Von Nord-Chile gibt es keine direkten Flüge nach Peru, immer muss man nach Santiago und von dort nach Lima. Auch um 1000e Kilometer Hin und Herfliegen zu vermeiden, fahren wir mit dem Bus ca. 1500 Kilometer in drei Tagen von Calama über Iquique, Arica, Tacna nach Arequipa, der größten Stadt im Süden Perus.
Tag 1: von Calama nach Iquique
Die Fahrt durch die Atacama Wüste geht über Maria Elena hinab nach Tocopilla und dann entlang der Pazifikküste nach Norden bis Iquique. Wir kommen durch Orte, die an Trostlosigkeit nicht zu überbieten sind, ehemals prosperierende Salpeter-Minen sind längst geschlossen und die Industrieanlagen verrosten vor sich hin, gespenstisch. Aber auch entlang der Küste auf der berühmten Straße Nr. 1, der Panamericana, passieren wir gottverlassene Wellblech-Hüttenansammlungen, ohne jeden Baum oder Strauch. Die Küstengebirge sind eine großartige Kulisse, aber sobald Menschen zugange sind, ist die Wüste voller verwehter Müllhaufen aus Plastikflaschen, Bauschutt und anderer abgekippter Konsumgüter, ein trauriges Bild.
Umso angenehmer sind wir überrascht von dem quirligen Leben in Iquique. Entlang einer Fußgängerzone sind fast alle der alten Holzhäuser restauriert und einige Bars und Restaurants laden mit Tischen im Freien zur Einkehr. Die sonst üblichen Modeketten mit ihrem ewig gleichen Einerlei fehlen völlig. Der Hafen, ein paar hundert Meter weiter, beheimatet eine ansehnliche Flotte von bunten Fischkuttern und als besondere Attraktion richtig fette und ebenso faule Seelöwen, die sich auf einer schwimmenden Plattform sonnen oder im Wasser auf die Fütterung durch die Fischer warten. Erstaunlich, wie selbst die allerfettesten einigermaßen elegant aus dem Wasser herauskommen.

Tag 2: Von Iquique nach Tacna in Peru
Wir hatten ein wunderschönes Hotel in einem alten, aber von einem genialen Architekten perfekt renovierten Haus mit einem integrierten Anbau und Innenhof, zu dem das Zimmer gelegen war. Kommt in die Top 10.
Iquique liegt auf einem schmalen Streifen am Meer, hinter dem sich das Küstengebirge und eine riesige Sanddüne erhebt. Der weitere Weg nach Arica, wieder mit Turbus, geht zunächst an dem Berghang hinter der Düne 1000m hinauf auf die Hochebene. Die Ödnis der Wüste hier ist gegenüber der Küstenstraße gestern noch mal gesteigert, auch trifft man selten auf Gegenverkehr, ein paar LKW und Busse, fast keine PKW. Manchmal zweigen Straßen rechts oder links ins Nichts ab, dann steht da ein Wartehäuschen, so einsam wie das Gestell von Apollo 11 auf dem Mond. Bedrückend sind die, nach schweren Unfällen, liegengelassenen Wracks und die vielen Kreuze an der Straße, die oft wie Grabstätten auf einem Friedhof gestaltet sind.
Auf der Strecke nach Arica müssen zwei Flusstäler überquert werden. Das klingt erstmal banal, bedeutet aber, dass jeweils über 1000m Höhenunterschied von der Hochebene zur Brücke und wieder hinauf zu überwinden sind. Wir haben (mit Absicht) die vordersten Plätze im oberen Stock direkt an der Frontscheibe gebucht. Von hier hat man natürlich eine tolle Sicht, fühlt sich aber bei der Fahrt hinab in diese gigantischen Canyons doch ein wenig ungemütlich, geht es doch hinter der Leitplanke hunderte Meter steil abwärts ohne jeden Halt. Die Kreuze stehen hier auch deutlich dichter…
In Arica müssen wir vom Bus in ein Sammeltaxi umsteigen und werden, von dem peruanischen Fahrer betreut, über die Grenze nach Peru, in die nächste größere Stadt, Tacna, gebracht. Aus- und Einreise ist unkompliziert, wir müssen aber einen Zettel zur Dokumentation unserer Reiseroute ausfüllen, das Coronavirus ist auch hier angekommen.
In Tacna geraten wir am Abend in die Fänge des fürsorglichen, aber auch geschäftstüchtigen René, der das Restaurant ‚Inca‘ betreibt und seinen Status auf Facebook gerne mit den zwei einzigen Gästen (noch dazu aus Deutschland!) anheben will. Das Essen ist vorzüglich, Alpaca, Lamm und Kalbfleisch auf einem Lavastein gebraten. Dazu gibt es ein, aus Quinoa hergestelltes Getränk.
Unser Hotel in Tacna heißt übrigens ganz passend ‚Mama Mia‘ und bietet Aussicht auf reichlich Wellblech, Müll und unverputzte Ziegelmauern…
Tag3: Von Tacna nach Arequipa
Der öffentliche Raum in Tacna ist deutlich von mehr Armut geprägt – schon auf dem Weg von der Grenze in die Stadt sieht man kahle Sandhügel, die mit Zelten und winzigen Häusern aus Betonsteinen bebaut sind – sicher ohne Wasser, Strom, etc.
Weil es in Tacna für uns nichts mehr zu tun gibt, fahren wir schon eine Stunde früher als nötig zum Busbahnhof. Keine schlechte Idee, denn der gebuchte Bus von Oltursa ist kaputt und wir werden im letzten Moment auf den Bus einer anderen Gesellschaft umgebucht, bekommen noch 21 Soles zurück und sitzen kurz darauf wieder in der ersten Reihe oben. Leider sind dir Fenster mit Folie zugeklebt und so bleibt nicht viel von der Aussicht, die sich aber von den Vortagen kaum unterscheidet. Lange 6 Stunden dauert die Fahrt ohne nennenswerter Pause, auch werden wir noch von Filmvorführungen belästigt, deren Tonspur durch die Buslautsprecher dröhnt. Hier in Peru ist sehr viel mehr Verkehr und der Fahrer oft und lange auf der linken Spur unterwegs. Als es dämmert haben wir immer noch 100 Km vor uns. Das Busterminal von Arequipa ist ein einziges hektisches Gewusel von hunderten Reisenden, Straßenverkäufern und Personal der Busgesellschaften, aber wir kommen heil hindurch in ein Taxi, das uns zum Hotel in die Innenstadt bringt. Nu is gut mit Busfahren!
Das Hotel Los Tambos ist sehr zentral, nahe des Hauptplatzes mit der Kathedrale gelegen und ein sehr angenehmer und ruhiger Ort, ein Quantensprung nach oben verglichen mit gestern. Das uns empfohlene Restaurant Chicha ist ein Erlebnis für sich, ein einladender Patio mit schön gedeckten Tischen und mehr aufmerksamen Obern als Gästen. Es gab als Vorspeise eine gefüllte Paprika und dann ein zart rosa gebratenes Alpaca Steak und knusprig gebratene Meerschweinchen Filetstreifen. Unglaublich lecker – das Restaurant gehört Gastón Acurio, dem besten und berühmtesten Koch Perus.
Es sind diese Wechselbäder von ‚very local‘ zu unerwartetem Luxus, die das Rucksack-Reisen anstrengend aber eben auch so spannend machen.











































































































