Von Christchurch nach Picton sind es fast 400 sehr gemütliche Kilometer im Coastal Pacific Express von Kiwi Rail, müsste man nicht schon um halb 7 am Bahnhof sein. Von Picton nach Wellington setzt die Interislander Fähre über und sein Gepäck muss man erst in Wellington wieder selber tragen. Die Fahrt geht entlang der Ostküste, meist am Meer entlang und wir sehen Delphine, Seebären und einige Neopren-Robben auf ihren Plastikbrettern aus den Panoramafenstern. Aber besonders drollig sind die Schafe, die von dem lauten Zug wie mit einem imaginären Schafspflug beiseite geräumt werden. Aber natürlich rennen sie selber, die Deppen. Die Fahrt geht am nächsten Tag nochmal 500 Km weiter von Wellington nach Norden, unser Ziel sind die berühmten Glühwürmchen Höhlen in Waitomo. Das Wetter ist phantastisch und wir erleben die Landschaft, die wir auf dem Weg nach Süden nur regenverhangen gesehen haben ganz anders. Eine Erwähnung wert ist die Zugbegleiterin, die am Anfang der Reise bestimmt ein Viertel Stunde lang über Lautsprecher auf jedes Detail hinweist, von der elektrischen Sitzheizung über die Funktion der Notbremse sowie die Gefahren, die durch heiße Kaffeebecher ausgehen, wenn man sie ohne Deckel herum trägt. Sie hat einen scharfen Blick und kennt ihre Schäfchen im Zug genau, hat sie doch vorher am Schalter beim Check-In die Boardkarten verteilt. Der Zug ist bis auf den letzten Platz besetzt und steigt wer aus, werden die neue Fahrgäste auf den freigewordenen Plätzen treffsicher von der Dame persönlich instruiert – das volle Programm.
Weihnachten in Christchurch
An Heiligabend haben wir in einem kleinen Fischrestaurant am Hafen von Lyttleton vorzüglich gespeist und zwar im Freien in der Sonne sitzend, die so um halb 9 hinter den Hügeln versank. Dann sind wir für den letzten Gang in die warme Stube. Der Rosé war exzellent und da wir unseren Camper schon abgegeben hatten (mit 2498 gefahrenen Km) konnten wir uns eine ganze Flasche schmecken lassen. Für den Rückweg nach Christchurch haben wir den Bus dann ganz für uns allein gehabt.

Am Weihnachtstag ist in Christchurch nicht viel los, aber die historische Straßenbahn ist gefahren und so haben wir ein geöffnetes Café gefunden (zum Glück arbeiten die Chinesen und Inder ohne Gram an Weihnachten) und uns den botanischen Garten angesehen, aus dem besonders die zahlreichen, üppigen bis gewaltigen Bäume in Erinnerung bleiben. Christchurch ist auch 8 Jahre nach dem verheerenden Erdbeben noch sichtbar gezeichnet von der umfassenden Zerstörung, viele Grundstücke in bester Lage sind nur als Parkplatz genutzt und etliche Gebäude sind immer noch notdürftig abgestützt, aber nicht benutzbar. Die Kathedrale ist ein eingezäunter Trümmerhaufen, als wäre es letzte Woche erst passiert.
Von Milford Sound nach Christchurch
sind es 900 mühsame Kilometer! Die erste Etappe geht nach Queenstown, dem Mekka der Adrenalinjunkies. Bungeejumping, Paragliding, Fallschirmspringen, Heli-Biking, Speedboat, nichts was es hier nicht gäbe. Wir bescheiden uns mit einer Seilbahnfahrt auf den Hausberg, der mit einer Sommerrodelbahn aufwartet, bedient von einem kurzen Sessellift. Die Rodelbahn auf gummibereiften Karts ist nicht übermäßig anspruchsvoll, trotzdem bekommt man vor der ersten Fahrt ein Sicherheitstraining, dessen Bestehen mit einem Stempel auf dem Handrücken dokumentiert wird. Ab dann darf man ‚unkontrolliert‘ fahren. Die Schau sind eine Busladung indischer Touristen, nebst zahlreichen Chinesen, von denen wohl einige noch nie Sessellift gefahren sind. Eigentlich wollten wir einen Hubschrauberflug zu den Gletschern der Südalpen machen, aber wegen zu viel Wind wurde der leider abgesagt (nach unseren Erfahrungen mit dem typischen Wetter hier müssten die neuseeländischen Hubschrauber-Firmen längst Pleite sein). Die zweite Etappe geht an den Lake Tekapo, einem Stausee, der von den Gletschern gespeist wird und deswegen unverschämt türkis leuchtet, wenn die Sonne scheint (das tut sie heute tatsächlich). Der Weg durch die Südinsel quert unbesiedelte, großartige Landschaften amerikanischer Ausmaße. In der Ferne erheben sich die weiß verschneiten Berggipfel um den Mount Cook, dem höchsten Berg Neuseelands. Hie und da ein paar Schafe und Kühe auf den kargen Weiden. Überhaupt wächst hier nicht viel außer Grasbüscheln und ein paar Sträuchern, wunderschön sind aber große Flächen mit blühenden Lupinen. Am Lake Tekapo gibt es nur einen Campingplatz der hässlichen Sorte, aber wir machen das beste daraus und fahren zum Sonnenuntergang an das Seeufer, um dort unser Abendessen zu bereiten. Die Gegend ist zum Sternegucken besonders geeignet, da es wenig Lichtverschmutzung und oft einen klaren Himmel gibt. Das Teleskop auf dem Hügel neben dem Campingplatz wird entsprechend vermarktet, aber zu Preisen, dass man heulen muss und dann natürlich keine Sterne sieht. Also gucken wir so in den Himmel und sehen ganz für umsonst, dass der Orion auf der Südhalbkugel auf dem Kopf steht. Die dritte Etappe in die Nähe von Christchurch ist ereignisarm und windig aber am Ende wartet einer er schönsten Campingplätze dieser Reise auf uns in der Duvauchelle Bay – bestes Wetter, keine der üblichen Plagen wie Wind, Sandfliegen, bettelnde Vögel, Lärm, etc. sondern ein sagenhaft schönes, unverstelltes Panorama auf die Bucht und die Hügel dahinter.

Hilfe, ein Kea
Oder über die Unmöglichkeit, auf einem sonnigen Felsen in Frieden Brotzeit machen zu können. Keas sind nicht blöd und außerdem mit ihrem braun-grünen Gefieder hervorragend getarnt. So lauern sie also in der Nähe frequentierter Parkplätze auf ihre ahnungslosen Opfer. Und wir waren tatsächlich überrascht als der grelle Ruf (von dem der Kea seinen Namen bekommen hat) aus den nahen Bäumen kam und nur Sekunden später der erste eine Armlänge von uns entfernt aufsetzte. Überraschungen können ja freudiger Natur sein oder aber ängstigen. Der eine rennt also nach seinem Foto und die andere versucht derweil den Brotzeitpapagei auf Distanz zu halten. Aber so einfach lässt sich ein Kea nicht beirren, selbst ein Küchenmesser, vor den Schnabel gehalten, interpretiert er als Spielzeug und nicht als Warnung. Mit dem Handtuch aufgescheucht, fliegt er kurz 270° und greift von hinten an. Füttern ist ja streng verboten, aber es ist schwer zu verhindern, dass er sich selbst füttert… Zumindest die unscheinbaren Krümel vom Brotschneiden kriegt er mit seinem Krummschnabel aus den Felsritzen herausgepult. Erst als die Plastikschüssel mit den Essenssachen wieder im Auto ist, lässt er von uns ab.
Milford Sound
Entstanden sind die Fjorde in der letzten Eiszeit, in der es wohl genauso oft und viel geschneit hat, wie es jetzt regnet. Die Gletscher müssen gewaltig gewesen sein und sie haben die Granit-Berge gründlich abgehobelt, die Gipfel ragen aber immer noch über 2000 bis fast 3000m hoch. An den glatten Flanken bemühen sich die Bäume Halt zu finden, aber weiter oben wächst nichts mehr, was auch am Wind und dem rauen Klima liegen mag. Der Ort Milford Sound besteht eigentlich nur aus vielen, vielen Parkplätzen, diese aber schön in Grün eingebettet und für nur 10$ die Stunde zu haben. Es gibt noch einen abenteuerlichen Flughafen und eine Container-Siedlung für die Angestellten. Fast alle Chinesen kommen mit dem Bus (und es gibt davon viele), dann gibt es noch ein paar andere Touristen, die mit dem eigenen Auto oder Camper kommen, möglicherweise ist auch mal ein Einheimischer darunter. Zahlreiche Schiffe fahren vielfach am Tag in den Fjord – morgens relativ günstig, mittags fast doppelt so teuer. Wir haben eine zweistündige Rundfahrt mit einem relativ kleinen Schiff gebucht und bei strahlendem Sonnenschein, aber einstelligen Plusgraden, geht es früh um 9 Uhr los. Es ist jetzt offiziell Sommer und die Neuseeländer sind froh, dass das Frühjahr vorbei ist – es muss eines der kältesten und nässesten seit vielen Jahren gewesen sein. Zum Milford Sound muss man nicht viel erzählen, da die Bilder für sich sprechen – atemberaubend, besonders die Wasserfälle, an die der Kapitän so dicht heran bugsiert, dass die vorwitzigen Passagiere ganz vorne am Bug von der Gischt eine frische Ladung abbekommen, aber es soll um 10 Jahre jünger machen. Wir bleiben auf dem obersten Deck und werden dafür nur 5 Jahre jünger.
Land unter im Fiordland Nationalpark
Die Südwestküste der Südinsel Neuseelands ist durch die Südalpen und zahlreiche Fjorde fast komplett unzugänglich. Es gibt genau eine 110 Km lange Sackgasse, die in Te Anau beginnt und in den Milford Sound führt, alle anderen Fjorde sind nur mit dem Boot oder dem Hubschrauber zu erreichen. Den Tag zuvor hatte es wiedermal ausgiebig geregnet, das haben wir in Te Anau ausgesessen. Der Campingplatz dort hatte sogar eine (Hobbit-) Sauna, die wir im strömenden Regen aufgesucht haben. Ein winziger Bretterverschlag, in Fassform, mit einem Elektroofen, durchaus auf Temperatur gebracht, aber durch das ‚Dach‘ tropfte der Regen, so dass es mehr ein Dampfbad denn eine Saunagang wurde. Der Weg im Regen zurück zum Camper, nur mit einem Handtuch umwickelt, sah wohl für die anderen Gäste etwas irritierend aus. Außer der Sauna gab es in Te Anau noch ein Kino mit einem tollen Film über den Nationalpark, hauptsächlich mit spektakulären Aufnahmen aus dem Hubschrauber und eine Holzofen Pizzeria, von echten Italienern betrieben.
Wir haben mit unglaublich viel Glück für eine Nacht einen Platz für den Camper in der Milford Sound Lodge ergattert, der einzige Übernachtungsmöglichkeit im Fjord – normalerweise sind alle Plätze über Monate ausgebucht. So haben wir viel Zeit, um entlang der Strecke die zahlreich ausgewiesenen Highlights anzusehen. Fiordland besteht nur aus Bergen, Regenwald und unfasslichen Mengen Wasser. Es regnet hier an 200 Tagen im Jahr und würde es nicht doch irgendwie ablaufen, stünde das Land nach einem Jahr 10m tief unter Wasser. Wir machen eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt hinauf, 3 Stunden, in denen es 5 mal regnet und zwischendrin immer wieder kurz die Sonne scheint. Schon bald hinter dem Parkplatz ist klar, hier ist nicht der Weg das Ziel, sondern der Bach der Weg. Es tropft und trieft aus allen Ritzen und der Wald ist so vollständig in Moos eingewickelt, als wären die Bäume nur aufgestellt, damit das Moos noch mehr Platz zum Wuchern hat. Mit zunehmender Höhe werden die Bäume kleiner, bis man über sie hinweg schauen kann und dann offenbart sich ein tolles Bergpanorama mit völlig unberührten Tälern, so wie es in den Alpen vor vielleicht 1000 Jahren ausgesehen haben mag. Die Gipfel sind frisch verschneit (endlich mal weiße Weihnachten!). Die Straße verläuft nun zwischen fast senkrechten, kahlen, hunderte Meter hohen Felswänden hindurch, über die sich in kurzen Abständen die weißen Striche der Wasserfälle abzeichnen. Vor einer der gigantischen Felswände scheint Schluss zu sein, aber es geht durch einen verwegenen Tunnel steil bergab weiter. Auf der anderen Seite ist das Wetter besser, aber die Szenerie gleich spektakulär. Es gibt noch einen Canyon zu bewundern, den sich ein Fluss in den Fels geschliffen hat und tosend darin verschwindet und dann sind wir auch schon im Milford Sound angekommen.
Maximal weit weg
Gestern haben wir den Ort auf unserer Reise erreicht, der am weitesten entfernt von zuhause ist. Dieser Punkt ist definiert durch den Antipoden der Daten auf meinem T-Shirt, also 48°08’25.6“S, 168°22’39.2″W (gedanklich: Wenn man einen Stock daheim senkrecht in die Erde steckt, wo schaut er auf der anderen Seite raus). Dieser Punkt liegt im Pazifischen Ozean, aber gar nicht so weit von der Südinsel Neuseelands entfernt. Am nächsten, dachte ich irrtümlicherweise, kommen wir diesem Punkt beim Ort Balclutha. Genaueres Nachrechnen ergab für Balclutha 236 km, aber der nächste Ort Clinton war mit 228 km noch näher, dann kam Gore mit 231 km Entfernung von dem theoretischen Maximum) Zum Glück gibt es in Neuseeland noch keinen Ort „Trump“.
Königsalbatrosse, Pinguine und Seebären in Dunedin
So langsam nähert sich das Wetter in Neuseeland dem an, was man um diese Jahreszeit zuhause erwarten würde, 11° bei Dauerregen. Auch die Standheizung mag nicht mehr, zum Glück gibt es in einer Schrankecke einen Heizlüfter!
In Neuseeland, auf der Halbinsel Otago, vor den Toren Dunedins, gibt es die weltweit einzige Albatross-Brutkolonie auf dem Festland. Auf dem hintersten Hügel der Halbinsel haben sich die Meeresvögel eingerichtet. Bevor man aber vom Parkplatz kommend die Albatrosse am Himmel entdecken kann, muss man durch die Mövenhölle. Tausende Lummen, Scharben, Kormorane nisten in den Klippen, nur die Möven müssen auf der Wiese neben dem Parkplatz brüten. Die Folge ist nicht nur wildestes Geschrei und Scheinangriffe auf die Besucher, die vom Auto kommen, sondern auch noch die fast 100% Garantie eine ordentliche Ladung Mövenscheiße auf den Kopf zu bekommen – abwaschbare Regenjacke mit Kapuze ist also die Kleidung der Wahl (das Auto ist nach dem Besuch auch allseits besprenkelt). Dafür kann man ganz nah an den flauschigen Mövenküken vorbeigehen, in dem Stadium sind sie ja noch ganz süß. Hat man den Hitchcock-Pfad hinter sich gelassen und wagt es endlich, auf einer der Aussichtsplattformen, den Blick gen Himmel zu heben, sind die Albatrosse mit ihren über 3m weiten Schwingen am Himmel leicht auszumachen. Meist fliegen sie hoch oben, aber hin und wieder kommt einer auf Augenhöhe vorbei, so dass man sie gut beobachten kann. Diese riesigen Vögel sind aerodynamisch so optimiert, dass sie zwar ohne einen Flügelschlag unendlich in der Luft segeln können (außer bei Flaute), wehe aber, wenn sie landen müssen. Wir machen noch eine Führung mit, bei der man nach einer multimedialen Einleitung eine halbe Stunde Zeit hat, in einem verglasten Unterstand auf die Wiese zu blicken, auf der die Vögel brüten und über der sie heute ihre Kreise ziehen, da der Wind sehr günstig weht. Der Aussichtspunkt ist nicht nur komfortabel wind- und Mövensicher sondern auch genial gelegen, denn die Albatrosse kommen oft auf Augenhöhe in nächster Nähe vorbeigesegelt. Leider ist die junge Führerin davon besessen, auch noch das letzte Detail ihres umfassenden Wissen über jeden der hier anwesenden Vögel anzubringen, schöner wäre, die majestätischen Segler ganz für sich stehen bzw. fliegen zu lassen, den Rest könnte man sich auch im Informationszentrum anlesen.
Nachtrag zu den Pinguinen: Hier auf der Otago Halbinsel gibt es eine weitere betreute Kolonie der Gelb-Augen Pinguine. Das Konzept hier ist um Klassen besser als das bei den Zwergpinguinen in Oamaru! Die Pinguine brüten auch hier in einem weitläufigen, welligen Wiesengelände mit viel (wiederaufgeforsteter) niederer Vegetation. Auch hier gibt es Brutboxen, aber keine Besuchertribünen sondern ein ausgefeiltes System abgedeckter Gräben, durch die man zu Unterständen geleitet wird, aus deren Sehschlitze man ganz nah an die Pinguine herankommt, ohne diese zu stören. Die Kolonie hat dieses Jahr 6 Küken und die Betreiber sind mächtig stolz darauf, gab es doch in den beiden Vorjahren kein einziges. Außerdem gibt es ein Pinguin Rehabilitationszentrum, in dem geschwächte oder verletzte Tiere wieder aufgepäppelt werden, bevor es zurück ins Meer geht. Hier kann man sie ebenfalls durch Schlitze im Bretterverschlag von ganz nah beobachten.
Und dann lagen da noch bestimmt ein Dutzend Seebären auf der Wiese vor unseren Füßen und hatten sich gar nicht lieb, lauter Halbwüchsige, nur auf Krawall gebürstet!
Steampunk und Pinguine in Oamaru
In Oamaru befindet sich eine große Kolonie Zwergpinguine. Das hört sich spannend an. Da fahren wir mal hin, es liegt auch noch am Weg nach Dunedin, einem der Highlights auf der Südinsel. Oamaru sticht aus dem Einerlei neuseeländischer Kleinstädte dadurch heraus, dass es nicht aus Wellblech und Holzlatten zusammengenagelt wurde, sondern aus wirklich schönem, sehr hellem Kalkstein, der in der Gegend abgebaut wird, erbaut ist. Oamaru ist wohl ein kulturelles Zentrum der Gegend, es gibt eine Oper, Museen, Galerien, usw. Auch eine echte kleine Dampflok zieht sonntags ein paar Waggons schnaufend und trötend am Hafen auf und ab. Besonders zu erwähnen ist das Museum Steampunk HQ. Dort haben drei Künstler ein Projekt initiiert, in dem sie, aber auch andere Künstler ein Panoptikum skuriler Skulpturen aus alten technischen Geräten zusammengeschweißt und Scifi-Geschichten dazu erfunden haben. Unglaublich originell und beeindruckend, eine Bewegung und Kunstform, die mir bis dahin völlig unbekannt war!
Kommen wir zu den Pinguinen: Außer besagten Zwergpinguinen gibt es noch die sehr seltenen und endemischen Gelb-Augen Pinguine. Ein paar von denen brüten an einem Strand etwas außerhalb von Oamaru. Hoch über dem Strand kann man auf einem Holzpfad zu einem kleinen Unterstand laufen und hat Blick auf die Küste. Der Strand selber ist zur Brutzeit gesperrt. Die Pinguine wechseln sich in der Kinderbetreuung ab und jeweils einer ist den Tag über im Meer auf Futtersuche. Am Abend kommen sie dann zu ihrem Nest zurück und füttern die Jungen mit dem halbverdauten, stinkenden Fischbrei. Die Gelb-Augen Pinguine kommen so zwischen 6 und 7 heim, die Zwergpinguine um 8:45. Zeit genug, um beide zu besuchen. In Oamaru ist es saukalt, vielleicht 13° und es weht ein starker Wind, der den zeitweiligen Regen ideal horizontal auf’s Land peitscht – perfekte Voraussetzungen um sich ein oder zwei Stunden draußen aufzuhalten und nach Pinguinen Ausschau zu halten. Alle anderen Touristen haben nach einer Stunde längst wieder kehrt gemacht und wir beschließen auch, aufzugeben, als sich just der eine Pinguin, der schon ewig in der Brandung auf und abschwimmt doch überlegt, jetzt an Land zu gehen. Da watschelt also ein schwarz weißes Pünktchen über den Strand und ist hastduihnnichtgesehen schon im Nest verschwunden. Der geneigte Betrachter mag in den drei Pixeln einen Pinguin erkennen, dass es der Gelbaugen-Pinguin ist, muss man halt glauben – immerhin hat das Warten nichts gekostet…

Gänzlich anders bei den Zwergpinguinen…. Die Kolonie der wildlebenden Zwergpinguine entpuppt sich als geniales win-win Projekt des örtlichen Tourismus Managements. Gegen einen saftigen Eintrittspreis wird man auf eine Tribüne mit hunderten Sitzplätzen geleitet und von der Anweiserin in scharfem Ton unterwiesen, a) die Klappe zu halten, b) nicht zu fotografieren und c) ihren Anweisungen im Falle einer Notlage Folge zu leisten. Die Pinguine, die schon im Wasser auf das Kommando zum Landgang warten wären durch Gespräche und Rotlicht aus der Fokussierelektronik der Kameras sehr irritiert. Die Durchsagen kommen über ohrenbetäubende Lautsprecher und die ganze Szenerie ist von gleißenden gelben Scheinwerfern ausgeleuchtet. Da ist man doch sofort von der Notwendigkeit dieser Vorsichtmaßnahmen überzeugt. Genug der Vorrede. Die Pinguine kommen in Gruppen von 30-50 aus dem Meer und werden erstmal von der Brandung geschleudert, bevor sie zum Trocknen an Land hopsen und dann sichtlich erschöpft die Böschung hinaufwatscheln, nah an der Premium-Tribüne vorbei. Dann ruhen sie sich erstmal unter einem Bretterweg aus, bis sich einer traut und den Weg in die Brutkästen antritt. Überhaupt achten die Pinguine sehr auf Geschlossenheit, keiner darf zurückbleiben und alles wird gemeinsam gemacht, keine Alleingänge! Über 100 dieser Brutkästen sind hier aufgestellt, damit die Pinguine nicht selber welche graben müssen, aber natürlich ist das hier kein Zoo, sondern alles ist ganz wild und natürlich. Weitere Pinguine kommen, sauber einzeln gezählt und mit über die Lautsprecheranlage aktualisierten Landungszahlen (da hören die Pinguine jetzt aber genau zu ). Jetzt kommt der Brüller: Manche Pinguine haben sich überlegt, unter der Bühne wild zu brüten! Da sie ja total geschützt sind, müssen die Aufseherinnen hilflos zusehen, wie die Pinguine durch die Absperrung schlüpfen und zwischen den Sitzreihen hindurch zu ihren Nestern watscheln. Das ist schon einer der besten Momente des Abends, man sieht sie ganz aus der Nähe, sie sind ja nur ca. 30 cm hoch aber doch sehr putzig. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz wird es dann noch besser, die Pinguin Küken, die mittlerweile genauso groß sind wie ihre Eltern (aber in flauschigen Flaum gekleidet) kommen bettelnd und piepsend aus den Brutkästen und misshandeln förmlich ihr fütterndes Elternteil mit ihren gierigen Schnäbeln, einen Schritt von den Besuchern entfernt! Leider gibt es nur ein heimlich aufgenommenes Nachbild, man will ja nicht sein Leben riskieren, wegen ein paar Pinguinen, 237 heute Abend, um genau zu sein…

Jetboat Spaß in der Rakaia Schlucht
Der Campingplatz am Rande der Rakaia Schlucht hat eine großartige Aussicht, wie von einer großen erhöhten Terrasse auf den Rakaia Fluss, der hier aus der Schlucht kommend in ein hunderte Meter breites Flussbett auffächert. Die letzten 6 Wochen hat es geregnet und gestürmt, aber heute wird die Sonne noch scheinen. Der Wind ist heftig und wirbelt das mehlfeine Sediment aus dem Schotterbett auf, das sich nach dem letzten großen Hochwasser abgesetzt hat, treibt ihn zum Glück aber von uns weg. Der Fluss hat immer noch Hochwasser, angeblich 360 m³/s das dreifache des Normalen. Wir gehen einen kurzen Weg zu Fuß über die Brücke hinunter an den Fluss, wo ein knallgelbes Jetboat auf Gäste wartet. Wir zahlen unseren Obulus und bekommen dann sofort und nur für uns von einem Neuseeländer Original die gewünschte Fahrt den Fluss hinauf, bis zu der Stelle von der man den Weg zurück wandern kann. Im Jetboat fühlt es sich gleich wie auf einer Achterbahn an; natürlich gehört zum Programm, dass der Kerl uns auch seine Maneuver und Spezialeffekte vorführt, z.B. direkt auf die Felsen zu halten und dann kurz vor dem Crash das Steuer rumreißen. Besonders Spaß machen die Spins, bei denen er das Boot in irrem Tempo um fast 360 Grad dreht, festhalten war sinnvollerweise angeordnet. Viel zu schnell sind wir schon am Ausstiegspunkt angekommen, klettern über den Bug auf den Kies und beginnen mit der Wanderung, die außer einigen tollen Aussichtspunkten auch noch unzählige Windungen durch die Seitentäler der Schlucht bereit hält. Aus den 10 Minuten Raserei auf dem Hinweg werden so 90 Minuten mühsamer Rückweg mit bestimmt 500 extra Höhenmetern.















































