Das Maas ist voll, Heiko

Die geplanten Flüge von Cusco über Santiago nach Frankfurt wurden abgesagt. In der deutschen Botschaft in Lima herrscht ein derartiges Chaos, dass die Honorarkonsulin in Cusco in der WhatsApp Gruppe offen von Unfähigkeit spricht:
Gestern gab es mehrere Flüge raus aus Cusco, viele Busse, zuletzt mit Italienern, nun auch Schweizern und Österreichern dabei, fahren seit Tagen Richtung Lima, und ich muss hier guten Willen zeigen, die mehr als 600 gestrandeten Deutschen im Raum Cusco gruppieren, organisieren, hinhalten und vertrösten, während das AA -darf ich das jetzt doch einmal sagen?- versagt.
Ich melde mich wieder, Maria Jürgens

Aber das Auswärtige Amt ‚bemüht sich mit Hochdruck‘
Inzwischen hat sich in Cusco eine Gruppe Deutscher Gefangener virtuell zusammengefunden, die in den sozialen Medien, TV und Zeitungen Druck aufbauen will, dass sich nach zwei Wochen endlich was bewegt. Jeder schickt ein Selfie mit Mundschutz und mit der Collage gehen wir online. Sogar habe ich einen Twitter Account angelegt https://twitter.com/NikoLipkowitsch?s=09 um mich an der Aktion zu beteiligen und, wer weiß, vielleicht kann man den ja nochmal für die Arbeit bei den Grünen brauchen. Und wir freuen uns über jeden, der hier liked oder retweeted: https://twitter.com/GERstuckinperu

Ein Lichtblick nach 10 Tagen Hausarrest

Nachdem es seit Verhängung der Ausgangssperre am 16.3. keinen Fortschritt in Richtung einer Ausreise und Rückflug nach Deutschland gab, scheint es nun endlich für den 31.3. ein Flug mit LATAM von Cusco über Santiago de Chile nach Frankfurt zu geben. Der Botschafter feiert sich dafür, alle anderen schütteln nur den Kopf, aber immerhin, für die, die nicht in Cusco oder Lima warten, geht es erst Anfang April nach Hause.

Die Situation in Cusco hat sich fast täglich verschärft. Durften wir Anfangs noch selber einkaufen, so ist uns das jetzt auch untersagt, da unsere Gegend zu einer speziellen Sperrzone erklärt wurde. In unmittelbarer Umgebung hat es Coronafälle gegeben, ein ältere Mexikaner ist daran gestorben. Seither geht die Polizei rigoros vor und verhängte Quarantäne von mindestens einem Monat über ein Hostel in dem ein Corona-Fall entdeckt wurde. Fast 150 Gäste und Mitarbeiter sind betroffen, darunter auch Deutsche. Das Haus wird von Militärs rund um die Uhr bewacht und die Bewohner dürfen ihre Zimmer 23 Std. am Tag nicht verlassen.

Die Schikanen durch die peruanischen Behörden kennen keine Obergrenze:
– Wir dürfen offiziell unser Zimmer nicht verlassen; da wir aber die einzigen Gäste sind und die Klappladen zur Straße zum Schutz gegen neugierige Blicke geschlossen wurden, können wir im Innenhof und auf den Balkon an die frische Luft. Dieser Umstand ist eigentlich das größte Glück, das wir in dieser Zeit genießen.
– Für den Transfer zum Flughafen reicht nun nicht mehr ein Passierschein der Polizei sondern es muss auch eine Genehmigung des Außenministeriums vorliegen.
– Da der Flughafen in Lima geschlossen wurde und nur noch der militärische Teil geöffnet ist, können nicht mehr als 3 oder 4 Maschinen am Tag abgefertigt werden.

Warten auf Befreiung

In unserem kleinen Hotel Rumi Wasi, schön am Hang gelegen mit Blick über die Stadt, das wir mittlerweile alleine bewohnen, werden wir umsorgt von Priscilla, dem Hausmädchen und Köchin, Manuel, dem Manager und Cristina, der Eigentümerin die in Lima festsitzt. Von ihnen haben wir den Kontakt zur deutschen Honorarkonsulin in Cusco bekommen und sind von ihr, wie auch die fast 600 anderen gestrandeten Deutschen, in eine WhatsApp Gruppe aufgenommen worden um über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten zu werden. Zusätzlich gibt es eine WhatsApp Gruppe pro Fluggesellschaft, in unserem Falle Avianca, bei der wir ein Ticket für den Rückflug über Bogota nach München am 20.3. , also übermorgen, haben. Natürlich ist dieser Flug aber als ‚canceled‘ angezeigt.
Manuel hat uns versichert, solange wie notwendig bleiben zu können. Priscilla hat ihren 4 jährigen Sohn mitgebracht und lebt jetzt auch hier, um uns zu versorgen. Abends kocht sie Hühnchen mit Reis, ein Gericht, das wir befürchteten, die ganze Reise unzählige Male serviert zu bekommen, doch tatsächlich war es hier in Cusco das erste Mal in dem halben Jahr!
Es tut sich etwas am Himmel: Die Polizei lässt Drohnen fliegen, um zu kontrollieren, dass auch jeder brav zuhause bleibt. Und jetzt sind auch die ersten drei Latam Maschinen aus Lima gekommen, um Israeli und Mexikaner abzuholen. Seit es die App Flightradar gibt, kann sich ja keiner mehr am Himmel verstecken.
Avianca stellt sich taubstumm, keine Information, ob und wann ein Flug stattfinden wird.
Langweilig wird uns aber nicht, es gibt ja viele, die besorgt mit uns Kontakt halten. Aber wir haben, verglichen mit den meisten anderen Orten in Peru, die wir gesehen haben, wirklich Glück gehabt, dass es uns in Cusco erwischt hat.
Beruhigend ist auch, dass, sollten die Einkäufe zur Neige gehen, die Vorräte an Bauchspeck noch ziemlich lange halten werden.

Himmlische Leere: Nur ein paar Frachtflugzeuge über Peru

Mit der Bahn umsonst nach Machu Picchu

Umsonst, aber keineswegs kostenlos sind wir mit der Bahn nach Machu Picchu gefahren. Umsonst, weil an dem Morgen nach unserer Ankunft früh um 7 das Telefon klingelt und uns der Rezeptionist des Hotels mitteilt, dass Machu Picchu ab sofort geschlossen sei und wir zusehen sollen, dass wir mit einem der Züge, die heute noch zurück nach Ollantaytambo fahren den Ort verlassen sollen. Schade, wir waren einen Tag zu spät dran!

Nachdem wir mit dem Bus von Cusco bis Ollantaytambo gefahren wurden (in der Regenzeit ist dieser Streckenabschnitt für die Bahn gesperrt) war die Zugfahrt ein absolutes Highlight. Der Bau dieser Bahnstrecke wurde 1913 in Cusco begonnen und hat 15 Jahre gebraucht bis Aquas Calientes, der Talort von Machu Picchu nach 110 Km erreicht war. Das Gleis folgt dem Rio Urubamba, der sich eine 1000de Meter tiefe Schlucht gegraben hat und ist in weiten Abschnitten abenteuerlich zwischen dem reißenden Fluss und den Felswänden förmlich an den Fels geklebt. Im Laufe der Fahrt geht es 800 m bergab auf ’nur noch‘ 2000m und die Vegetation wird immer dichter, bis man sich schon im Dschungel wähnt. Es ist ein Wunder, dass diese Bahnstrecke nicht nach jedem Regenguss von einer Mure verschüttet wird. Wir haben den ‚360° Zug‘ gewählt, dessen Wagen auch noch gebogene Fenster im Dach haben und damit beste Aussicht bieten. Den Umständen entsprechend war der Zug fast leer und so hatten wir auch die offene Aussichtsplattform im letzten Wagen für die ganze Fahrt fast für uns alleine.

Nach knapp zwei Stunden ist Machu Picchu erreicht. Auch dieser Ort hängt an den Felswänden der Schluchten, die Sonne verschwindet früh hinter einem der Gipfel. Ansonsten besteht der Ort ausschließlich aus touristischer Infrastruktur, Hotels, Restaurants und Marktstände für Inka-Kitsch. Unser Zimmer ist an zwei Seiten mit einer Glasfront offen, interessante Architektur! Am Abend sind wir noch die 2 Kilometer bis zum Beginn des Wanderwegs nach Machu Picchu gelaufen, wir waren also nur noch 400 hm entfernt…
Die Rückfahrt ist dann den Umständen entsprechend gut geglückt, erst wurden wir, da Inhaber eines Tickets, an den Trauben wartender Menschen vorbei ins Bahnhofsgelände gelassen, bekamen unser Ticket für den nächsten Zug umgebucht und hatten wieder das Glück in einem nur halb vollen Wagen zu fahren. Zufällig hatten wir uns mit einem deutschen Pärchen unterhalten, die eine organisierte Reise gebucht hatten und deshalb in Ollantaytambo mit einem Kleinbus abgeholt wurden – und wir durften zurück nach Cusco mitfahren. In unserem alten Hotel wurden wir fürsorglich wieder aufgenommen, sogar in ein besseres Zimmer gesteckt und mit einem improvisierten Abendessen versorgt. Ansonsten ist wohl für die nächsten 15 Tage Ausgangssperre, außer zum Einkaufen. Zeit zum Lesen….

Geiselhaft in Cusco

Nun hat also Peru verfügt, dass wir hier zu bleiben haben, damit wir uns daheim nicht mit dem Coronavirus anstecken – es hätte aber noch ein Schlupfloch durch Kolumbien gegeben, das haben wir aber um ein paar Stunden verpasst.

In Cusco kann man sich aktuell über die Haftbedingungen mal überhaupt nicht beschweren.
Auch unsere Zelle, wiewohl aus hohen Mauern mit groben Felsbrocken errichtet, geht in einen kleinen Innenhof und von einer höher gelegenen Terrasse hat man eine fantastischen Aussicht auf die Stadt, die sich weit auf die Berghänge ausgebreitet hat.

Anders als das weiße Arequipa ist hier alles in Ton gehalten, die Dächer der Altstadt sind mit Schindeln gedeckt und die engen Gassen sind meistens so steil und mit Treppen gespickt, dass Autos kaum eine Chance haben in der Stadt herum zu fahren.

Das Zentrum der Altstadt bildet ein großer Platz, an dem zwei mächtige Kathedralen wetteifern, welche die bedeutendere ist. Rund um den Platz gibt es mehr als genug Auswahl an Kneipen, Cafés und Restaurants. Überquert man den Platz zügig wird man ca. 10 mal angemacht, ob man nicht mal in die Speisekarte, das Massageangebot, die Zigarettenauswahl oder die Schmuckschatulle schauen möchte oder sich nicht doch lieber die Schuhe putzen lassen will. Letzterem haben wir fahrlässigerweise zugestimmt. Der Preis gilt offenbar nur für einen Schuh und wenn man dann das Argumentieren anfängt, wird einfach der zweite Schuh so versaut, dass man kaum noch auskommt, den doppelten Preis zu zahlen, um dann später mühsam die gründlich verhunzten Schuhe selber wieder aufzupolieren. Umso angenehmer war ich überrascht, für 8 Euro eine Stunde sehr passabel massiert worden zu sein.

In und um Cusco sind die alten Mauern und Anlagen der Inka verstreut. Einige davon kann man auf einem Spaziergang durch die Altstadt entdecken, andere liegen etwas außerhalb und man kann entweder eine Tour buchen oder sich ein Auto mieten. Diese Mauern sind ja weltberühmt aber life davor zu stehen und die Dimensionen der millimetergenau gearbeiteten Steine zu erleben ist schon etwas Besonderes. Am eindrucksvollsten ist die Anlage Sacsayhuamán mit Steinen, die bis zu 200 Tonnen wiegen und 20 Kilometer weit vom Steinbruch transportiert wurden. Leider gibt es kaum erklärende Tafeln, erstens, weil man einen Guide nehmen soll und zweitens, weil man wohl wenig gesichert weiß, denn die Inka haben nichts aufgeschrieben und so scheint vieles nur Mutmaßung der Archäologen oder der Fantasie der Guides entsprungen.

Arequipa

Arequipa liegt auf 2300 m Höhe, auf einer Hochebene etwa auf halbem Weg zwischen den Anden und dem Pazifik in unmittelbarer Nähe von drei Vulkanen. Die Stadt wurde 1540 von den spanischen Eroberern gegründet und ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von Erdbeben stark beschädigt worden. Die Innenstadt ist von Kolonialbauten geprägt, die fast alle mit dem weißen Vulkangestein Sillar erbaut wurden. Besonders ragen heraus die Kathedrale am zentralen Plaza de Armas, der auf drei Seiten von Arcaden gesäumt ist…

und das ehemalige Kloster Santa Catalina:

Arequipa hat ein angenehmes Großstadtflair, viele Bars und Cafes auf Dachterrassen und in gemütlichen Innenhöfen, zahlreiche Galerien und Museen, die in den herrschaftlichen Häusern rund um den zentralen Platz angeordnet sind.
Besonders eindrucksvoll war ein Museum, welches die in den 90er Jahren gefundenen mumifizierten Kinder thematisiert, die von den Inkas auf den Gipfeln der höchsten Vulkane vor ca. 500 Jahren erschlagen und mit zahlreichen Opfergaben bestattet wurden. Grausame Rituale zur ‚Besänftigung‘ der Götter.
Weiter geht es nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inka-Reichs

Mit dem Bus auf der Panamericana nach Norden

Von Nord-Chile gibt es keine direkten Flüge nach Peru, immer muss man nach Santiago und von dort nach Lima. Auch um 1000e Kilometer Hin und Herfliegen zu vermeiden, fahren wir mit dem Bus ca. 1500 Kilometer in drei Tagen von Calama über Iquique, Arica, Tacna nach Arequipa, der größten Stadt im Süden Perus.

Tag 1: von Calama nach Iquique
Die Fahrt durch die Atacama Wüste geht über Maria Elena hinab nach Tocopilla und dann entlang der Pazifikküste nach Norden bis Iquique. Wir kommen durch Orte, die an Trostlosigkeit nicht zu überbieten sind, ehemals prosperierende Salpeter-Minen sind längst geschlossen und die Industrieanlagen verrosten vor sich hin, gespenstisch. Aber auch entlang der Küste auf der berühmten Straße Nr. 1, der Panamericana, passieren wir gottverlassene Wellblech-Hüttenansammlungen, ohne jeden Baum oder Strauch. Die Küstengebirge sind eine großartige Kulisse, aber sobald Menschen zugange sind, ist die Wüste voller verwehter Müllhaufen aus Plastikflaschen, Bauschutt und anderer abgekippter Konsumgüter, ein trauriges Bild.

Umso angenehmer sind wir überrascht von dem quirligen Leben in Iquique. Entlang einer Fußgängerzone sind fast alle der alten Holzhäuser restauriert und einige Bars und Restaurants laden mit Tischen im Freien zur Einkehr. Die sonst üblichen Modeketten mit ihrem ewig gleichen Einerlei fehlen völlig. Der Hafen, ein paar hundert Meter weiter, beheimatet eine ansehnliche Flotte von bunten Fischkuttern und als besondere Attraktion richtig fette und ebenso faule Seelöwen, die sich auf einer schwimmenden Plattform sonnen oder im Wasser auf die Fütterung durch die Fischer warten. Erstaunlich, wie selbst die allerfettesten einigermaßen elegant aus dem Wasser herauskommen.

Tag 2: Von Iquique nach Tacna in Peru
Wir hatten ein wunderschönes Hotel in einem alten, aber von einem genialen Architekten perfekt renovierten Haus mit einem integrierten Anbau und Innenhof, zu dem das Zimmer gelegen war. Kommt in die Top 10.
Iquique liegt auf einem schmalen Streifen am Meer, hinter dem sich das Küstengebirge und eine riesige Sanddüne erhebt. Der weitere Weg nach Arica, wieder mit Turbus, geht zunächst an dem Berghang hinter der Düne 1000m hinauf auf die Hochebene. Die Ödnis der Wüste hier ist gegenüber der Küstenstraße gestern noch mal gesteigert, auch trifft man selten auf Gegenverkehr, ein paar LKW und Busse, fast keine PKW. Manchmal zweigen Straßen rechts oder links ins Nichts ab, dann steht da ein Wartehäuschen, so einsam wie das Gestell von Apollo 11 auf dem Mond. Bedrückend sind die, nach schweren Unfällen, liegengelassenen Wracks und die vielen Kreuze an der Straße, die oft wie Grabstätten auf einem Friedhof gestaltet sind.
Auf der Strecke nach Arica müssen zwei Flusstäler überquert werden. Das klingt erstmal banal, bedeutet aber, dass jeweils über 1000m Höhenunterschied von der Hochebene zur Brücke und wieder hinauf zu überwinden sind. Wir haben (mit Absicht) die vordersten Plätze im oberen Stock direkt an der Frontscheibe gebucht. Von hier hat man natürlich eine tolle Sicht, fühlt sich aber bei der Fahrt hinab in diese gigantischen Canyons doch ein wenig ungemütlich, geht es doch hinter der Leitplanke hunderte Meter steil abwärts ohne jeden Halt. Die Kreuze stehen hier auch deutlich dichter…
In Arica müssen wir vom Bus in ein Sammeltaxi umsteigen und werden, von dem peruanischen Fahrer betreut, über die Grenze nach Peru, in die nächste größere Stadt, Tacna, gebracht. Aus- und Einreise ist unkompliziert, wir müssen aber einen Zettel zur Dokumentation unserer Reiseroute ausfüllen, das Coronavirus ist auch hier angekommen.
In Tacna geraten wir am Abend in die Fänge des fürsorglichen, aber auch geschäftstüchtigen René, der das Restaurant ‚Inca‘ betreibt und seinen Status auf Facebook gerne mit den zwei einzigen Gästen (noch dazu aus Deutschland!) anheben will. Das Essen ist vorzüglich, Alpaca, Lamm und Kalbfleisch auf einem Lavastein gebraten. Dazu gibt es ein, aus Quinoa hergestelltes Getränk.
Unser Hotel in Tacna heißt übrigens ganz passend ‚Mama Mia‘ und bietet Aussicht auf reichlich Wellblech, Müll und unverputzte Ziegelmauern…

Tag3: Von Tacna nach Arequipa
Der öffentliche Raum in Tacna ist deutlich von mehr Armut geprägt – schon auf dem Weg von der Grenze in die Stadt sieht man kahle Sandhügel, die mit Zelten und winzigen Häusern aus Betonsteinen bebaut sind – sicher ohne Wasser, Strom, etc.
Weil es in Tacna für uns nichts mehr zu tun gibt, fahren wir schon eine Stunde früher als nötig zum Busbahnhof. Keine schlechte Idee, denn der gebuchte Bus von Oltursa ist kaputt und wir werden im letzten Moment auf den Bus einer anderen Gesellschaft umgebucht, bekommen noch 21 Soles zurück und sitzen kurz darauf wieder in der ersten Reihe oben. Leider sind dir Fenster mit Folie zugeklebt und so bleibt nicht viel von der Aussicht, die sich aber von den Vortagen kaum unterscheidet. Lange 6 Stunden dauert die Fahrt ohne nennenswerter Pause, auch werden wir noch von Filmvorführungen belästigt, deren Tonspur durch die Buslautsprecher dröhnt. Hier in Peru ist sehr viel mehr Verkehr und der Fahrer oft und lange auf der linken Spur unterwegs. Als es dämmert haben wir immer noch 100 Km vor uns. Das Busterminal von Arequipa ist ein einziges hektisches Gewusel von hunderten Reisenden, Straßenverkäufern und Personal der Busgesellschaften, aber wir kommen heil hindurch in ein Taxi, das uns zum Hotel in die Innenstadt bringt. Nu is gut mit Busfahren!
Das Hotel Los Tambos ist sehr zentral, nahe des Hauptplatzes mit der Kathedrale gelegen und ein sehr angenehmer und ruhiger Ort, ein Quantensprung nach oben verglichen mit gestern. Das uns empfohlene Restaurant Chicha ist ein Erlebnis für sich, ein einladender Patio mit schön gedeckten Tischen und mehr aufmerksamen Obern als Gästen. Es gab als Vorspeise eine gefüllte Paprika und dann ein zart rosa gebratenes Alpaca Steak und knusprig gebratene Meerschweinchen Filetstreifen. Unglaublich lecker – das Restaurant gehört Gastón Acurio, dem besten und berühmtesten Koch Perus.
Es sind diese Wechselbäder von ‚very local‘ zu unerwartetem Luxus, die das Rucksack-Reisen anstrengend aber eben auch so spannend machen.

Valle Arco Iris – das Tal des Regenbogens

Juan, unser Gastgeber in San Pedro, hat eine Liste mit Vorschlägen für 5 Tage Atacama ausgearbeitet, der letzte Punkt für den 5. Tag war die Besichtigung des Valle Arco Iris, welches bei der Rückfahrt nach Calama fast am Weg liegt.
Aber er hat nicht nur Programmvorschläge gemacht, sondern uns auch viele Einblicke in das Leben in San Pedro gewährt. Er ist Mitglied im Gemeinderat und hat von seinem Kampf gegen die unkontrollierte Ausbeutung der Bodenschätze berichtet. Er ist stolz darauf, der chilenischen Regierung die Stirn geboten zu haben und das Geysirfeld El Tatio u.a. mit Straßensperren vor der Zerstörung durch geothermale Bohrungen gerettet zu haben.
70% der weltweiten Lithium Vorkommen liegen in dem Drei-Länder Eck Bolivien, Argentinien und Chile. Das weckt natürlich große Begehrlichkeiten und die Regierungen vergeben Lizenzen ohne hinreichende Auflagen und entsprechend rabiat gehen die Konzerne bei der Ausbeutung vor. Der Abbau benötigt große Mengen Süßwasser und der Grundwasserspiegel in der Oase San Pedro ist bereits von 4 auf 40 m abgesunken.
Das Regenbogental wird wohl von den Tourveranstaltern nicht angeboten, sonst wären wir nicht praktisch alleine in dieser großartigen Landschaft, die keinen Vergleich mit den berühmten Canyons der US amerikanischen Nationalparks scheuen muss. Besonders imposant ist das Wechselspiel zwischen grünen (Kupfer) und roten Lehmschichten und die ausgewaschenen Schluchten. Aber auch schwarz, weiß und violette Tönungen kommen vor. Alles ist ziemlich lose und bei Regen sicherlich sehr instabil, aber wann regnet es hier schon? Obwohl auf 3000 m gelegen, ist es am frühen Nachmittag richtig heiß. Ein paar Lamas stehen am Weg und glotzen mit gespitzen Ohren. Der Rio Grande führt etwas Wasser und so ist auch die Fahrt hinein bis zu dem Seitental Arco Iris ein Spaß, denn der Fluss ist mehrfach zu durchqueren. Die Piste hinein in das Tal ist wie gemacht für einen robusten 4×4 Wagen, den wir leider am Abend in Calama wieder abgeben müssen, denn mit dem Bus geht es am nächsten Tage weiter nach Iquique.

Die unglaublichen Farben der Atacama

Von San Pedro führen zwei Passstraßen nach Argentinien, eine über den Passo Sico und eine über den Passo Jama, beide auf Höhen knapp unter 5000m. Entlang dieser Routen liegen geologische Wunder. Einerseits sind es die zahlreichen Vulkane, die farbenprächtige Mineralien hervorbringen, andererseits liegen in den abflusslosen Hochebenen große und kleine bunte Salzseen und dazu kommen die grün gelben Steppengräser, die sich bis in 5000m Höhe hinaufziehen. Besonders auf dem Weg zum Passo Sico waren hinter jeder Kurve noch unglaublichere Panoramen zu bestaunen. Am Weg liegen zwei Dörfer, Toconao und Socaire, die einen eher tristen Eindruck hinterlassen. Wovon kann man hier in der Wüste seinen Lebensunterhalt bestreiten? Vielleicht von der kostbaren Wolle der Vicunjas, die zwar wild leben, aber gelegentlich zum Scheren eingefangen werden.

Eine weitere Attraktion ist das Valle de la Luna, nicht weit von San Pedro entfernt. Besonders in der Abendstimmung rund um den Sonnenuntergang färben sich die Felsen und Sanddünen wie mit Fotoshop behandelt.

Cerro Toco – unser erster Fünftausender

Den Vulkan haben wir seit Tagen vor der Nase, er sieht unspektakulär aus und macht eher den Eindruck eines etwas größeren Maulwurfshügels, aber Entfernungen und Dimensionen sind in der klaren, trockenen Luft der Wüste unglaublich schwer einzuschätzen. Der Cerro Toco ist 5604 m hoch und das ist dann die eigentliche Herausforderung, in dieser Höhe hat sich der Luftdruck (und damit der Sauerstoff) gegenüber der Meereshöhe genau halbiert. Da unterhalb seines Gipfels auf 5250m ein Radioteleskop errichtet wurde, kann man bis dahin mit dem Auto fahren, was die zu bezwingende Höhe bei der Besteigung auf mickrige 350 m schrumpft. Von San Pedro sind es knapp 50 Km in denen man 3000 m hinauf fährt. Auf dem Parkplatz angekommen, geht jetzt besser alles ganz laangsam, schon das Schuhebinden führt zu völliger Erschöpfung. Bei strahlendem Sonnenschein ist es zwar nicht kalt, aber der Wind kann einen hier oben schnell auskühlen und so ziehen wir uns doch warm an und dann geht es auf dem gut sichtbaren Pfad himmelwärts. Ein paar kleine Gruppen sind vor uns auf dem Weg, verlaufen kann man sich nicht. Bewusst langsam, ein Atemzug pro Schritt, kommen wir doch besser voran, als ich es erwartet hätte. Der Puls ist hoch, beruhigt sich aber bei Pausen in kürzester Zeit – das Gehen bergan ist auch nicht wirklich anstrengend, kein Schwitzen nur schnaufen, schnaufen, schnaufen. Susi ist zwar schwindelig, aber nicht so schlimm, dass wir abbrechen müssten. Nach genau einer halben Stunde verordnen wir uns eine Pause von 15 min und in einer weiteren halben Stunde sind wir oben und haben dabei noch eine geführte Gruppe junger Leute überholt. Den Gipfel erreicht zu haben und der Blick über die Anden sind ergreifend, es verschlägt uns die Sprache und es ist nicht der Sauerstoffmangel oder das Delirium der Höhenkrankheit!
Nach langer Rast ist der Abstieg durch das lose Vulkangeröll ein Klacks, das Ausziehen der warmen Sachen ist dagegen schon wieder Anlass zum Hyperventilieren. Auch das Auto pfeift aus dem letzten Loch und schafft es nicht mehr rückwärts aus der Parklücke, zum Glück liegen vorne keine großen Brocken so holpern wir in einem Bogen zurück auf die Piste und bald über die asphaltierte, fast schnurgerade Passstraße 2000m steil bergab zurück nach San Pedro. Ein ausgebranntes Buswrack und zahlreiche Notwege raten zu maßvollem Tempo und permanenter Verwendung der Motorbremse. Unten ist es unerträglich heiß….