Wellness-Schock auf Rapa Nui

Nach Mitternacht erscheinen im Flughafen von Papeete die Geister, aus dem Klo kriecht der Krebs heraus und macht sich auf den Weg durch die Ankunftshalle. Unwirklich.

Das Brackl hinter dem Panzerglas der Wechselstube ist eingeschlafen, als er uns gewahr wird und realisiert, dass wir ihn für 30€ geweckt haben, wird er pampig und schickt uns in den Souvenirshop. Es gelingt mir, mit einem T-Shirt, einer Haribo Tüte und einem Mars exakt den verbleibenden Betrag an Francs zu treffen, den ich noch im Portmonnaie habe. Dann startet der Flug, wie so oft hier, wenn alle da sind, diesmal um 2:15, eine halbe Stunde früher als geplant. Die Billig Airline Latam schafft es, mir die widerlichste Bordverpflegung seit 1965 aufzutischen: zwei warm gemachte, vermutlich Toastbrot-Scheiben, die mit einer Art zähen, aber 100% geschmacksneutralem Klebstoff dauerelastisch so verbunden wurden, dass nichts tropft oder bröselt. Der Dreamliner von Boeing dagegen ist eine tolle Maschine, die dimmbaren Flüssigkristall Fenster echt geil. 5 Stunden Flug, 5 Stunden Zeitverschiebung, zum abgelegensten Flughafen der Welt (3795 Km sind es nach Santiago de Chile ), es gibt wohl wenige Strecken auf der Welt, die das bieten können.

Die Osterinsel, oder Rapa Nui in der Sprache der Einheimischen, gehört geografisch noch zu Polynesien, politisch aber zu Chile. Man darf die Eroberung Mittel- und Südamerikas durch die Spanier getrost verurteilen, aber heute erscheint es uns, als hätten wir von Tahiti zur Osterinsel den Kontinent gewechselt und wären in Spanien gelandet. Da wird uns erst bewusst, welche Zumutung das nicht vorhandene öffentliche Leben in französisch Polynesien eigentlich war. Keine Restaurants, keine Bars, keine Cafes, keine belebten Plätze, kaum jemand auf der Straße (außer denen die da sowieso leben müssen) alles ist immerfort geschlossen, hast du Hunger, dein Problem. Hier dagegen: Ein Restaurant am anderen, die Läden bis Mitternacht geöffnet, kein Nescafe mehr und ein leckeres Abendessen. Wie schön, wenn der Kulturschock mal invers verläuft.

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