Über das Bahnfliegen in Japan

ist ja schon viel gesagt und geschrieben worden, aber es selbst zu erleben, ist doch noch einmal was ganz anderes. Bei > 310 km/h möchte ich mich gerne anschnallen, gibt aber keinen Gurt. Die Ruhe bei dem Tempo ist beeindruckend, den Gegenzug oder die Einfahrt in einen Tunnel spürt man fast nicht.

Video-Schnipsel einer Shinkansen-Fahrt

Alle Züge, von den SuperExpress Shinkansen bis zu den Vorort-Zügen und U-Bahnen, müssen wohl von einer zentralen Atomuhr millisekunden- und millimeter-genau gesteuert werden. Verbunden mit der sprichwörtlichen Disziplin der Fahrgäste scheint es niemals Verspätungen oder gar Ausfälle zu geben. Es gibt ein paar Indizien wie das möglich gemacht wird:

  • Alle Shinkansen Linien fahren auf aufgestelzten Trassen auf die niemals ein Baum fällt oder ein anderer Zug im Weg sein könnte (was allerdings sehr auf Kosten der Ästhetik geht, das liegt den Japanern beim Bauen aber generell nicht sehr am Herzen)
  • Die Bahnhöfe sind 4-gleisig, so dass Express Züge mit vollem Tempo auf den mittleren Gleisen durchbrausen, währen die ’normalen‘ Linien an den Bahnsteigen halten.
  • Die Züge fahren so oft, dass niemand gehetzt und in letzter Sekunde die Tür blockiert, weil die Oma noch gerannt kommt. Man wartet einfach ein paar Minuten und nimmt den nächsten.
  • Jeder hat seine Platzkarte mit der Wagennummer, an der Bahnsteigkante sind die Wagennummer notiert und Wartezonen pro Tür aufgemalt. Jeder stellt sich so hin, dass es beim Einsteigen kein Gedrängel gibt – in 60 Sekunden längstens sind alle draußen und die anderen drin.
  • Die Züge fahren immer vom gleichen Gleis, es gibt keine Verwirrung wo was lang geht (außer dem Linksverkehr…)

Pünktlichkeit ist in Japan anders definiert als bei der Deutschen Bahn (< 6 Minuten Verspätung = pünktlich), das halten < 80% der Züge ein. Beim Shinkansen halten im Schnitt 100% der Züge eine Pünktlichkeit < 60 Sekunden ein (Naturkatastrophen ausgenommen).

Wir haben übrigens einen Japan Rail Pass für drei Wochen (500€), mit dem man das gesamte Netz* der japanischen Staatsbahn befahren darf und kostenlos Plätze im Shinkansen reservieren kann, bei überaus freundlichen Mitarbeitern an den Ticket-Schaltern (die reichlich vorhanden und vollständig besetzt sind). Armes Deutschland, du Service Wüste!

* Nachtrag: Im Westen von Japan gilt der JR Pass nicht für die Nozomi Züge, das wäre ja weiter kein Problem, wenn nicht 9 von 10 Zügen Nozomi Züge sind…. Die fahren z.B. zwischen Osaka und Tokio etwa alle 10 Minuten, die anderen etwa stündlich. Man hat sich halt an das ‚S-Bahn Gefühl‘ gewöhnt und ist jetzt enttäuscht, wenn man länger als eine 1/4 Stunde warten muss.

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