Die zwei jungen Mädels im Cafe Negro ums Eck machen einen fantastischen Cappucino mit bezaubernden Motiven. Gute Laune gratis für jeden. Am Tag der Abreise sitzen wir das dritte mal bei ihnen am Tresen und Susi blickt nochmal auf den elektronischen Boarding Pass. Zum Glück erkennen wir, dass der Flug an einem anderen – uns bisher unbekannten – Flughafen startet… Mit dem letzten Peso begleichen wir die Fahrt, das Trinkgeld bekommt der Fahrer zu seiner Freude in US$. Die Fahrt auf MapsMe zu verfolgen kann ungemein beruhigend sein, sonst hätten wir vermutet, demnächst ausgeraubt und ausgesetzt zu werden, so abenteuerlich war der Weg zu diesem ehemaligen Militärflughafen. Die Frittenbude und die Gepäcktrolleys in der Wiese vor der Abfertigungsbaracke machen nicht im Entferntesten den Eindruck, dass hier internationale Flüge abgewickelt werden. Der Flug mit JetSmart verlief dann ähnlich nervenaufreibend, 2 Std. später als geplant, mit einer unerklärlichen Ehrenrunde in Ameisenkniehöhe über Buenos Aires und die Zeit um den Anschlussflug nach Calama zu erreichen schmolz dahin. Noch über Argentinien nimmt der Pilot den Schub raus und scheint geradewegs in die Anden zu tauchen, aber Chile ist ja auch sehr schmal…
Und in Santiago läuft dann alles wie am Schnürchen: Fieber messen (!), zack vorne in der Schlange an der Immigration anstellen, das Gepäck ist schon auf dem Band als wir kommen, beim Zoll den Sonderschalter für die Crews genommen und locker sind wir rechtzeitig am Check-In für den Weiterflug nach Calama, der in die untergehende, blutrote Sonne startet – wie romantisch!
Die Free Walking Tour durch Buenos Aires ist echt anstrengend, 3 Stunden und viele Kilometer durch die Stadt mit Martin, der uns in dieser Zeit eine Druckbetankung zur Geschichte Argentiniens verpasst. Nach der letzten Station, dem Friedhof La Recoleta, bleiben wir erschöpft auf einer Bank nahe dem Grabmal von Evita Peron sitzen. Nur am Abend gehen wir noch zu der Tango-Show für die wir schon die Karten gekauft hatten.
Das Teatro Colon hat leider Ferien, aber eine geführte Besichtigung ist möglich, sofern man eine der begehrten Karten dafür bekommt. Wir haben Glück und sind in der einzigen englischen Führung des Tages dabei. Der Bau, dessen Errichtung 18 Jahre gedauert hat, fasst 2800 Zuschauer in vielen Rängen und soll über eine spektakulär gute Akustik verfügen – man könnte sagen, die Elbphilharmonie von Buenos Aires zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Bau ist eklektizistisch, also eine Mischung unterschiedlicher Baustile und teuerster, importierter Materialien, mit dem einen Ziel, zu demonstrieren, dass Buenos Aires es mit allen Opernhäusern der alten Welt aufnehmen kann.
El Ateneo ist ein ehemaliges Theater, welches mit viel Gefühl zu einem wahren Büchertempel umgebaut wurde. Es gehört wohl zu den ‚must see‘ aller Reisegruppen, jedenfalls scheint kaum einer ein Buch zu kaufen.
Aus dem ehemaligen Arbeiterviertel La Boca wurde ein Künstlerquartier mit zahlreichen bunten Balkonfiguren und bemalten Hauswänden, allerdings hat das Geschäft mit dem Touristen-Ramsch die Oberhand gewonnen. Aber es gibt auch ein bemerkenswertes Museum in der ehemaligen Wohnung und den Ateliers des Malers Benito Quinquela Martin, dessen beliebtestes Motiv das Abwracken von Schiffen im Hafen schien.
Die Taxifahrt in das angesagten Kneipenviertel Palermo endet jäh, als dem Auto der Sprit ausgeht. Zum Glück gibt es viele Taxis in Buenos Aires, der Umstieg dauerte keine Minute! Palermo ist nicht nur für seine Kneipen bekannt, sondern besonders für die zahlreichen z.T. ganze Hauswände füllende Malereien und Graffitis. Im Cafe machen wir einen Plan, nach Vorschlag einer selbstgeführten Tour aus dem Netz, verlaufen uns aber mehrfach um 180° und landen schließlich in einer Eisdiele in einem Hinterhof mit großem Ficusbaum und einladenenden Gartensesseln. Auf dem weiteren Weg finden wir dann doch einige der Wandmalereien, Alleen mit uralten, riesigen Platanen und ein paar schräge Kneipen.
In Buenos Aires ist jedes Restaurant eine Art Steak-House. In den Schaufenstern der größeren Restaurants drehen sich halbe Tiere über einem großen Holzfeuer, dazu Bündel von Würsten, Rollbraten, etc.
Die Speisekarten haben aber auch eine kleine Salate-Rubrik und man kann sich die Zutaten seines Salats aus einer Liste zusammenstellen. Bei den Hauptgerichten ist jedoch Vorsicht geboten: Gibt es von einem Gericht halbe und ganze Portionen, empfiehlt es sich, die halbe Portion ‚para compartir‘ zu bestellen und den nicht geschafften Rest einpacken zu lassen! Eine ganze Portion reicht locker für 4 Amerikaner…. Oft werden die Fleischgerichte auch als Vorspeisen angeboten, wenn wir eine solche bestellen und aufteilen, passt die Fleischmenge ganz gut zum satt werden, wenn wir dazu noch eine (!) Portion Beilage, z.B. Kartoffelbrei bestellen. Das eingepackte Essen kann man nach wenigen Metern dem nächstbesten Obdachlosen auf der Straße schenken. Bei einer Inflation von über 50% im Jahr steigt die Zahl der Mittellosen sprunghaft an. Das bemerkt man auch an den vielen ‚Arbolitos‘, die auf offener Straße den schwarzen Tausch von Dollar und Euro ausrufen. Pro Monat darf ein Argentinier max. 200 US$ erwerben, weshalb der Schwarzmarkt-Kurs 30% höher als der amtliche ist.
Der Anflug in der Abendsonne auf den kleinen Stadtflughafen offenbart die riesige Ausdehnung der Stadt. Beim Aussteigen über die Gangway – Sommer! Solch angenehme Temperaturen hatten wir schon wochenlang nicht mehr.
Unser Appartement, im 7. Stock eines Altbaus, liegt mitten im touristischen Zentrum der Stadt. Besonders sehenswert ist der Aufzug, der noch original sein muss, mit Scherengitter-Türen und bedächtigem Tempo.
Schon in unserer Straße fällt auf, dass mehr als die Hälfte aller Geschäfte heruntergelassene Rollläden haben und auch nicht später am Tag öffnen. Wie von einem Virus scheint in der Stadt das Geschäftsleben befallen, ganze Häuser stehen leer und zum Verkauf. Ein Teil der geschlossenen Geschäfte entpuppt sich am nächsten Tag als Folge des amtlichen Karneval-Feiertags, obwohl wir solchen in Buenos Aires nirgends bemerken können.
Wir machen einen ganztägigen Stadtrundgang zum Plaza de Mayo mit dem rosafarbenen Präsidentenpalast, dem ehemaligen Hafen Puerto Madero mit der drehbaren Hängebrücke ‚Ponte de la Mujer‘ von Calatrava und anschließend in das Viertel San Telmo. Ein kleiner Platz ist wie ein Flohmarkt voll mit ‚Antiquitäten‘ Ständen und Cafetischen, in der Mitte zwei improvisierte Tanzflächen. Abwechselnd starten verschiedene Tanzpaare ihre Brüllwürfel und zeigen ihr Können im Tango. Trotzdem haben wir das Gefühl, dass die eigentlichen Herrscher des Terrains die Tauben sind und verlassen den Ort – beschissen. Am Abend haben wir dafür mal wieder Glück, denn das Palacio Barolo, ein 100 Jahre altes Hochhaus hat nur an einem Tag in der Woche für Besichtigungen geöffnet und wir ergattern die letzten beiden Plätze der Führung. In einer netten Gruppe, hauptsächlich brasilianischer Touristen, werden wir in die höchsten und noblen Etagen des Baus gelassen, und noch weiter hinauf zu einer winzigen Glaskuppel, in der nachts ein Leuchtfeuer (von OSRAM) dreht. Die ganze Architektur ist eine Hommage an Dante Alighieri’s Göttliche Komödie und bietet einen wundervollen Blick auf die Stadt in der untergehenden Sonne.
Fitzroy und Cerro Torres 2 Tage ungeschützt der Sonne ausgesetzt
So wie das Internet gestern, war heute das Wetter gestört. Anstatt Nebel und Regen, gab es versehentlich gar kein Wetter, d.h. ungefilterten Sonnenschein, außerdem wurde vergessen die Wind-App zu starten und dementsprechend spielte auch die Temperatur verrückt. Diese landestypische Panne haben wir genutzt für ausgedehnte Wanderungen zum Fuße des 3400 m hohen, die Szenerie beherrschenden Fitzroy und tags darauf zum Cerro Torre, einer spektakulären Granitnadel, die 3100 m in den Himmel ragt. El Chalten ist ein Dorf, mit perfekt auf Wanderer abgestimmter Infrastruktur und dem großen Vorteil, dass alle Wanderungen direkt im Dorf beginnen, man braucht also kein Tourenveranstalter, Auto, Bus, etc. sondern geht einfach los auf die bestens ausgeschilderten Wanderwege des Nationalparks Los Glaciares. So noch nicht erlebt haben wir auch die Ansage der Parkrangerin, dass man kein Wasser auf die Wanderung mitnehmen müsse, sämtliche Fließgewässer seien bedenkenlos zum Trinken geeignet (sofern man das Wasser einige Zeit in der Sonne von den gefühlten Eiswürfeln befreit)
Der Wanderweg zum letzten Aussichtspunkt auf den Fitzroy, bevor das hochalpine Gelände beginnt, ist 12 km lang und geht 800 m nach oben. Aber der Weg durch diesen unberührten Nationalpark ist jede Mühe wert, das fanden übrigens viele andere auch. Leider muss man dann auch alles wieder zurück laufen bis man sich erschöpft, mit wunden Füßen, in einer der Bierbars mit lokal Gebrautem aus El Chalten in die letzten Sonnenstrahlen setzen kann.
Pumafutter
Der Weg zum Cerro Torre ist weniger beschwerlich, aber fast genauso lang. Hat man das Ziel auf der Endmuräne endlich erreicht, gibt es als besonderes Schmankerl in dem See am Fuße des Torre-Gletschers zahlreiche Eisberge zu bestaunen. Im Lauf des Tage kam das Wetter wieder in Gang und produzierte genug Wolken, um den Cerro Torre wieder zu verschleiern. Unter Bergsteigern gilt er als einer der schwierigsten Berge der Welt. Diese beiden Wanderungen gehören zu den absoluten Highlights in Patagonien!
Nun ist aber gut mit Patagonien. Das nächste Ziel auf dem Weg in die Atacama Wüste ist Buenos Aires – das liegt zwar nicht gerade am Weg, wenn wir aber nicht eine Woche im Bus verbringen wollen, kommen wir nur über Buenos Aires wieder nach Chile. Und es soll durchaus einen Besuch lohnen, mal sehn…
Das eigentliche Ziel aller Besucher von El Calafate ist der Gletscher Perito Moreno. Seine Berühmtheit erlangte er von dem seltenen Naturschauspiel, indem er mit seiner schnell vordringenden Eisfront (2m/Tag) einen Arm des Lago Argentino an einer Engstelle verstopfen kann. Unter dem Druck des sich anstauenden Wassers bricht irgendwann der Gletscher mit Getöse und einer großen Flutwelle auseinander. Aber auch ohne dieses Spektakel life zu erleben (das passiert unregelmäßig alle paar Jahre) ist dieser Gletscher eine absolute Ausnahmeerscheinung. Mit senkrechten, fast glatten Wänden, die bis zu 70 m hoch sind (und über 150 m in die Tiefe des Sees reichen) in blendendem Weiß kontrastiert er mit dem Braun und Grün der umliegenden Berghänge und dem Türkis des Sees. Alle paar Minuten kracht es irgendwo auf der kilometerlangen Eisfront und oft fallen große Brocken mit Getöse ins Wasser. Mit einem Boot fahren wir auf den See hinaus und haben eine Stunde Zeit, das Kalben zu beobachten – aber natürlich nicht so exklusiv wie auf der Skorpios, dafür aber bei strahlendem Sonnenschein, indem so ein Gletscher auch eine gute Figur macht. Der Perito Moreno ist ca. 30 km lang und man sieht die Berge um die herum er sich in Richtung des Sees wälzt und ahnt die Mächtigkeit des Campo Hielo del Sur, der ihn speist. Auf einem Hügel nahe der Gletscherkante sind kilometerlange Blechgitter-Wege angelegt, mit zahlreichen Aussichtspunkten, für die wir nochmal 2 Stunden Zeit haben, bevor der Bus wieder zurück nach El Calafate fährt, entlang des Lago Argentino, dem größten See Argentiniens.
Im Sommer ist es oft stürmisch hier, bis zu 150 km/h kann der Föhn blasen und die Zeichen dieses Wetterphänomens sind hier wie aus dem Lehrbuch: Die Föhnmauer entlang der Berggipfel und die Föhnwelle angezeigt von den seltenen Wolken Altostratus Lenticularis.
Mit dem Bus sind wir über die grüne bzw. braune Grenze nach Argentinien eingereist. Nur wenige Kilometer hinter Puerto Natales zweigt ein Feldweg links von der Straße ab, an dessen Beginn eine Hütte mit Schranke steht, der chilenische Grenzposten. Die Formalitäten waren für die wenigen Buspassagiere schnell erledigt und dann ging es ganz behutsam weiter über die Schlaglochpiste bis nach ein paar Kilometern ein ähnlicher Bau hinter der argentinischen Grenze auftauchte. Der weite(re) Weg über 250 Km nach El Calafate verlief, jetzt asphaltiert, durch eine unglaubliche Ödnis mit Weidezäunen bis zum Horizont, hinter und vor denen nichts anderes als Guanacos und Nandus weideten. Das braune Gras wurde von dem Sturm flach gepresst und die wenigen Bäche verloren ihr Wasser in den Wind. Ein paar Radfahrer begegneten uns, die mit dem Wind radelten; der einzige der gegen den Wind unterwegs war schob – unklar wie weit er an diesem Tag noch kommen würde, jedenfalls nicht in eine der wenigen traurigen Ansiedlungen, die sich hier verlieren.
El Calafate liegt am türkis leuchtenden Lago Argentino und ist eine quirlige Kleinstadt, Ausgangspunkt für Ausflüge zur argentinischen Seite des Campo Hielo del Sur mit dem berühmten Gletscher Perito Moreno.
Aus unserem Hotelzimmer auf den Lago Argentino
In El Calafate, etwas außerhalb auf einer Anhöhe mit traumhaften Blick, gibt es noch ein Glaciarium mit vielen Informationen rund um die Gletscher und insbesondere Filmaufnahmen vom Einsturz der Eisbrücke des Perito Moreno Gletschers. Am Ufer des Sees liegt ein Schutzgebiet mit einer Menge verschiedener Vögel und den berühmten, stacheligen Calafate Sträuchern, die jetzt voller leckerer, Blaubeer-ähnlichen, sehr süßen Beeren hängen (die meist in Eis, Marmelade oder Kuchen landen)
Der Capitan Luis auf der Skorpios III gab sich die Ehre und uns ein Gala-Diner. Wolf, aus Perth, hat seinen 75. Geburtstag gefeiert und saß auch noch an unserem Tisch – da haben wir dann ein gemeinsames Geburtstagsständchen aller Passagiere bekommen. Das Essen war super lecker und nachdem alle propesatt waren, wurden die Buffettische weggeräumt und der Speisesaal in eine Tanzfläche verwandelt. Bis um Mitternacht wurde getanzt, besonders eifrig und gekonnt natürlich die Chilenen und Mexikaner.
Die Kreuzfahrt mit dem Expeditionsschiff Skorpios III zu den Gletschern des Campo Hielo del Sur.
‚Wir hätten erschossen gehört‘, wenn wir uns dieses Abenteuer nicht gegönnt hätten. Zuerst war Susi erschrocken, wie klein das Schiff ist. Aber es hatte genau die richtige Größe für diese Fahrt, groß genug, um ruhig im Wasser zu liegen und sich nahe an die Gletscher heran wagen zu können, aber klein genug um in den engen Fjorden Patagoniens zu manövrieren. Mit nur 53 Passagieren war das Schiff halb voll und daher überall viel Platz, keine Wartezeiten und die 34 Mann Besatzung haben uns auf das vortrefflichste betreut und verköstigt. Jeder Superlativ ist da gerechtfertigt. Wir hatten eine ungemein großzügige Kabine mit drei Fenstern und 4 Betten, schön warm und gemütlich, zentral gelegen und mit einem perfekten Bad. Jederzeit konnten wir auch den Kapitän auf der Brücke besuchen sowie in 2 Bars frisch flambierten Irish Coffee, Pisco Sour, heiße Schokolade, etc. nachtanken.
Capitan Luis
Die Landschaft rund um das Campo Hielo mit den verwinkelten Fjorden und die zahlreichen gigantischen Gletscher (nach der Antarktis und Grönland das drittgrößte Eisfeld der Welt), die wir besucht haben, waren (zumindest für mich) der bisherige Höhepunkt der Weltreise. Die Bilder zeigen den Amalia Gletscher, der mit einer 2 Kilometer breiten Eiswand in den Fjord mündet. Ständig kracht es irgendwo und es fallen gewaltige Brocken ins Meer, die oft große, aber flache Wellen aussenden. Der Gletscher mit seinen unzähligen Formen, Figuren, Farben und seiner absoluten Reinheit hat uns gefesselt, derartige Abgeschiedenheit und Unberührtheit haben wir so noch nicht erlebt.
Das Wetter war erst wechselhaft, dann hat es meistens geregnet, nur während des Mittagessens schien regelmäßig die Sonne. Aber erstaunlicherweise hatte das keinen Einfluss auf das Programm und das Erlebte, denn im Schiff war es immer warm und trocken. Aber hier kamen tatsächlich alle unsere warmen und wasserdichten Sachen gleichzeitig zum Einsatz. Außerdem besteht Patagonien sowieso zu 90% aus Wasser, da war die neblig trübe Stimmung sehr authentisch und ließ die Gletscher noch mehr wie aus einer versunkenen eiszeitlichen Welt erscheinen.
Die Skorpios hat einige kleinere Boote mit Außenbordern am Heck gelagert, die für die insgesamt 6 Ausflüge und Landgänge mit einem Kran zu Wasser gelassen werden. Alle Passagiere bekommen eine Schwimmweste vor dem Ausstieg, dann geht die Fahrt in die Buchten durch die schwimmenden Eisbrocken dichter heran an die Gletscher oder zu den vorbereiteten Ausstiegsstellen.
Einer der Fjorde war für die Skorpios zu flach, da lag dann, in einer Bucht gut versteckt, der kleine Eisbrecher Capitan Constantino bereit, mit dem wir dann durch eine Brühe aus Eisbrocken und -bergen dicht an die Abbruchkante der Gletscher bugsiert wurden. Zur Krönung wurde ein Whiskey 12/30000 serviert (12 Jahre der Scotch, 30000 das Eis).
Den Gletscher Alsina haben wir auf einem Landgang nach einem kurzen Spazierweg über die Muräne aus nächster Nähe besucht. Die vom Gletscher transportierten Steine hatten unglaublich farbige Mineralien eingeschlossen
Die Besatzung war sehr umsichtig mit den (zum Teil schon sehr betagten) Passagieren und belegte z.B. glatte Felsen mit Gummimatten. Weniger fürsorglich erschien uns der Umgang mit dem Schiff, das der Kapitän scheinbar mehrfach ‚in den Sand gesetzt hat‘, jedenfalls so dicht ans Ufer, dass man Sorge hatte, es könnte stecken bleiben. Aber der Kapitän ist zusammen mit seinen 6 Geschwistern Eigentümer des Schiffs, geerbt von seinem Vater, der es 1995 hat bauen lassen. Der Großvater kam aus Griechenland und hat Skorpios gegründet, eine faszinierende Geschichte, die im Speisesaal in Bildern lebendig gehalten wird und heute eine Aura liebevoller, familiärer Fürsorge über das Schiff legt. Jorge, der schon etwas vergesslich, aber überaus herzlich serviert hat und der lustige Schiffsclown und Übersetzer Armando werden uns besonders in Erinnerung bleiben.
1.300 L Diesel /100Km
Was für ein Geschenk, dass wir für diese Kreuzfahrt drei Tage vorher noch dieses Last Minute Ticket bekommen haben!
Am zweiten Tag wollten wir eine 8 stündige Wanderung in die Berge dicht an die Torres unternehmen, aber die zweifelhaften Wetteraussichten haben uns umgestimmt und so sind wir zu der Laguna Grey gefahren, in die der Grey Gletscher mündet. Die Landschaft hier ist völlig anders als auf der anderen Seite des Paine Massivs. Hier wachsen dichte Wälder (sofern sie nicht einem Waldbrand zum Opfer gefallen sind) und die zahlreichen Seen und Flüsse erinnern eher an die Rocky Mountains. Auch hier: Vollkommen unberührte Natur soweit das Auge reicht. Am Ende der einsamen Schotterstrecke deutet aber ein voll besetzter Parkplatz an, dass hier eine Attraktion sein muss. Jenseits einer schwächelnden Hängebrücke gelangt man über eine große Schotterebene an das Ufer des Sees, auf dem etliche krass blaue Eisberge in der trüben Brühe gestrandet sind. Der Sturm treibt uns über den Schotter voran in Richtung einer felsigen Insel, auf der ein Rundweg zu einem Aussichtspunkt auf den noch 14 Km entfernten Gray-Gletscher führt. Auf dem Wanderpfad durch dichtes Strauchwerk und niedrige Südbuchen kommen wir an eine kleine Brücke über einen versumpften Tümpel, als es Susi schlagartig die Sprache so verschlägt, dass sie sich nur noch festhalten kann und ‚Puma‘ japst. Es ist wie im Zoo, wenn plötzlich die Scheibe weg wäre, das sind keine 5 Meter mehr und er ist ziemlich groß. Leider hält er nicht lange still für das Portraitfoto sondern streicht ein wenig durch die Büsche, bis er feststellt, dass der Wanderweg doch bequemer zu begehen ist, wählt dabei aber die – aus unserer Sicht – falsche Richtung und es wird nur Sekunden dauern, bis er um die Kurve kommt und direkt vor uns steht. Mit einem beherzten ‚Hey‘ trollt er sich aber zum Glück wieder in die Büsche, abseits vom Weg. Ein doppeltes Glück: Puma gesehen und noch am Leben! Der später befragte Parkranger zuckt nur mit den Achseln, ja die gibt’s hier schon…
Nach kurzer Kaffeepause fahren wir weiter um den Gebirgsstock des Cerro del Paine, der eine sehr fotogene Schichtung aus rötlichem Granit und darüber liegenden schwarzen Sedimenten aufweist. Ein kurzer Marsch führt zu einem tosenden Wasserfall des Paine Fluss (100 m³/s) und auf der weiteren Fahrt kommen wir noch an vielen malerischen Seen, mit Enten, Gänsen und Flamingos vorbei. Rätselhaft, was sie in dieser kalten, milchigen Brühe zum Fressen finden.
Auf der Rückfahrt durch die Pampa und Schafsweiden sehen wir heute zahlreiche Darwin-Nandus, wo haben die sich gestern versteckt? Auch die lassen sich von den Gaffern nicht beirren und fressen am Straßenrand von den staubigen Pflanzen.
In diesen zwei faszinierenden Tagen im Torres del Paine Nationalpark sind wir 550 Km gefahren, man sieht hier nicht nur weit, es ist auch weit!