer der Fjorde war für die Skorpios zu flach, da lag dann, in einer Bucht gut versteckt, der kleine Eisbrecher Capitan Constantino bereit, mit dem wir dann durch eine Brühe aus Eisbrocken und -bergen dicht an die Abbruchkante der Gletscher bugsiert wurden. Zur Krönung wurde ein Whiskey 12/30000 serviert (12 Jahre der Scotch, 30000 das Eis).

Den Gletscher Alsina haben wir auf einem Landgang nach einem kurzen Spazierweg über die Muräne aus nächster Nähe besucht. Die vom Gletscher transportierten Steine hatten unglaublich farbige Mineralien eingeschlossen

Die Besatzung war sehr umsichtig mit den (zum Teil schon sehr betagten) Passagieren und belegte z.B. glatte Felsen mit Gummimatten. Weniger fürsorglich erschien uns der Umgang mit dem Schiff, das der Kapitän scheinbar mehrfach ‚in den Sand gesetzt hat‘, jedenfalls so dicht ans Ufer, dass man Sorge hatte, es könnte stecken bleiben. Aber der Kapitän ist zusammen mit seinen 6 Geschwistern Eigentümer des Schiffs, geerbt von seinem Vater, der es 1995 hat bauen lassen. Der Großvater kam aus Griechenland und hat Skorpios gegründet, eine faszinierende Geschichte, die im Speisesaal in Bildern lebendig gehalten wird und heute eine Aura liebevoller, familiärer Fürsorge über das Schiff legt. Jorge, der schon etwas vergesslich, aber überaus herzlich serviert hat und der lustige Schiffsclown und Übersetzer Armando werden uns besonders in Erinnerung bleiben.

Was für ein Geschenk, dass wir für diese Kreuzfahrt drei Tage vorher noch dieses Last Minute Ticket bekommen haben!

Noch mehr Pinguine

In der Magellanstraße liegt die kleine, unbewohnte Insel Magdalena mit einem Leuchtturm und tausenden Seevögeln. Mit einem alten, ausgedienten kleinen Fährschiff sind es zwei Stunden Fahrt von Punta Arenas. Unterwegs sehen wir allerlei Getier, besonders spannend ein paar Toninas (Weißbauchdelfine), weiß-schwarz gefleckte Delfine, die wie kleine Orkas aussehen.
Neben den unvermeidlichen Möven haben Skuas, Kormorane und besonders viele Magellan Pinguine diese Insel belagert um zu brüten und ihre Jungen groß zu ziehen. Die Besucher werden von Parkwächtern bzw. Guides instruiert, den Rundweg nicht zu verlassen und keine Pinguine anzufassen (was denen wahrscheinlich gar nicht so unangenehm wäre, würde man an der richtigen Stelle kraulen). Scheu sind sie jedenfalls gar nicht, liegen manchmal mitten auf dem Weg und gehen kaum einen Schritt zur Seite. Aber die Insel ist keineswegs ein Paradies, sondern bietet einen beinharten Einblick, wie es in Wirklichkeit in der Natur zugeht. Die Skuas haben hunderte junge Möven getötet und das Fleisch heraus gefressen. Etliche Jungtiere, auch manche Pinguine sind am Verhungern, weil die Eltern abhanden gekommen sind oder ihre Jungen verstoßen haben. Das Beobachten der Pinguine aus allernächster Nähe ist aber einmalig, das Betteln der Jungtiere, gegenseitiges Putzen, die Begrüßungs- und Paarungsrituale, das drollige Watscheln vom Strand zur Nisthöhle. Eine Stunde haben wir Zeit, bei bestem Sonnenschein und absoluter Windstille – das sind schon außergewöhnliche Bedingungen für diese Gegend – letzte Woche hatte es noch 125 km/h gestürmt und auch 180 km/h können zumindest im Winter vorkommen.
Und nochmal haben wir richtig Schwein gehabt – eine Kreuzfahrt, 3 ½ Tage durch die Kanäle Patagoniens zu den Gletschern des Campo Hielo, Last Minute, für weniger als die Hälfte des normalen Preises bei Buchung über das Internet ergattert.

Die Königspinguine auf Feuerland

Früh um 8 werden wir in unserem Hostal zu der Tour nach Feuerland abgeholt, Paula, unsere Reiseleiterin spricht gut Englisch, schafft aber in Spanisch erheblich mehr Silben pro Sekunde. Der Fahrer Alfredo bemüht sich kaum, auch mal zu Wort zu kommen. Da wir die ersten sind, haben wir außer der optimalen Platzwahl auch noch das Vergnügen einer Stadtrund- oder Irrfahrt, bis alle 15 Teilnehmer gefunden und in den Bus gepfercht sind. Zum Fährhafen ist es nicht weit und wir setzen nach Porvenir über, mit 7000 Einwohnern der größte chilenische Ort auf Feuerland. Wir besuchen ein kleines Museum zur Geschichte Feuerlands welches u.a. einige Schädel und eine komplette Mumie von Ureinwohnern, den Selk’nam, ausstellt. Eine traurige Geschichte, wie die Ureinwohner im 19. Jh. systematisch von den Schafzüchtern und den eingeschleppten Krankheiten ausgerottet wurden.
Das Mittagessen in einer der primitiven Hütten war von der Kategorie ‚very local‘, aber an diesem abgelegenen Zipfel der Erde ist das völlig ok.
Das eigentliche Ziel, die einzige Kolonie der Königspinguine auf dem ‚Festland‘ ist noch über 100 Km Schotterstraße entfernt. Dort befindet sich ein kleines Besucherzentrum und es sind zwei Aussichtsplattformen hinter Brettern erbaut, von denen man die Pinguine gut beobachten kann, ohne dass sie sich gestört fühlen. Es sind schon ein paar Küken geschlüpft und die vom letzten Jahr mausern sich gerade, um ihr flauschiges Daunenfell gegen die wasserfesten Federn zu ersetzen. Gerade kommen drei Altvögel vom Fischen zurück über die Wiese gewackelt und begrüßen ihre hungrigen Partner und Küken. Ein ganzes Jahr müssen sie abwechselnd auf die Kleinen aufpassen oder Futter beibringen. Heute weht ein richtig warmer Wind und man könnte meinen, dass es den Pinguinen jetzt echt zu heiß ist. Auf jeden Fall sind sie äußerst hübsch anzusehen und durch die aufgestellten Teleskope auch ganz genau zu beobachten, hat man sich in der Schlange geduldig und erfolgreich angestellt.

Die Weiterfahrt geht in einem weiten Bogen durch die karge subarktischen Landschaft über 130 Kilometer zur schmalsten Stelle in der Magellanstraße, wo wir mit einer Fähre in nur 20 Minuten wieder auf dem ‚Kontinent‘ sind. Unterwegs sehen wir viele (wilde) Guanacos und Nandus und besichtigen noch eine Geisterstadt, die von dem berüchtigten Schafsbaron Mendez erbaut wurde. Zwei alte Kähne rosten am Strand beeindruckend vor sich hin. Schließlich kommen wir in der Abendsonne um 9 Uhr zurück nach Punta Arenas – ein echt langer, schöner Tag mit vielen Eindrücken vom südlichen Ende der Welt, aber auch über 400 Km Autofahrt.

P.S. Das war jetzt der 100. Beitrag ???

Punta Arenas

Der Flug nach Punta Arenas war spektakulär schön, bei bestem Wetter hatten wir eine großartige Aussicht auf die Inseln und Kanäle Patagoniens, die Gletscher des Campo Hielo und den Nationalpark Torres del Paine.

Punta Arenas, die südlichste Großstadt der Welt, ist schwer gezeichnet von den Unruhen. In der Innenstadt sind praktisch alle Geschäfte, Banken, öffentliche Gebäude mit Holz- oder Wellblechtafeln vernagelt. Etliche eingeschlagene Fensterscheiben und völlig ausgebrannte Häuser wirken beklemmend.
Am Strand zur Magellanstraße ein anderes unwirkliches Bild: Hunderte Badegäste am Strand und nicht wenige davon im Wasser, keine Ahnung wie warm oder kalt das ist, aber die Sonne wärmt doch kräftiger, als wir es erwartet hätten, die Kormorane jedenfalls sonnen sich lieber.
2020 jährt sich die Entdeckung der Verbindung von Atlantik zum Pazifik durch Magellan zum 500. mal, dessen Flotte, zwar unter großen Verlusten, die erste Weltumseglung glückte.
Wir haben in einem kleinen Reisebüro eine Tagestour nach Feuerland gebucht, das liegt auf der anderen Seite der Magellanstraße, 2 Stunden mit der Fähre entfernt.