Am zweiten Tag wollten wir eine 8 stündige Wanderung in die Berge dicht an die Torres unternehmen, aber die zweifelhaften Wetteraussichten haben uns umgestimmt und so sind wir zu der Laguna Grey gefahren, in die der Grey Gletscher mündet. Die Landschaft hier ist völlig anders als auf der anderen Seite des Paine Massivs. Hier wachsen dichte Wälder (sofern sie nicht einem Waldbrand zum Opfer gefallen sind) und die zahlreichen Seen und Flüsse erinnern eher an die Rocky Mountains. Auch hier: Vollkommen unberührte Natur soweit das Auge reicht. Am Ende der einsamen Schotterstrecke deutet aber ein voll besetzter Parkplatz an, dass hier eine Attraktion sein muss. Jenseits einer schwächelnden Hängebrücke gelangt man über eine große Schotterebene an das Ufer des Sees, auf dem etliche krass blaue Eisberge in der trüben Brühe gestrandet sind. Der Sturm treibt uns über den Schotter voran in Richtung einer felsigen Insel, auf der ein Rundweg zu einem Aussichtspunkt auf den noch 14 Km entfernten Gray-Gletscher führt. Auf dem Wanderpfad durch dichtes Strauchwerk und niedrige Südbuchen kommen wir an eine kleine Brücke über einen versumpften Tümpel, als es Susi schlagartig die Sprache so verschlägt, dass sie sich nur noch festhalten kann und ‚Puma‘ japst. Es ist wie im Zoo, wenn plötzlich die Scheibe weg wäre, das sind keine 5 Meter mehr und er ist ziemlich groß. Leider hält er nicht lange still für das Portraitfoto sondern streicht ein wenig durch die Büsche, bis er feststellt, dass der Wanderweg doch bequemer zu begehen ist, wählt dabei aber die – aus unserer Sicht – falsche Richtung und es wird nur Sekunden dauern, bis er um die Kurve kommt und direkt vor uns steht. Mit einem beherzten ‚Hey‘ trollt er sich aber zum Glück wieder in die Büsche, abseits vom Weg. Ein doppeltes Glück: Puma gesehen und noch am Leben! Der später befragte Parkranger zuckt nur mit den Achseln, ja die gibt’s hier schon…
Nach kurzer Kaffeepause fahren wir weiter um den Gebirgsstock des Cerro del Paine, der eine sehr fotogene Schichtung aus rötlichem Granit und darüber liegenden schwarzen Sedimenten aufweist. Ein kurzer Marsch führt zu einem tosenden Wasserfall des Paine Fluss (100 m³/s) und auf der weiteren Fahrt kommen wir noch an vielen malerischen Seen, mit Enten, Gänsen und Flamingos vorbei. Rätselhaft, was sie in dieser kalten, milchigen Brühe zum Fressen finden.
Auf der Rückfahrt durch die Pampa und Schafsweiden sehen wir heute zahlreiche Darwin-Nandus, wo haben die sich gestern versteckt? Auch die lassen sich von den Gaffern nicht beirren und fressen am Straßenrand von den staubigen Pflanzen.
In diesen zwei faszinierenden Tagen im Torres del Paine Nationalpark sind wir 550 Km gefahren, man sieht hier nicht nur weit, es ist auch weit!














