Hinter dem Arthurpass geht es hinab in die endlos weiten Täler der Südalpen. Anders als in unseren Alpen sind hier die Flüsse nicht in ein künstliches Bett gezwängt, sondern haben und nehmen sich allen Platz zum mäandern. Die Berge sind kahl und haben kaum felsige Partien, eher große Schotterhänge. Der Wind treibt die Wolken in hohem Tempo vor sich her, Föhnsturm würde es bei uns heißen, denn hinter dem Pass regnet es nicht mehr und die Sonne kommt immer öfter durch. Die Flussläufe leuchten beeindruckend blau, wenn die Sonne scheint und sie nicht gerade Hochwasser führen. Entlang der Straße gibt es ein paar wenige Farmen mit Rindern und Schafen aber der Gesamteindruck ist doch die unberührte, großartige Weite. Am Weg liegen noch die Castle Rocks, Kalksteinfelsen, die von den häufigen Stürmen bizarr geschliffen wurden. Als wir aus den Bergen ins Flachland kommen, bläst der Wind wie toll von hinten und die Schüssel fährt wie der Teufel. Dann aber müssen wir leider rechts abbiegen und das Wohnmobil die letzten Kilometer ins Ziel segeln.
Die Kea Dame am Arthur-Pass
Die berühmten Bergpapageien Neuseelands sind selten geworden und im Bestand gefährdet, nur noch 5000 sollen auf der Südinsel leben. Auf dem Arthurpass in den Südalpen, auf 1000m Höhe, kann man sie mit Glück noch sehen. Wir biegen zu einem Aussichtspunkt von der Passstraße ab, da steht ein VW Bus Oldtimer auf dem Parkplatz (an sich schon ein Hingucker) aber davor sitzt er, der Kea! Als wir von der Aussicht auf das große Viadukt zurückkommen (naja, Brücken über Alpentäler haben wir schon mal woanders gesehen) sitzt der Kea auf einem Haufen Felsen vom Straßenbau und putzt sich das wollig warme Gefieder. Nachdem eine viertel Stunde verstrichen ist und ich mich, von ihm völlig ingoriert, bis auf 2m genähert habe, putzt er sich noch immer und damit ist klar, dass es sich um eine Kea Dame handeln muss, auch wenn ich das rein äußerlich nicht erkennen kann. Irgendwann tut sie dann doch, was Keas so einzigartig macht: Sie fliegt auf unser Wohnmobil und beginnt die Gummidichtung aus der Dachluke zu knabbern – Keas sind ja so ziemlich die intelligentesten Vögel, sagt die Wissenschaft, aber ich kann den Geistesblitz beim Zerstören von Gummidichtungen nicht erkennen. Ich würde also eher sagen, sie sind sehr geschickt, aber schlau ist das nicht (außer sie hätten einen Fütterungsvertrag mit der örtlichen Autowerkstätte abgeschlossen) Für Mittag ist heftiger Regen angesagt und wir beschließen, dass die Gummidichtung in der Dachluke für uns im Ganzen wertvoller ist als in Stückchen für die Kea Dame und fahren weiter.
Westküste: Paparoa-Nationalpark
Hier gibt es wunderschöne, unberührte Küsten mit steil aufragenden Felsformationen, Wälder mit den südlichsten Palmen der Welt, Höhlen in der Karstlandschaft, steile Klippen und Strände mit feinstem Kies. Außerdem einen wirklich schönen Campingplatz mit Stellplätzen am Meer. Nach 260 km Fahrt mit ständig überhöhtem Tempo (also mehr als 60 km/h) eine willkommene Entspannung. Aber der Reihe nach…
An diesem Strand haben die Wellen ganze Arbeit geleistet und sehr attraktive Überhänge, Höhlen und viel feinen Kies produziert und ein Wasserfall ist bestens als (leider nur kalte) Dusche geeignet.
In der Höhle unweit des Campingplatzes verbirgt sich eine magische Überraschung: Nachts, also wenn es in der Höhle wirklich finster ist leuchten an der Decke hunderte winzige Punkte wie ein Sternenhimmel auf. Das sind kleine ‚Würmchen‘, vielleicht 2 cm lang und kaum dicker als ein Haar, deren eines Ende (das hintere) fluoresziert. Tatsächlich handelt es sich um die Larven einer Mücke, die ein feines Netz spinnen, in das sie andere Insekten mit ihrem Leuchten hineinlocken.
Ein paar Kilometer weiter sind die Pancake Rocks einen kurzen Spaziergang von der Straße entfernt. Das Kalkgestein ist wirklich wie ein Stapel Pfannkuchen geschichtet und oben drauf sitzen die kleinen Seeschwalben und plärren lauthals um von den Eltern gefüttert zu werden. Ständig sieht man die Alten mit kleinen Fischen im Schnabel herumkurven, um den hungrigen Artgenossen zu entkommen und die Beute an die eigenen Jungen zu verfüttern. Unten donnert die Brandung in verschiedenen Löchern gegen den Fels und jagt dabei die Gischt in die Luft. Und dann sind da auch noch die Seebären, die völlig erschöpft vom vielen Rumliegen alle Flossen von sich strecken.
Mit dem Kayak zu den Seebären
Im Abel Tasman Nationalpark kann man zwar ausgedehnt wandern, die bessere Art der Fortbewegung und Erkundung ist aber zweifellos das Kayak. Die Küsten sind außerhalb der Buchten felsig und vollkommen unzugänglich. Das Meer ist zumindest vormittags ganz ruhig, sodass auch vermeintlich völlig ungeübte sich ins Boot zwängen können, ohne auf der Stelle zu kentern. Also haben wir eine Ganztagestour gebucht, bei der man mit einem speziellen Kayak-Transportschiff ca. 15 Kilometer entlang der Küste nach Norden gefahren wird um dann etwa die Hälfte der Strecke im Lauf des Tages zurück zu paddeln. Als sehr praktisch erwies sich eine Spritzschutzdecke aus Neopren, die tatsächlich verhindert, dass man den ganzen Tag im Nassen sitzt und friert. Außerdem hat das Kayak ein Ruder, welches vom Kapitän, hinten sitzend, mit Pedalen bedient wird. Der Boss sitzt dagegen vorne und gibt die Steuerungskommandos, die der Kapitän hinten ausführen kann oder auch nicht… Diese Art der Gewaltenteilung war dem Bootsfrieden sehr zuträglich und in keinem der zwei Teams kam es diesbezüglich zu einer Meuterei, die von dem Rasta Guide Neo hätte geschlichtet werden müssen. Team New York erwies sich zu unserer Überraschung im Lauf des Tages als erstaunlich schwach gegenüber Team München. Nach der Einweisung sind wir zu einer Insel gepaddelt, auf deren Felsen im Sommer Seebären leben sollen, um hier ihren Nachwuchs zu bekommen. Da schwimmt etwas kleines in einiger Entfernung, Neo erklärt, dass es sich um einen aus dem Nest geschmissenen Pinguin handelt, der jetzt etwas unschlüssig sei, wo er hin soll, jedenfalls sei es untypisch, dass er so lange nicht abtaucht. Gerne hätte ich das schwimmende etwas selber zu seiner Befindlichkeit befragt. Dann erreichen wir die Insel und tatsächlich liegen etliche fette Seebären träge auf den Felsen in der Sonne, aber einige sind auch im Wasser auf Futtersuche. Näher als 20 m soll man ihnen nicht kommen und weil die Kühe trächtig sind oder gerade ihre Jungen bekommen haben ist das wahrscheinlich auch gut so. Nachdem wir die Insel umrundet haben geht der direkte Weg zur Bark Bay für die Mittagspause ziemlich weit draußen übers Meer. Es gibt einen leckeren Burger und Walnuss-Apfel-Kuchen nebst Kaffee und Keksen um sich für die Weiterfahrt fit zu machen. Jetzt hat der Wind wie vorhergesagt aufgefrischt und wir müssen kräftig dagegen anpaddeln, bis wir aus der Bucht draußen sind. Dann geht es mit Rückenwind fast von selbst an der Küste mit ihren sagenhaften Felsformationen entlang und viel schneller als gedacht haben wir Anchorage Bay in Sicht, dem Ziel der Tour. Vorher geht es aber noch zwischen einigen Felsen knapp hindurch, was bei dem Wind und den Wellen schon etwas spannend ist, aber wir schrammen nirgends an. Dann gibt es noch Seeigel, Seesterne und den Schatten eines Rochens zu sehen, bevor wir gar nicht so erschöpft, wie erwartet an dem großen Strand anlanden. Bald holt uns das Boot ab und wir sind rechtzeitig für einen großen Cappucino wieder zurück am Campingplatz.
Abel Tasman Nationalpark
Endlich schönes Wetter! Nach einer Woche Sturm und Regen scheint jetzt eine Phase stabileren Wetters anzubrechen. Der Abel Tasman Nationalpark ist einer der begehrtesten Ziele in Neuseeland. Man kann ihn nur mit dem Schiff bzw. zu Fuß erkunden – die Wanderwege verlaufen teilweise so dicht am Meer, dass sie nur bei Ebbe begehbar sind, entsprechend muss man planen oder größere Umwege in Kauf nehmen. Wir machen aber nur einen Tagesausflug mit dem Wassertaxi und lassen uns in einer der Buchten aussetzen. Am Nachmittag kommt das Boot wieder vorbei und sammelt die vielen Robinsons wieder ein. Auf dem Weg mit dem Boot kommen wir an einer Insel mit Seehunden vorbei, die alle faul in der Sonne dösen. Eine weitere Attraktion auf der Fahrt ist der Felsen ‚Split Apple‘, der im Meer an einen zerteilten Apfel erinnert (oder zur Zerschlagung von Apple auffordert?)
Der Abel Tasman Park besteht aus vielen unberührten, wunderschönen Buchten mit Sandstränden, eingerahmt von Granitfelsen. Der Sand ist durch die Mineralien gelb bis ocker gefärbt sind. Aber auch die Bäche und kleinen Flüsse sind in diesem Farbton. Die Hügel hinter den Buchten sind dicht bewaldet. Weil Susi noch einen lädierten Fuß von der Tongariro Tour hat, machen wir nur eine kleine Runde zu dem Cleopatra Pool, der eigentlich ein Bach mit einigen Gumpen und großen rund geschliffenen Granitbrocken ist, fast wie daheim, aber trotzdem schön.
Von Wellington auf die Südinsel zu den Marlborough Sounds
Wellington ist eng, kaum Platz zwischen Meer und Bergen. Höchst motivierte Parkraumbewacher vereiteln das Ausladen der Rucksäcke vor dem Hotel, aber sie müssen ja woanders auch noch kontrollieren, d.h. einmal um den Block gefahren und Ruhe ist. Unser Zimmer im 15. Stock hat tolle Aussicht aber den Nachteil, dass das Haus im Sturm ganz schön schwankt, worauf wir schon an der Rezeption hingewiesen wurden. Am nächsten Morgen geht die Fähre nach Picton um 8 und wir müssen frühzeitig da sein, um noch gute Plätze zu bekommen. Auf der Fahrt stürmt es weiter in unglaublicher Stärke, auf Deck geht es manchmal nur mit Festhalten an der Reling vorwärts. Das ist schon als würde man auf der Tragfläche eines Jets stehen. Erstaunlicherweise sind die Wellen aber nicht hoch und das mächtige Fährschiff zieht ganz ruhig durchs Wasser. Nach ca. 2 Stunden kommt die Südinsel in Sicht und bald biegt sie in einen schmalen Kanal links in die Marlborough Sounds ein. Ein Irrgarten aus Inseln, Landzungen und Buchten mit üppig bewaldeten steilen Berghängen. Nochmal eine Stunde geht es zwischen den Inseln hindurch bis der Pott einmal scharf links abbiegt und das Ziel Picton schon dadurch auffällt, dass dort ein gigantisches Kreuzfahrtschiff eine der Buchten besetzt. Das Anlegen dauert eine Weile und wird von einem Bugsierschlepper unterstützt, denn der Sturm macht dem Kapitän sicher etwas Mühe. Wir treffen die Dame von ‚Affordable Motorhomes‘ und bekommen eine Einweisung in unseren Campervan. Er ist doch eine Klasse primitiver, als wir uns das vorgestellt hatten, aber besser als ein Zelt allemal – es kommen immer wieder kurze aber heftige Schauer vom Himmel, da will man nicht meckern. Eine Bemerkung sei aber noch erlaubt: Das Feld im Formular für den Kilometerstand ist etwas knapp bemessen und erst später bin ich mir sicher, dass der Kilometerstand nicht 45100.1 sondern 451001 km ist. Die Schüssel ist 20 Jahre alt, soll aber recht zuverlässig und robust sein. Das Schaltgetriebe ist auch ein ungewohntes Rührwerk und im 5. Gang scheinen 60 Stundenkilometer in jeder Hinsicht die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu sein. Nach einem üppigen Einkauf im bescheiden sortierten Supermarkt in Picton fahren wir auf der Suche nach einem schön gelegen Campingplatz entlang des Queen Charlotte Scenic Drive. Scenic Drives unterscheiden sich von Straßen dadurch, dass sie nur aus engen Kurven bestehen und mit einem guten Rad in vermutlich gleichem Tempo zu befahren wären. Leider steht uns keiner der Campsites so richtig zur Nase und mittlerweile schüttet es wie aus Kübeln. On top kommt noch ein kräftiges Gewitter, von dem wir aber nur die Blitze sehen, da der Motorlärm jeden Donner übertönt. Schlussendlich landen wir auf einem kostenlosen Schotterparkplatz an einer kleinen Bucht, ein Plumpsklo und drei andere Camper stehen auch schon da. Immerhin kommt die Sonne wieder raus und damit wendet sich das Blatt zu einem schönen Abend. Und die Nacht bei Sturm und Regen ist im warmem, schaukelnden Bett sehr gemütlich.




































