Maximale Flexibilität

Heute haben wir am Flughafen in Puerto Montt wieder mal erlebt, dass der Mensch Fehler machen darf, ohne dabei gemaßregelt zu werden. Das Taschenmesser im Handgepäck wurde entdeckt und wir sahen es schon in der transparenten Box der verbotenen Sachen verschwinden, aber der Beamte war so nett, vorzuschlagen, doch nochmal zum Check In zu gehen – und tatsächlich haben sie den Rucksack wieder herausgetragen und ich konnte das Messer retten.
Auch Flüssigkeiten sind bei Inlandsflügen kein Problem, sogar eine offene Flasche Öl darf im Handgepäck befördert werden. Das wäre zwar dem Flughafenpersonal egal, aber außer der Sicherheitskontrolle, gibt es ja noch einen Hygiene- und Verpackungsdrachen mit uneingeschränkten Vollmachten, den Inhalt aller Gepäckstücke betreffend. Wunder über Wunder.

Parkplatzsuche in Puerto Montt: In bester Innenstadt-Lage ein freier Platz, das kann nicht erlaubt sein, sonst wäre der Platz besetzt. Gegenüber ein grünes Fahrzeug der Carabiniere. Fragen kostet nichts… Ja, wir können da stehen bleiben – ist das legal – nein – ach so, na dann

Ciao, Puerto Montt

Nun sind wir doch ausreichend lang in dieser Gegend gewesen. Aber man gewinnt auch viele Einblicke, die bei kurzer Durchreise verborgen bleiben. Drei Tage waren wir in der wunderbaren Cabana Rincon. Mit dem Fernseher im Frühstücksraum haben wir unser Spanisch verbessert und dies und das erfahren, was in diesem Land gerade so passiert. Der Tourismus in der Region ist dieses Jahr um 80% eingebrochen. In Puerto Varras würde man in einem normalen Sommer von den Feriengästen erdrückt werden und kein Zimmer wäre ohne vorherige Reservierung mehr zu bekommen – Glück für uns! Wir haben in der Unterkunft weniger als ein drittel des normalen Preises (bei Booking.com) gezahlt. Und nebenbei war das Essen auch noch umsonst, es wächst nämlich direkt vor der Tür – Muscheln, die sich nicht an die Netze der Farm sondern an den Schotter in der Bucht geheftet haben und bei Ebbe eimerweise eingesammelt werden können.

Sogar der Eintritt in den Nationalpark Alerce Andino wurde uns erlassen. Die Alercen, eine Zypressenart, sind vom Aussterben bedroht, als eine von zwei Baumarten weltweit. Wir haben bei einer 4 stündigen Wanderung eine 1000-jährige, riesige Alerce gesehen, einen mächtigen Wasserfall und einen entrückten Bergsee. Außerdem war die Zufahrt ein Schmankerl für Freunde des 4×4 Antriebs und der Parkplatz-Fuchs war wieder enttäuscht, dass wir kein Fuchsfutter dabei hatten.

Die letzte Sitzung bei Claudia ist absolviert, alle Wurzeln wieder verfüllt, der Mahindra wehmütig zurückgegeben und morgen werden wir aufbrechen nach Punta Arenas.

Licht und Schatten

Gestern haben wir den Tages-Rucksack mit Tablet und Kamera darin beim Mittagessen in einem belebten Restaurant vergessen und es erst Stunden später am Abend bemerkt, sofort angerufen, nix gefunden. Der Abend und die Nacht waren echt frustrierend. Heute sind wir wieder nach Puerto Varras in das Restaurant gefahren um nochmal persönlich nachzufragen, vergeblich. Danach haben wir zur Sicherheit in dem Café vorbeigeschaut, welches wir gestern auch noch besucht hatten. Die Chefin verstand unsere Frage und begann eine längere Erklärung, der wir nicht wirklich folgen konnten – bis sie sich umdrehte und den Rucksack unter der Treppe hervorzog. Vor lauter Glück, erst mal hinsetzen und tief durchatmen!
Im Nachhinein war die Ursache ein klassischer Protokollfehler – beide gleichzeitig auf dem Klo, anstatt, wie sonst immer nacheinander, mit einem Verantwortlichen für die Sachen… Und lehrreich war auch das völlige Versagen der Erinnerung, die uns vorgaukelte, den Rucksack 100%ig im Restaurant vergessen zu haben und keinesfalls danach im Café.
Jetzt können wir auch unsere schöne Cabana genießen, die ein paar Kilometer außerhalb von Puerto Montt direkt am Meer liegt, wunderbar gemütlich eingerichtet ist und es gibt sogar Illy Cafe zum Frühstück.
Und wir sind immer noch nicht in Patagonien, weil diese Woche für eine Wurzelbehandlung drauf gegangen ist, bei der sehr liebenswerten und ebenso umsichtigen Zahnärztin Claudia. Aber der Flug nach Punta Arenas ist gebucht, übermorgen geht es nach Süden zu den Gletschern und Pinguinen!

La Isla Chiloe

Die Insel Chiloe ist die zweitgrößte Insel in Chile. Sie liegt südlich von Puerto Montt und ist mit einer kurzen Fährverbindung zu erreichen. Die berühmt-berüchtigte Panamericana ist über die Insel geführt (und alle paar hundert Meter steht ein Totenmarterl). Nach einer Fahrt durch Sturzbäche von oben erreichen wir die Fähre und bleiben die ganze Überfahrt im Auto sitzen. Kurz nach der Ankunft in Chiloe ändert sich das Wetter auf dem Weg nach Ancud binnen Minuten zu strahlendem Sonnenschein. Wir bleiben über Nacht in einer spektakulär schön gelegenen Cabana auf einem Hügel in der Nähe von Ancud. Die Hütte in Form eines Ikosaeders hat zwei Ebenen mit dreieckigen Scheiben im Dach und sogar einen Holzofen mit dem wir es uns bullig warm und gemütlich machen. Nachdenklich stimmt allerdings, dass die Nachbarhütte abgebrannt ist…

Am nächsten Tag fahren wir zu einer Kolonie von Humboldt- und Magellan-Pinguinen auf den Puñihuil Inselchen, die man von einem kleinen Boot aus beobachten kann – aber es gibt auch eine Menge anderer Vogelarten z.B. Rabengeier, Riesendampfschiff-Enten (kein Witz), Chile-Pelikane und natürlich jede Menge Möven und Kormorane und auch ein paar Seelöwen.
Die vielen Touristen werden professionell und originell an dem flachen Sandstrand in die Boote verladen, ohne dass man dabei nennenswert nass wird.

Die Weiterfahrt nach Castro, der Inselhauptstadt, wird erstmal jäh durch einen quer auf der Fahrbahn liegenden LKW gestoppt, aber ein freundlicher Chilene bietet sich an, ihm zu folgen, um auf abenteuerlichen ‚Feldwegen‘ die Unfallstelle zu umfahren – wiedermal rettet uns der Allrad-Antrieb.
In Castro haben wir ein Zimmer in einem typischen Stelzenhaus, Palafito, welches direkt am Ufer einer Bucht liegt.

Vor der Terrasse schwimmen zahlreiche Schwarzhals-Schwäne und nebenan gibt es eine hervorragende Cevicheria.

Nach einer Stunde Fahrt auf einer kurvigen Landstraße kommen wir kurz vor Schließung im Nationalpark Chiloe an, trotz der begrenzten Zeit, die wir hier nur haben, ist die Wanderung durch das dichte Gestrüpp aus Myrtenbüschen, Moosen, Farnen und einer großen Zahl nie gesehener blühender Sträucher sehr eindrücklich.

Und in der Nacht schüttet und stürmt es, dass die Bude wackelt, wie bei einem Erdbeben,

Chile, rehabilitiert

Für das Wetter können sie ja nix und gänzlich überrascht sein darf man auch nicht, dass es in Patagonien regnet. Aber sonst hellt es sich langsam auf. Wir haben bei unserer ‚Autovermietung‘ den alten (indischen) Mahindra Allrad schon zweimal verlängern können, wahrscheinlich will den sonst wirklich niemand. Er fährt aber nicht schlecht auch wenn manchmal alle Instrumente ausfallen, die Zentralverriegelung nicht mehr aufmacht oder der Allradantrieb sich nicht mehr abschalten lässt. Für unsere Tour von Puerto Varas um den Vulkan Calbuco und den Nationalpark Alerce Andino, teilweise auf sehr ruppigen Schotterstraßen ist es genau das richtige Gefährt.
In Ensenada hatten wir eine Cabaña direkt am See mit Blick auf den Osorno, in Cochamó ein rustikales, aber sehr geschmackvolles Hostal mit grandiosem Blick auf den Fjord Reloncavi, in Puelo wieder eine Cabaña am Fluss und zum Schluss ein Zimmer im Hostal Mozart. Überall wurden wir sehr freundlich empfangen. Die Verpflegung ist üppig (und relativ günstig), besonders der Lachs, im Fjord gezüchtet, wird in allen Variationen, als Ceviche, geräuchert oder gegrillt angeboten.
Immer mal wieder werden wir von Chilenen auf deutsch angesprochen, Leute, die für deutsche Firmen gearbeitet haben oder deutsche Vorfahren haben, freuen sich, deutsch sprechen zu können und erzählen interessante Geschichten und wir bekommen Einblick in den Alltag hier. Am redseligsten aber sind die deutschen oder österreichischen Auswanderer, ohne Punkt und Komma kauen sie einem das Ohr ab, das ist manchmal ganz schön anstrengend! Von dem schon ziemlich alten Enkel des berühmten deutschen Patagonien-Forschers Fritz Reichert werden wir im Dorfladen von Puelo angesprochen – der Name war uns aus einem Museum über die Pioniere in Patagonien in Petrohue am Lago todos los Santos noch in Erinnerung.
In den heißen Quellen von Ralun war das Feeling auch wieder ‚very local‘, man setzt mit einem Bootchen über den Rio Petrohue, läuft noch ein paar Minuten am Fluss entlang und kommt dann an ein paar sandige Löcher am Flussufer in denen eine tiefgraue (vulgo dreckige) Brühe mit Badewannentemperatur steht – zum säubern kann man sich aber in den (kalten) Fluss stürzen.
Einen Abstecher haben wir zum Lago Tagua Tagua gemacht, einem einsamen Bergsee, an dem die Straße endet und eine kleine Fähre die wenigen Autos und Wanderer aufnimmt, um sie noch etwas tiefer in die Wildnis zu bringen, auf Wanderwegen kommt man dann sogar bis nach Argentinien.
In dem kleinen Dorf Puelo fand gerade ein Skulpturen-Wettbewerb statt, aus massiven Baumstämmen wurden mit (gesponsorten) Kettensägen tolle Motive modelliert.

Nationalpark Vicente Pérez Rosales

Dieser Nationalpark, der östlich von Puerto Varas und dem großen See Llanquihue beginnt, ist der älteste Lateinamerikas und wurde bereits 1926 gegründet. Einige große Vulkane gehören zu dem Park, der bekannteste ist der Osorno mit 2652 m Höhe. Außer den Vulkanen liegt im Park der Bergsee Todos los Santos, dessen Abfluss der Rio Petrohue ist. Der Park ist auch bei den Chilenen ein beliebtes Urlaubsziel.
Zum Vulkan Osorno führt eine schmale Straße bis auf 1150 m hinauf, ab da gibt es einen Sessellift, der die Besucher in Zeitlupe nochmal 500 m näher an das ewige Eis auf dem Gipfel bringt. Im Winter wird hier sogar Ski gefahren (wahrscheinlich sind zwei Abfahrten am Tag drin, wenn man zügig fährt). Die Berghänge bestehen aus feinster Vulkanasche und sind daher garantiert 100% nachhaltig zu befahren. Von hier oben hat man einerseits eine fantastische Aussicht nach Westen bis ans Meer und nach Osten in die Kordilleren, die teilweise schon in Argentinien liegen, andererseits auf den mit Gletschern bedeckten Gipfel des Vulkans, wenn er sich nicht unter einer Wolken oder Nebelhaube versteckt.
Hinauf bin ich durch die Asche gestapft, im ständigen Kampf mit den aggressiven Bremsen, die bevorzugt von hinten angreifen und nur im Flug durch Volltreffer mit einer Holzlatte erwischt zu Boden gehen. Ab 1500 m Höhe war’s ihnen dann zum Glück zu kalt. Hinunter bin ich schwarz gefahren, das ging deswegen, weil sich kein Chilene vorstellen kann, dass man freiwillig zu Fuß auf den Berg geht – ergo, wer an der Bergstation steht, muss im Besitz eines Tickets sein – buen viaje.

Die Wasserfälle des Rio Petrohue sind auch berühmt und entsprechend der Besucherandrang enorm, die Farben auf dem schwarzen Basalt sind es aber auch.

Seltene oder vermeintlich scheue Tiere muss man nicht lange suchen, man trifft sie nachweislich am einfachsten am Parkplatz. Nur die einheimischen Pflanzen, von denen es hier wirklich eine Menge schön blühende gibt, bleiben im Wald und müssen dort aufgesucht werden.

Rafting im Rio Petrohue

Zahlreiche Vulkane liegen in diesem Gebiet, der schönste und größte ist der Osorno. Zu seinen Füßen fließt der Rio Petrohue.

Das war heftig, was anfänglich nach einem gemütlichen Nachmittagsausflug aussah, entpuppte sich als mega spannende Unternehmung. Der Rio Petrohue ist ein richtig wilder und wasserreicher Fluß, 3-5 m tief und mit einer Kaskade von Stromschnellen versehen. Mit Neopren-Anzug, Schwimmweste und Helm versehen, wurden die Teilnehmer in die Kommandos eingewiesen und über das Verhalten beim Kentern oder Mann über Bord instruiert. Zum Glück ist aber keiner raus gefallen, 50:50 sagte der Guide hinterher, sei die Quote. Die Quote Männer zu Frauen beim Sprung von dem Felsen war dagegen in unserer Gruppe 100:0.

Ach, Chile

Der Beginn in Chile ist leider auch mühsam. Wir fliegen von der Osterinsel nach Santiago und nach einer Übernachtung im Flughafenhotel weiter nach Puerto Montt, dem nördlichen Einstieg von Patagonien. Es ist Hochsaison und manche Sachen, die man sich einbildet sind entweder ausgebucht oder unglaublich schwierig zu organisieren. Einen Mietwagen zu bekommen kostet mich einen ganzen Tag.
Keine (!) Website funktioniert, wie man das aus anderen Teilen der Welt gewohnt ist. Funktionierende Geldautomaten sind auch Glückssache und verlangen zudem unverschämte Gebühren, höher als irgendwo sonst auf der Welt.
Im Supermarkt muss man akzeptieren, dass es nur gezuckerte, mit unzähligen Fruchtzusätzen verseuchte frische Milch gibt, normale Milch aber nur als H-Milch angeboten wird.
Im Prinzip gibt es eine sicher traumhaft schöne 4-tägige Schiffspassage durch die Kanäle Patagoniens von Puerto Montt nach Puerto Natales ganz im Süden, aber bis auf fensterlose Kabinen ist leider alles ausgebucht.
Zu den organisatorischen Problemen gesellt sich bei Susi eine zähe Erkältung, die tagelang jegliche Unternehmung verhindert. Immerhin waren wir in Puerto Montt in einem sehr hübsch hergerichteten Fischmarkt am Hafen, indem auch viele kleine Restaurants und Souvenirshops angesiedelt sind. Auch konnte man eine kleine Bootstour unternehmen, auf einem ähnlichen Boot, wie auf dem Bild unten

Ein bisschen eine Herausforderung ist auch, dass praktisch niemand Englisch spricht und das Spanische hier so undeutlich ausgesprochen wird, dass es wirklich schwierig ist, auch nur den Kontext zu erkennen. Im direkten Gespräch wiederholen die Chilenen aber gerne das Gesagte nochmal langsamer, da steigen die Chancen auf Verständigung. Bei unserer Unterkunft Casa Azul in Puerto Varas haben wir das Glück, in die Hände eines deutschen Auswanderers geraten zu sein. Er jammert zwar am liebsten über seine Probleme mit Booking.com, besonders, wenn die Gäste seiner Meinung nach unfair bewerten, zwischendurch sind aber seine Einlassungen zu Chile ganz erhellend. Selber jetzt auch genug gejammert und es wird besser werden…

Erlebnis Häppchen aus Rapa Nui

Wir sind jetzt schon eine Woche auf Rapa Nui und es ist der erste Ort unserer Reise, seit immerhin 4 Monaten, bei dem wir das Gefühl haben, man könnte hier noch lange bleiben, auch wenn alle Highlights schon besichtigt sind. Wahrscheinlich ist es so, dass wir die fast schon heimatliche Infrastruktur mit den vielen Restaurants, dem Lieblings-Eiscafe am Hafen, den guten Cocktails, dem angenehmen Wetter, der Gemächlichkeit des Alltags und der Ruhe in der Nacht in keinem anderen Land bisher gefunden hatten.

Was haben wir sonst noch gemacht? Ich war zweimal tauchen in der Bucht von Hangaroa – eine völlig andere Unterwasserwelt als in Vanuatu, Fiji oder Rangiroa. Das Wasser hier ist sehr klar, hat entsprechend wenig Plankton und deswegen auch ganz wenige Fische. Beeindruckend sind die Korallen, die in riesigen Gebilden ein Unterwasser-Gebirge geschaffen haben. Man taucht durch Canyons und Höhlen, schwebt von einem Berg zum anderen und findet einen versenkten Moai (aus Beton allerdings).

In der Turnhalle des Gymnasiums werden jeden Nachmittag die Volkstänze einstudiert, mal mit den Schülern, mal mit den Eltern. Auf der Bühne spielen einige Musiker, am wichtigsten der Trommler, und zwei Vortänzer/innen zeigen, wie’s sein sollte (Nicht alle sind uneingeschränkt begeistert dabei). Vielleicht wird das ein Programmpunkt für das große Musikfestival, welches in zwei Wochen stattfindet, schade, dass wir es verpassen. Ein Besuch bei einer der Rapa Nui Tanzgruppen hat uns dann gezeigt, wie die Profis das können, war ein toller Abend. Das hat uns sehr an die Tänze in Samoa erinnert, da zeigt sich deutlich die Zugehörigkeit der Rapa Nui zu Polynesien.

Die beiden Volksgruppen, Chilenen und Rapa Nui sind sehr verschieden und die Rapa Nui sind nicht gerade begeistert, dass die Chilenen hier immer mehr werden (da wurde in der Vergangenheit auch schon mal die Start- und Landebahn mit einem Sitzstreik blockiert). Natürlich ist die Insel bis auf Thunfisch und Ananas zu 100% abhängig von den Lieferungen aus Santiago, also hat man sich doch irgendwie geeinigt indem Rapa Nui einen Sonderstatus in der chilenischen Verfassung erhalten hat und damit die Zahl der Zugereisten und Touristen selber kontrollieren kann. Diese Tourismus-Saison allerdings scheint mies zu laufen, nur wenige Restaurants sind am Abend voll, viele gänzlich leer.

Die Müllabfuhr kommt mit ein paar jungen Männern, Brüllwürfel um den Hals, ins Haus und leert die unterschiedlichen Mülleimer (Glas, Plastik, Papier) in die großen Kisten auf ihrem Laster – welch ein Service.

Die Versorgung mit kleinen, unglaublich lecker süßen Ananas ist bestens organisiert: Auf der Hauptstraße und an den wichtigen Sehenswürdigkeiten stehen die Pickups und man bekommt die Ananas von der Ladefläche, wie ein Eis am Stiel zurecht geschnitten überreicht.

Surfen ist hier Volkssport, bis fast in die Dunkelheit reiten sie die Welle in das Hafenbecken, die bestimmt 200 m weit trägt.

Nicht wenige Einheimische sind mit ihrem Pferd unterwegs, da die Gäule überall umsonst geparkt und Gras fressen können, ist der Kilometerpreis wahrscheinlich günstiger als mit Moped oder Pickup.

Die Moai

sind natürlich die Kultfiguren, für die die Osterinsel weltweit bekannt ist. Die meisten Moai stehen oder standen an der Küste und schauten ins Landesinnere, aber viele sind auch im Steinbruch verblieben und schauen zum Meer, vermutlich konnten sich die Auftraggeber den teuren Transport an die Küste nicht leisten. Denn die Statuen sind tonnenschwer und etliche Meter hoch. Nicht nur die künstlerische Wirkung und Gestaltung sondern auch die handwerkliche Leistung, sie aus den Steinbrüchen, nur mit Muskelkraft, an ihre Bestimmungsorte zu transportieren und aufzustellen, sind zutiefst beeindruckend. Thesen von der Beteiligung Außeriridischer an den Kunstwerken wurden von dem norwegischen Abenteurer und Wissenschaftler Thor Heyerdahl in den 50er Jahren widerlegt – er hat mit seinem Team ohne jede moderne Technik eine fast fertige Statue aus dem Steinbruch über einige Kilometer an die Küste geschafft und dort aufgestellt.

Seit mindestens dem 15. Jahrhundert wurden die Moai aus den Felsen des Vulkans Ranu Rahaku gehauen, die Stile änderten sich und mit der Zeit wurden die Figuren und die Nase größer und größer und bekamen noch einen Haarschopf aus rötlichen Gestein aufgesetzt. Der größte jemals aufgestellte Moai ist 10 m hoch und 80 Tonnen schwer. Im Steinbruch sieht man sogar eine begonnene Statue mit 20 m Höhe.

Tatsächlich wurden die Steinmetzarbeiten offenbar über Nacht eingestellt, denn es finden sich Exemplare in allen Stadien der Bearbeitung und die Werkzeuge lagen wohl auch noch herum, als die ersten Europäer den Steinbruch besuchten. Man vermutet, dass sehr plötzlich die Nahrungsproduktion zusammengebrochen war, die privilegierten Steinmetze nicht mehr bezahlt (oder gefüttert) wurden und sich daher um sich selber kümmern mussten. Rätsel über Rätsel. Jedenfalls waren oder wurden praktisch alle Moai umgestürzt, unklar ob durch Naturgewalt oder die Menschen. Später wurde die Kultur der Moai Figuren durch den Vogelmann Kult abgelöst und somit waren die Statuen für die Bewohner der Osterinsel nicht mehr relevant.