Stillleben – Landschaft der Osterinsel

Das ist kein Tippfehler in der Überschrift; kaum ein Ort auf unserer Reise war so entrückt in der Stille wie die Osterinsel. Sie ist vulkanischen Ursprungs, die Aktivität aber längst erloschen. Die Tierwelt ist sehr reduziert, eine Handvoll Vogelarten, viele (halb wilde, manchmal tote) Pferde, ein paar Kühe und selbst die Fische im Ozean sind nur ganz wenige. Die Insel hatte nie Verbindung zu einem Kontinent, außer den, vom Menschen eingeschleppten Arten haben es nur ganz wenige hier her geschafft. Bis auf ein Dorf und dem Flughafen gibt es kaum nennenswerten Bauwerke. Landschaftlich erinnert es uns ein wenig an Irland.

Ein Krater mit ca. 1400 m Durchmesser ist mit Süßwasser gefüllt, eine vom Wind etwas geschützte Sumpf-Vegetation hat sich darin breit gemacht. Eine letzte Oase der originalen Flora, nachdem der Mensch die Insel über die Jahrhunderte umgestaltet, genutzt und letztlich seine Lebensgrundlagen völlig ruiniert hat =˃ Jared Diamond, Kollaps.

Am Kraterrand, auf sehr luftigen 300 m Höhe, ist eine einstige Kultstätte ausgegraben und teilweise restauriert worden. Nachdem Zusammenbruch der Moai-Kultur wurde hier einem neuen Mythos gehuldigt, dem Vogelmann Kult. Das Dorf mit den niedrigen, grasbewachsenen Steinhäusern wurde nur zur Vorbereitung des Wettstreits junger Burschen genutzt, die die Aufgabe hatten, von einem vorgelagerten Vogelfelsen das erste Ei der Brutsaison heil zurück ins Dorf zu bringen, um damit dem eigenen Clan und Häuptling die Herrschaft über die Insel zu erobern. Petroglyphen gaben den Archäologen und Anthropologen Hinweise auf die Bedeutung der Kultstätte, aber man kann die Magie des Ortes auch ohne wissenschaftliche Erklärung intensiv spüren. Eigentlich gilt das ja für die ganze Osterinsel, die 3500 km von Chile und 4000 Km von Tahiti entfernt ist – unvorstellbare Distanzen, die von den Polynesiern vor hunderten Jahren schon mit ihren Hochsee-Kanus gemeistert wurden.

Ferienhaus auf der Osterinsel

Noch nie seit 1995 (das war mein Tauchkurs auf den Malediven) haben wir es in einer Unterkunft länger als ein paar Tage ausgehalten. Jetzt sind wir eine Woche auf der Osterinsel in derselben Hütte. Das lässt sich anhand der zehn Reise-Plagen erläutern (sortiert gemäß des Lästigkeits-Index LÄX).

10 Mücken (Dengue, Malaria)

9 Kein eigenes Bad, subtrahiere 1 pro Klo im Gemeinschaftsbad

8 Finster, keine Aussicht, Fenster nicht zu öffnen

7 Kakerlaken, Spinnen ≥ 8cm

6 Kein Strom (subtrahiere 4, wenn wenigstens stundenweise)

5 Lärm (Verkehr, Klimaanlagen, Hähne)

4 Unverschämte Preise, unfreundliches Personal (korreliert oft)

3 kein Supermarkt, kein Restaurant zu Fuß zu erreichen

2 Kein Kaffee (Susi)

1 Kein WLAN, addiere 5, falls auch kein Internet mit Mobilfunk (Niko)

Gemäß dieser Liste liegt unser Hostal Raioha in Hangaroa sehr weit unten mit einem Lästigkeitswert von nur 1 LÄX (Zum Vergleich, auf Tanna hatten wir mal 43 LÄX) und ist deswegen ein perfekter Ort um sich zu entspannen.

Auf der Insel kann man sich mit allen möglichen Mietfahrzeugen bewegen, aus Neugier haben wir uns für einen Quad entschieden. Das Teil hat Vor- und Nachteile: Man muss der Form halber je eine Salatschüssel über den Kopf stülpen. Es lässt sich schwer lenken, kommt man aber von der Straße ab, fällt es kaum auf. Es hat einen Sitz für den Sozius, der aber, wenn besetzt, den Spaßfaktor erheblich mindert. Das Teil wird heiß, macht Krach und wirkt extrem aktivierend auf gelangweilte Hunde. Was wir schon alles erlebt und gesehen haben, kommt bald in diesem Kino…

Wellness-Schock auf Rapa Nui

Nach Mitternacht erscheinen im Flughafen von Papeete die Geister, aus dem Klo kriecht der Krebs heraus und macht sich auf den Weg durch die Ankunftshalle. Unwirklich.

Das Brackl hinter dem Panzerglas der Wechselstube ist eingeschlafen, als er uns gewahr wird und realisiert, dass wir ihn für 30€ geweckt haben, wird er pampig und schickt uns in den Souvenirshop. Es gelingt mir, mit einem T-Shirt, einer Haribo Tüte und einem Mars exakt den verbleibenden Betrag an Francs zu treffen, den ich noch im Portmonnaie habe. Dann startet der Flug, wie so oft hier, wenn alle da sind, diesmal um 2:15, eine halbe Stunde früher als geplant. Die Billig Airline Latam schafft es, mir die widerlichste Bordverpflegung seit 1965 aufzutischen: zwei warm gemachte, vermutlich Toastbrot-Scheiben, die mit einer Art zähen, aber 100% geschmacksneutralem Klebstoff dauerelastisch so verbunden wurden, dass nichts tropft oder bröselt. Der Dreamliner von Boeing dagegen ist eine tolle Maschine, die dimmbaren Flüssigkristall Fenster echt geil. 5 Stunden Flug, 5 Stunden Zeitverschiebung, zum abgelegensten Flughafen der Welt (3795 Km sind es nach Santiago de Chile ), es gibt wohl wenige Strecken auf der Welt, die das bieten können.

Die Osterinsel, oder Rapa Nui in der Sprache der Einheimischen, gehört geografisch noch zu Polynesien, politisch aber zu Chile. Man darf die Eroberung Mittel- und Südamerikas durch die Spanier getrost verurteilen, aber heute erscheint es uns, als hätten wir von Tahiti zur Osterinsel den Kontinent gewechselt und wären in Spanien gelandet. Da wird uns erst bewusst, welche Zumutung das nicht vorhandene öffentliche Leben in französisch Polynesien eigentlich war. Keine Restaurants, keine Bars, keine Cafes, keine belebten Plätze, kaum jemand auf der Straße (außer denen die da sowieso leben müssen) alles ist immerfort geschlossen, hast du Hunger, dein Problem. Hier dagegen: Ein Restaurant am anderen, die Läden bis Mitternacht geöffnet, kein Nescafe mehr und ein leckeres Abendessen. Wie schön, wenn der Kulturschock mal invers verläuft.

Tahiti

Der Flug nach Tahiti wäre beinahe ins Wasser gefallen. In der Früh kübelte es mal wieder maximal vom Himmel, als die Maschine auf dem Vorfeld aus- und eingeladen wurde. Wir waren davon überzeugt, dass es nicht unsere war, denn die sollte erst in einer halben Stunde kommen. Also machten wir es uns in einer ruhigen Ecke des Terminals bequem und hofften, dass die Wassermassen bald alle unten seien, wenn unser Flug an der Reihe ist, man muss nämlich nach draußen, um ins Flugzeug zu kommen. Dann kam aber ein junger Angestellter von Air Tahiti und meinte, wir würden noch fehlen. In dem Tohuwabohu und mangels Anzeigetafeln konnten wir nicht ahnen, dass der erste Flug des Tages Verspätung hatte und unsere Maschine früher als geplant abflugbereit war (oder gewesen wäre – hätten sie nicht nach uns suchen müssen) So mussten wir also doch raus ins Nasse und als letzte an Bord, aber Fensterplätze wären bei der Wetterlage sowieso sinnlos gewesen.

Mit einem Mietauto wollen wir Tahiti umrunden und einen Abstecher nach Tahiti Iti (das kleine Tahiti) machen, um dort die letzte Nacht zu verbringen, bevor es mitten in der nächsten Nacht (um 2:45) auf die Osterinsel geht. Zuvor haben wir aber ein paar Stunden im Krankenhaus verbracht, um auf Empfehlung des Arztes auf Huahine mit dem Ultraschall kontrollieren zu lassen, ob wir den Flug ohne Risiko antreten können, was zum Glück der Fall war. Die Unterkunft, 75 km von Papeete aus zu fahren, war dann aber eine der schönsten und originellsten der ganzen Reise bisher. Ein kleines, offenes Häuschen, der Grundriss garantiert ohne einen einzigen rechten Winkel, mit bepflanztem Dach, fast wie Bilbos Haus, am Hang gelegen mit toller Aussicht aufs Meer! Das Abendessen in dem kleinen, zur Wiese offenen Restaurant (ein Koch, ein Ober, in Personalunion) war köstlich.

Nach gemütlichem Frühstück sind wir um 12 aufgebrochen, die Insel fertig zu umrunden, deren Rückseite deutlich attraktiver war, weil nicht durchgängig bebaut und landschaftlich ziemlich wild, mit vollständig grün überwucherten Schluchten und Bergen, die bis 2240 m hoch reichen. Oberhalb des Wasserfalls entdeckten wir mal wieder eine uns unbekannte Vogelart, den Weißschwanz-Tropikvogel, der einen langen dünnen Schwanz hat (der eigentlich nur im Weg sein kann)

Insgesamt muss man aber leider festhalten, dass Tahiti, wie auch die anderen Inseln (Huahine ausgenommen) von ausgesprochen hässlichen Blechdachhütten dominiert wird, die meisten noch von einer rohen Betonsteinmauer umgeben, vor der sich der Zivilisationsmüll auftürmt. Von Südsee-Romantik keine Spur. Dieselbe Erfahrung machte übrigens Paul Gauguin schon vor über 100 Jahren…

Huahine, die Schwangere

Nach dem Über-Wasser-Bungalow sind wir auf Huahine in eine sehr einfache Hütte, eigentlich ein Bretterverschlag, umgezogen. Aber die Wirtin Manolo war ausgesprochen nett und hilfsbereit. So haben wir – very local – den Yacht Club in Fare besucht, das einzige, aber gut geführte, Restaurant/Kneipe in dem Ort, Freitag Abends mit Live Band und Tanz. Nur leider war die Musik… Schwamm drüber. Außerdem war der Abend getrübt von einem Rückfall und Susi musste Tags drauf den ‚Medicin‘ besuchen, der aber besser war, als das äußere Erscheinungsbild der Praxis vermuten ließ.

Hua Hine bedeutet in der Landessprache Sex und Frau, wie immer das dann zu kombinieren ist. Jedenfalls wurde wir darauf hingewiesen, dass das Profil der Insel offensichtlich eine liegende Hochschwangere darstellt und daraus ergebe sich dann eben der Name.

Am Nachmittag bin ich mit dem Fahrrad um die Schwangere gefahren, das waren zwar nur 25 Km, aber Hallo, der Bauch war ganz schön steil:

Von oben wurde die Mühe des steilen Anstiegs mit dem Blick (auf den Fruchtwasser See?) belohnt. Weitere interessante Anblicke zur Entstehungsgeschichte der Insel kamen nach der Abfahrt in Sicht.

Anders als Bora Bora ist Huahine sehr gepflegt, mit vielen schönen Gärten und üppigen tropischen Wäldern, eine viel schönere Insel, wenn man mal von der Lagune absieht.

Einmal Royal Huahine, musste sein

Der Flug von Bora Bora nach Huahine soll 20 min dauern, die Flugzeit wird sich aber durch eine eingefügte Zwischenlandung auf Raitea verdoppeln. Kaum ist die Durchsage beendet, was alles an Bord während des Starts nicht erlaubt ist, beginnt das Band für die Maßnahmen bei der Landung. Dazwischen gibt es zum Abschied einen wunderbaren Ausblick auf das teuerste Reiseziel der Welt…

Auf Huahine haben wir uns den Luxus eines Auf-dem-Wasser Bungalows geleistet, in einer kleinen Anlage, die nur mit dem Boot erreichbar ist. Die kleine Bucht in der bergigen Landschaft ist eingerahmt von tropischem Wald und absoluter Ruhe. Die Bungalows sind schon etwas in die Jahre gekommen, aber dadurch preislich gerade noch diesseits der Schmerzgrenze, es wird dennoch die teuerste Nacht dieser Reise werden. Der große, hohe Raum, die Terrasse über dem Wasser, die Aussicht, die exklusive Abgeschiedenheit sind einmalig schön. Man kann direkt zum Schnorcheln ins Wasser steigen oder sich ein Kajak nehmen, um die Lagune zu erkunden. Am Abend schaut noch eine Gruppe Adlerrochen vorbei, aber wir haben keine passenden Köder und so ziehen sie viel zu schnell weiter. Die kleinen bunten Fischlis aus dem Korallenstock unter uns mögen die Bröckchen vom alten Baguette dagegen sehr.

Streichelzoo in der Lagune

Natürlich werden auch auf Bora Bora Ausflüge und Aktivitäten aller Art angeboten. Wir entscheiden uns für einen Halbtages-Bootsausflug mit Schnorchel Einlagen. Die Empfehlung dazu hatten wir schon auf Rangiroa von einem deutschen Pärchen bekommen. Wir haben das Glück, ein Boot ganz für uns zu haben, es ist Nebensaison und da sind dem Kapitän Mata die 2 Spatzen in der Hand auch recht. Seine Frau (er nennt sie ‚mon Patron‘) ist auch dabei und wir müssen uns mehr oder weniger auf französisch unterhalten, was aber nach einer Woche reinhören langsam besser wird. Die Fahrt geht zunächst an den Rand der Lagune, wo das Wasser quietsch türkis und nur hüfttief ist. Schon von weitem sieht man Boote und Menschen im Wasser und noch bevor wir die Stelle erreichen, schwimmen zahlreiche Rochen, mehr Schatten als Fisch, auf das Boot zu. Das ist also die Attraktion hier. Kaum im Wasser sind wir umringt von dutzenden Haien und Rochen und hunderten anderer hübscher Fische, die auf die mitgebrachten Leckereien warten. Sie sind hier noch zutraulicher, um nicht zu sagen handzahm, als auf Rangiroa. Besonders die Rochen, manche bestimmt einen Meter im Durchmesser, kann man sich mit einem kleinen Stückchen Fisch, vor deren Nase gehalten, fast wie einen Lappen um den Bauch wickeln, wenn man mag. Sie fühlen sich wie sehr zartes Leder an. Wahrscheinlich würden Meeresbiologen die Nase rümpfen, aber die Rochen müssten ja nicht Bussi Bussi machen und würden trotzdem – wie die Haie – satt und zufrieden, kaum noch in der Lage zu schwimmen, nach Hause treiben. Als einer der Haie einen ganz fetten Brocken erwischt, wird es einen Moment lang etwas mulmig. Er würgt, in wilder Flucht, so schnell es eben geht die Beute herunter. Seinen Kollegen ist das nicht entgangen, in ihrem Frust schnappen sie den anderen Fischen hinterher, die aber schneller ausweichen können als ich. Aber es beruhigt sich ohne Verlust an Körperteilen. Das bleibt jedenfalls in den Top 10 der Erlebnisse mit wilden Tieren.

Bora Bora

Die Anreise nach Bora Bora erfolgt natürlich mit dem Flugzeug von Papeete, vorbei an Huaine, Raiatea und Tahaa, und ist schon ein Erlebnis für sich. Der Flughafen von Bora Bora liegt wiederum auf einer vorgelagerten Insel und man steigt vom Flugzeug in einen chicen Katamaran, um noch ein paar Kilometer durch die Lagune mit Blick auf die zerklüfteten Berge Bora Boras bis zum Hauptort Vaitape zu gleiten. Dann geht’s mit dem Bus weiter, der uns direkt in unser Hotel ‚Royal Bora Bora‘ bringt – im Vergleich zu Rangiroa 10 Stufen weiter oben auf der Luxusskala.

Bora Bora ist ein Hype, besonders die Amerikaner scheinen von hier wie magisch angezogen um ihre Flitterwochen zu verbringen. Schade um die Insel, denn sie leidet. Praktisch alle Motus, die sich um die Hauptinsel aufreihen und den Rand der Lagune markieren sind von internationalen Hotelketten gekauft und mit Stelzenbungalows in der Lagune gepflastert, so monoton wie eine neu gebaute Reihenhaussiedlung. Warum sich so viele finden, die gerne 1000€ die Nacht dafür ausgeben, ist mir ein Rätsel. Die Einheimischen leiden auch unter den Preisen im Supermarkt und beklagen sich auch hier über die Chinesen. Zur Not wären da noch ein paar Kanonen der Amerikaner aus dem letzten Weltkrieg…

Mit einem ganz passablen Mountain Bike habe ich die Insel auf der Küstenstraße umrundet, ca. 32 km (Susi hatte sich einen Tag auskurieren müssen). Es ist Mangozeit und überhall hängen die Früchte prall und bunt an den Bäumen oder liegen schon matschig und angegoren auf der Straße. Die Ausblicke in die Ferne sind grandios, aber am Straßenrand schaut es so aus, als würde morgen der Sperrmüll eingesammelt, oft qualmt noch ein schwelender Müllbrand und verpestet die Luft, gut, dass immer ein Wind bläst. Zusammengefasst: Bora Bora wird überschätzt.

Aber schöne Sonnenuntergänge können sie schon hier, vielleicht unfreiwillig unterstützt von den australischen Buschfeuern

Die blaueste Lagune der Welt

Tahiti hatte ja noch was gut zu machen, von Silvester und Neujahr. Das ist mit dem Ausflug in die blaue Lagune, eine Lagune innerhalb des Rangiroa Atolls mehr als gelungen. Nach einer Stunde Bootsfahrt erreichen wir eine Landschaft, wie von einer dieser Fototapeten, die in den 70ern so modern waren – aber ganz ohne Photoshop. Die Farben wie aus der Sprühdose lackiert, fast blendend weißer Sand, rosa Sand, sattgrüne Palmendschungel und alle Blautönungen im 30° warmem Wasser, die man auch mit ‭4.294.967.295 ‬ Farben nicht malen kann.

Am Rand der Lagune machen wir halt in Shark City – es wimmelt nur so von Haien, die sich in dem klaren Wasser auf weißem Sand wunderbar beobachten lassen. Aber Hallo, da kommt die nachdrückliche Aufforderung des Kapitäns: Flossen anziehen, Taucherbrille auf und raus ins Meer. Ach, wirklich? Zu unserer Ausflugsgesellschaft zählen auch eine einheimische Familie und Familienangehörige des Kapitäns und nachdem diese die Worte des Kapitäns nicht (wie wir) für einen Scherz gehalten haben und sich tatsächlich ihre Ausrüstung anlegen, kann es ja so gefährlich nicht sein. So springen wir also hinein und lassen uns von den vielleicht 20 Schwarzspitzen Riffhaien umkreisen, mal näher, mal ganz nah und sie beißen wirklich nicht. Endgültig überzeugt sind wir, als die vielleicht 4 jährige Tochter, in einen Rettungsring gesteckt, ebenfalls ihre Füße den Haien vors Maul hält. Auch ein Zitronenhai ist mit von der Partie. Nachdem wir alle wieder an Bord sind, ist klar was hier gespielt wird: Der Kapitän hat einen großen Thunfischkopf im Sack und nun beginnt des Spektakels zweiter Teil, der die Haie sichtlich mehr animiert, als die Beine der Schnorchler. Ein wildes Geraufe um die besten Stücke entbrennt und manch ein Hai lässt sich sogar, in den Köder verbissen, gänzlich aus dem Wasser ziehen.

Dann geht es weiter hinein in die Lagune, vorsichtig um die Korallenstöcke manövriert, in das bald nur noch knietiefe Wasser. Die letzten 100 Meter waten wir durch das Badewannenwasser mit feinem weißen Sand, alle Vorräte für das Mittagessen in schwimmfähige Kühlboxen verpackt, zu einer der kleinen Inseln, auf der es unter den Palmen eine offenen Küche und einen großen Tisch unter einem Dach gibt. Diese Insel, so erfahren wir später, gehört der Familie und es hat den Eindruck, als kämen sie hier zu einem Wochenendausflug her. Der Grill wird angeheizt und während wir in der Lagune schnorcheln, die Insel zu Fuß umrunden und mit den ganz kleinen Haien in dem flachen Wasser spielen, bereitet der 2. Kapitän und Sterne-Koch ein phantastisches Mittagessen aus frischem Fisch, Kokosbrot und einem Topf Reis. Während die Gäste essen, spielt der Kapitän auf seiner Ukulele und die Einheimischen singen mit.

Für die Rückfahrt gibt es noch zwei extra Programmpunkte. Der Kanal beim Dorf Avatoru hat sich in einen reißenden Strom verwandelt, da die Ebbe das Wasser auf den Ozean hinauszieht. Noch ungläubiger als bei den Haien sind wir, als es wieder heißt: Raus zum Schnorcheln. Aber auch hier war es nicht der Versuch, sich der Touristen zu entledigen, sondern ein gemeinsames Erlebnis, als alle auf ein Kommando vom Boot sprangen um ein paar hundert Meter mit der Strömung zu treiben und unter Wasser die Fischschwärme zu beobachten, die sich auch nicht die Mühe machen, gegen die Strömung anzuschwimmen. Wieder im Boot ging es noch etwas weiter durch den Kanal bis zu dem Punkt an dem sich die Brandung am Außenriff bricht und dort befindet sich ein toller Surfspot und tatsächlich war ein Surfer unterwegs mit einem Bodyboard, also eine Art angeschnalltes kleines Surfbrett, mit dem er einige tolle Ritte absolviert hat. Was für ein Tag, vielleicht der beste der ganzen Reise bisher!

Tiputa Pass Drift Dive

Das Rangiroa Atoll hat einige offene Passagen zum Ozean. Einer der größten und mit ca. 15 m auch tiefsten Durchlässe ist der Tiputa Pass. Fische und Delphine begeistern sich für diese Gegend weil sie mit jeder Flut und Ebbe durch die starke Strömung wie von einem Futterautomaten versorgt werden – die kleinen Fische vom Plankton und die großen Fische mit den kleinen. Und Taucher und Schnorchler mögen natürlich zuschauen. Mit der Strömung zu tauchen ist ein besonderes Erlebnis, fliegen unter Wasser sozusagen. Die Kraft des Wassers ist gewaltig und durch den Düseneffekt an der flachsten Stelle erreicht man ein Tempo von vielleicht 20 km/h. Da muss die Steuerung des eigenen Auftriebs schnell und sicher erfolgen, sonst schrammt man wo gegen oder die Strömung drückt einen zu schnell nach oben. Bevor uns die Strömung erfasst, gab es aber auch schon eine Menge zu sehen. Die Sichtweite am Außenriff ist mit 40-60 Meter spektakulär, nach oben und unten sind es jeweils 20 Meter und da kommt man sich doch ziemlich klein und ein wenig verloren vor. In der Tiefe drehen vielleicht 30 Haie ihre Kreise, auf ganz kurze Distanz kommt ein stattlicher Napoleon Fisch heran, es muss schon Neugier gewesen sein, denn Platz zum Ausweichen wäre ja genug. Auch Barracudas und richtig große Kofferfische schwimmen auf Augenhöhe vorbei. Eine Karett-Schildkröte kämpft genauso mit der Strömung wie wir und kriegt ihre Lieblingskorallen nicht zu fassen. Ein Manta zieht unter uns vorbei und immer wieder ballen sich hunderte Fische in kugelförmigen Schwärmen zusammen. Ausnahmsweise von unten sehen wir eine Gruppe Delfine, leider haben sie keine Lust zum Spielen zu uns abzutauchen. Hammer- und Tigerhaie soll es hier geben, aber ob man die so aus der Nähe sehen will, noch dazu wo hier alle Fische viel größer sind, als man sie sonst so kennt? Etwas neidisch bin ich da schon, dass Susi beim Schnorcheln so einen 4 Meter langen Hammerhai entdeckt, während beim Tauchen nur die viel kleineren Riffhaie zu sehen waren.