Okayama und Himeji

Beide Städte sind bekannt durch ihre Burgen aus dem 16. Jahrhundert und ihre Gärten. In Okayama geht es viel beschaulicher zu als z.B. in Hiroshima. Öffentliche Grünflächen sind aber auch hier rar. Die eigentlich wunderschöne Landschaft mit zahlreichen dicht bewaldeten Hügeln und Bergen, die sich aus einer Ebene steil erheben ist großflächig verunstaltet. Man kann wirklich von einem Häusermeer sprechen, als wäre alles eine große Wasserfläche mit schönen Inseln, in der aber unendlich viele und ausgesprochen hässliche Häuser schwimmen.

Himeji, Blick von der Burg

Nur die kleiner Stadt Kurashiki in der Nähe von Okayama macht hier eine Ausnahme, es gibt ein Viertel mit alten und wirklich hübschen Holzhäusern mit einem Kanal und ein paar Bäumen. Trotzdem gibt es weder am Wasser noch sonst Sitzgelegenheiten oder ein Cafe. Man muss akzeptieren und sich abfinden damit, dass die Japaner das ‚draußen sein‘ nicht ausstehen können und es nur ganz wenige westliche Touristen gibt, die da dagegen halten würden. So ist jedes Lokal, ja sogar die dünnwändigen Teehäuser, klimatisiert und oft fensterlos. Besonders Japanerinnen vermeiden jeglichen Kontakt mit Sonnenschein, mit armlangen weißen Handschuhen, Sonnenschirm oder Hut. Ansonsten laufen sie in langen Kleidern und Hosen herum, völlig anders designed als bei uns, aber oft sehr chic. Es gibt aber auch Kleidungsstücke, die eher eine Melange aus kariertem Sack und Bademantel sind – für die nicht mehr ganz jungen Frauen.

Die Burg in Okayama ist ganz nett, wird aber von der in Himeji deutlich in den Schatten gestellt. Wir sind auf der Durchreise nach Kyoto hier ausgestiegen , haben die Rücksäcke in ein Schließfach gepresst und sind zur Burg gelaufen, die nicht weit vom Bahnhof über der Stadt thront. Das Bauwerk ist auf einem Sockel aus mächtigen Steinen vollständig aus Holz errichtet, obwohl 6 Stockwerke hoch. Es wird zentral von zwei mächtigen Baumstämmen gestützt und ist mit einer großen Zahl wuchtiger Balken gebaut, die jedweden Angriff in dieser Zeit standgehalten haben – sogar den 2. Weltkrieg hat die Burg unbeschadet überstanden, aber das war eher Glück, denn der Rest der Stadt wurde ziemlich vollständig zerbombt.

Impressionen aus dem Garten Kuko-en mit Teehaus in Himeji

Einkaufen

Man muss sagen, es gibt auch einiges was nervt. Gut, man kann nicht erwarten, dass die Japaner ihr kunstvolles Gekritzel durch schnöde Buchstaben ersetzen, aber dass Google Translator dabei so vollständig, umfassend, total versagt, die Zeichen zu übersetzen, ist schon überraschend – offenbar ist das Japanische der künstlichen Intelligenz eine Nummer zu groß. Das Problem dabei: Es gibt NICHTS zu kaufen, was nicht bis zur Unkenntlichkeit in mehrere Lagen Plastik eingeschweißt, gewickelt, gefaltet und geklebt ist. Der Inhalt bleibt also dem Leseunkundigen im wahrsten Sinne des Wortes verschlossen. Immerhin gibt es vereinzelt Bananen, Äpfel und Trauben in transparentem Plastik, die kosten dafür aber pro Stück soviel wie bei uns das Kilo. Ein völliges Rätsel bleibt dagegen die Sauberkeit der Straßen und Plätze angesichts dieser Verpackungsorgie und der gleichzeitigen Abwesenheit jeglicher Mülleimer im öffentlichen Raum.

Das absolute Highlight zum Thema Verpackung sind die sehr beliebten und überall erhältlichen Reis-Dreiecks-Snacks (Onigiri). In einer Handvoll Reis befindet sich ein wenig Fisch, Seetang, oder gänzlich undefinierbare Geschmackszutat, eingewickelt in ein Nori-Blatt. Trotz des meist fischigen Inhalts liegt das Haltbarkeitsdatum 4 Jahre in der Zukunft. Völlig ungenießbar für die Japaner wäre es aber schon nach einem Tag, würde sich das knusprige Nori-Blatt mit der Feuchtigkeit des Reisbällchens vollsaugen. Die einzige Lösung liegt in der Vollendung der Verpackungstechnik, die es (wenn man den Aufreissfaden korrekt nutzt) mühelos erlaubt, die Umverpackung gleichzeitig mit der Folie die zwischen Nori-Blatt und Reis liegt in einem Zug wie ein inverses Origami auseinander zu ziehen. Dann bleibt nichts an den Fingern kleben und die Gaumenfreuden werden nur noch von der Bewunderung japanischer Verpackungskünstler getoppt.

Hiroshima und Miyajima

Natürlich haben wir Hiroshima besucht, weil hier die erste nukleare Bombe zur Vernichtung einer Stadt abgeworfen wurde. Dieses Ereignis ist nach über 70 Jahren durch die ikonografische Ruine der ehemaligen Handelskammer sowie die Gedenkstätten und das Friedensmuseum bedrückend spürbar. Es scheint für Japan insgesamt das zentrale Element der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu sein. Der Friedenspark mit seinen Mahnmalen wird nicht nur von Touristen, sondern besonders von zahlreichen Schulklassen täglich besucht. Das Andenken an die 140.000 unmittelbaren Opfer in Hiroshima steht dabei im Vordergrund und ist stark verbunden mit dem Appell zum Frieden und zur nuklearer Abrüstung. Kaum ein Thema ist indes die Frage, welche Schuld japanische Politik und Militärs an dieser Apokalypse tragen. Im Friedensmuseum sind eine Vielzahl von einzelnen Schicksalen nachgezeichnet und mit unsäglichen Bildern und Exponaten verknüpft. Die perfide Taktik war, die Stadt von konventionellen Luftangriffen zu verschonen um eine präzisere Auswertung der Explosionswirkung zu erhalten. Die Bevölkerung war vollständig ahnungslos, da es keinerlei Warnung gegeben hatte, auch dies, um den Schrecken zu potenzieren. Ob die Opfer von Hiroshima und Nagasaki letztlich dazu beigetragen haben, dass die Atommächte eine Eskalation militärischer Gewalt mit nuklearen Sprengkörpern bisher vermieden haben?

Miyajima

ist eine bergige, vollständig bewaldete und von mehr zahmen Rehen als Menschen bevölkerte Insel in der Bucht von Hiroshima. Außerdem gibt es zahlreiche, tödlich giftige, Japan-Vipern – auf den Warnschildern. Die höchste Erhebung ist der Berg Misen mit 535 m, den man auf drei verschiedenen Wegen sowie mit einer Seilbahn erreichen kann. Wir sind, typisch deutsch, gelaufen und leiden ob der 2000 Stufen auf dem Weg runter an einen leichten Muskelkater ;-). Auf der Insel gibt es mehrere berühmte Schreine. Leider war eines der Wahrzeichen Japans, das Tor Itsukushima, wegen Renovierung verhüllt, trotzdem ist diese Insel ein bezaubernder Ort und wird zu den drei schönsten Landschaften Japans gezählt.

Der Daishoin Tempel, ein entrückter Ort im Wald.

Der Herbst beginnt und vereinzelt, noch zaghaft, zeigt sich die bezaubernde Laubfärbung der japanischen Ahornbäume, die so winzige Blätter haben, als wären sie allesamt Bonsai-Kunstwerke. In Japan fällt ja vieles aus Platzmangel zwei Nummern kleiner aus als bei uns, Zimmer, Autos, Japaner, …

Kein Ahorn, aber dafür schon jetzt zur Jahreszeit passend farblich gestaltet

Das 10 Gänge Menü im Ryokan Yudanaka Yasuragi

In manchen Ryokans gibt es (optional) ein Abendessen, welches die Hausfrau selber zubereitet. Hier haben wir eine völlig unbekannte drei Sterne Köchin entdeckt. Serviert wurde in einem Raum mit einem niedrigen Tisch und zwei beinlosen Stühlen, also eigentlich nur einer Rückenlehne mit dünnen Kissen. Die Gastgeberin klopft an und öffnet die Schiebetür aus Reispapier, verbeugt sich tief um dann auf Knien herbeizurutschen um den nächsten Gang aufzutragen, zu erklären und sich wieder mit wortreichem Gemurmel zu verabschieden. Die einzelnen Gerichte sind in hübschen Schüsselchen oder speziellen Gefäßen dekoriert. Manches ist – obwohl vorzüglich – nicht zu identifizieren, wildes Berggemüse, Quallenstreifen (?) … Nach vier Gängen sind wir der Meinung: Nu is aber gut, man wäre jetzt eigentlich satt. Die Rechnung war aber ohne die Wirtin gemacht, die jetzt erst so richtig aufdreht. Mit einem Stövchen wird der 7. Gang auf dem Tisch gegart, zarte Rindfleischstreifen mit diversen Beigaben. Den 8. und 9. Gang zwingen wir uns unter Höflichkeitsfloskeln auch noch hinunter, der 10. Gang, das Obst kommt mit auf’s Zimmer. Eigentlich hätten wir eine Sänfte für den Weg ins Bett benötigt.

Die Bade-Affen in Yudanaka

In den japanischen Alpen leben wilde Makakken, außerdem gibt es zahlreiche heiße Quellen – was liegt also näher als sich im Winter in dem warmen Wasser aufzuwärmen. Im Herbst allerdings sind die Affen nicht so blöd wie die Menschen, sich in die heiße Brühe zu legen, sie kommen aber trotzdem gerne, da sie die, von den Mitarbeitern des ‚Parks‘ ausgestreuten Reiskörner schätzen und sorgsam Korn für Korn (beidhändig gleich geschickt) als Snack verputzen. Es sind bestimmt über 100 Affen zugegen, allesamt selten entspannt, die Besucher kaum zur Kenntnis nehmend. Die Menschen werden gebeten, einen Meter Abstand zu den Affen zu wahren, die Affen werden umgekehrt darum nicht gebeten… Es ist ein wildes Treiben, besonders die Kleinen balgen sich unentwegt zu zweit, zu dritt, zu viert, ein ganzes Knäuel Affenbabies – wenn sie nicht gerade von der Mutter gelaust und gesäugt werden. Überhaupt sind alle ständig mit der gegenseitigen Fellpflege beschäftigt, das wohlige Gefühl derer, die gerade behandelt werden, ist ihnen ins Gesicht geschrieben.

Da laust mich doch der Affe

Über das Bahnfliegen in Japan

ist ja schon viel gesagt und geschrieben worden, aber es selbst zu erleben, ist doch noch einmal was ganz anderes. Bei > 310 km/h möchte ich mich gerne anschnallen, gibt aber keinen Gurt. Die Ruhe bei dem Tempo ist beeindruckend, den Gegenzug oder die Einfahrt in einen Tunnel spürt man fast nicht.

Video-Schnipsel einer Shinkansen-Fahrt

Alle Züge, von den SuperExpress Shinkansen bis zu den Vorort-Zügen und U-Bahnen, müssen wohl von einer zentralen Atomuhr millisekunden- und millimeter-genau gesteuert werden. Verbunden mit der sprichwörtlichen Disziplin der Fahrgäste scheint es niemals Verspätungen oder gar Ausfälle zu geben. Es gibt ein paar Indizien wie das möglich gemacht wird:

  • Alle Shinkansen Linien fahren auf aufgestelzten Trassen auf die niemals ein Baum fällt oder ein anderer Zug im Weg sein könnte (was allerdings sehr auf Kosten der Ästhetik geht, das liegt den Japanern beim Bauen aber generell nicht sehr am Herzen)
  • Die Bahnhöfe sind 4-gleisig, so dass Express Züge mit vollem Tempo auf den mittleren Gleisen durchbrausen, währen die ’normalen‘ Linien an den Bahnsteigen halten.
  • Die Züge fahren so oft, dass niemand gehetzt und in letzter Sekunde die Tür blockiert, weil die Oma noch gerannt kommt. Man wartet einfach ein paar Minuten und nimmt den nächsten.
  • Jeder hat seine Platzkarte mit der Wagennummer, an der Bahnsteigkante sind die Wagennummer notiert und Wartezonen pro Tür aufgemalt. Jeder stellt sich so hin, dass es beim Einsteigen kein Gedrängel gibt – in 60 Sekunden längstens sind alle draußen und die anderen drin.
  • Die Züge fahren immer vom gleichen Gleis, es gibt keine Verwirrung wo was lang geht (außer dem Linksverkehr…)

Pünktlichkeit ist in Japan anders definiert als bei der Deutschen Bahn (< 6 Minuten Verspätung = pünktlich), das halten < 80% der Züge ein. Beim Shinkansen halten im Schnitt 100% der Züge eine Pünktlichkeit < 60 Sekunden ein (Naturkatastrophen ausgenommen).

Wir haben übrigens einen Japan Rail Pass für drei Wochen (500€), mit dem man das gesamte Netz* der japanischen Staatsbahn befahren darf und kostenlos Plätze im Shinkansen reservieren kann, bei überaus freundlichen Mitarbeitern an den Ticket-Schaltern (die reichlich vorhanden und vollständig besetzt sind). Armes Deutschland, du Service Wüste!

* Nachtrag: Im Westen von Japan gilt der JR Pass nicht für die Nozomi Züge, das wäre ja weiter kein Problem, wenn nicht 9 von 10 Zügen Nozomi Züge sind…. Die fahren z.B. zwischen Osaka und Tokio etwa alle 10 Minuten, die anderen etwa stündlich. Man hat sich halt an das ‚S-Bahn Gefühl‘ gewöhnt und ist jetzt enttäuscht, wenn man länger als eine 1/4 Stunde warten muss.

Matsushima

Dieser Ort am Meer ist berühmt für seine 253 Inseln, die meisten mit Kiefern bewachsen. Viele japanische Touristen kommen hier her. Es gibt neben den Inseln einige schöne Schreine, inmitten von Zen-Gärten gelegen zu besichtigen.

Der Ort selber hat eher eine Industriegebiet-Atmosphäre, aber einen spannenden Fischmarkt und einige Restaurants mit lokalen Spezialitäten, insbesondere große Austern, die hier gerne gegrillt serviert werden. In den Fischmarkt integriert ist eine Sushi Küche, die auf Bestellung – perfekt organisiert – sehr attraktive Variationen hervorzaubert, die aber in einer eher schlichten Fast-Food Umgebung verzehrt werden.

Eindrücke:

  • Auf dem Schiff ist selbst das Tau so sauber dass man sich mit der weißen Hose drauf setzen könnte
  • Wir haben großen Spaß mit unseren Vermietern, einem älteren Ehepaar mit 2 Pudeln, mit Google Sprache. Wir kriegen die Wäsche umsonst gewaschen.
  • Das Mittagessen wird am Automaten mit Bildchen gewählt und bezahlt, dann aber in der Küche zubereitet und serviert

Nikko

Nikko liegt zwei Stunden Zugfahrt nördlich von Tokio am Fuß der Berge und ist umgeben von Wäldern mit Ahorn und japanischen Zedern. Nikko ist berühmt für seine Schreine. Der Toshogu Schrein aus dem 17 Jh. ist der berühmteste und wurde zu Ehren des Shoguns Tokugawa Ieyasu (1542-1616) erbaut und besteht aus vielen einzelnen Tempeln. Er ist umgeben von einem majestätischen Zedernwald mit über 300 Jahre alten Baumriesen.

Kurz vor Schließung in der Abendsonne waren die Touristenscharen schon wieder in ihren Bussen auf dem Heimweg und wir genießen die Ruhe an diesem märchenhaften Ort
Unter strenger Beobachtung, dass wir alle Regeln einhalten.

In Nikko gibt es eine der drei schönsten Brücken Japans

und an einem Fluss eine Allee aus steinernen Mönchen, den Jizo, die den Weg zur Erleuchtung zeigen sollen

Tokio

Die ersten zwei Tage waren wir in Tokio, außer jet lag haben wir noch erlebt:

Ryokan mit Onsen Wir haben in der Nähe des berühmten Asakusa Schreins in einem Ryokan gewohnt, ein typisch japanisches Hotel mit wenig Platz aber stilvoll eingerichtet mit Futonbetten auf Tatami-Matten, einer all in one Nasszelle, aus der man rückwärts wieder raus muss, weil kein Platz zum Umdrehen ist. Dafür gibt es in jedem Ryokan einen Onsen, eine Art große Gemeinschafts-Badewanne (aber strikt getrennt nach Männlein und Weiblein!). Hier war der Onsen im Dachgeschoß mit Blick auf den Sky-Tree oder die Pagode des Schreins, je nach Uhrzeit.

Das berühme Running Sushi mit wirklich leckeren Variationen, die auf farblichen Tellern auf dem Förderband rotieren, Die Preise sind durch die Farbe des Tellers festgelegt, die Preisschilder rotieren auf leeren Tellern mit.

Au weia, 13 Teller haben wir verputzt, war aber dann auch nicht teurer als Pizzaessen in München

Den Tokio Sky Tree, der größte freistehende Funkturm der Welt mit zwei Aussichtsplatformen auf 350 und 450 m Höhe. Natürlich hat man (schönes Wetter vorausgesetzt) eine phantastische Aussicht auf den Großraum von Tokio aber auch der Blick senkrecht nach unten ist möglich…

Der Goldene Radi oder eine homage an den Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte (es war Hans-Heinerich, der Metzgershund)
Der Goldene Radi bei Nacht
  • Die kaiserlichen Gärten, die bei Regen geradezu idyllisch leer waren

Dann ging es weiter mit dem Shinkansen

um 11:14 in Richtung Sendai nach Utsunomiya und von dort mit der Regionalbahn nach Nikko