Früh um 8 werden wir in unserem Hostal zu der Tour nach Feuerland abgeholt, Paula, unsere Reiseleiterin spricht gut Englisch, schafft aber in Spanisch erheblich mehr Silben pro Sekunde. Der Fahrer Alfredo bemüht sich kaum, auch mal zu Wort zu kommen. Da wir die ersten sind, haben wir außer der optimalen Platzwahl auch noch das Vergnügen einer Stadtrund- oder Irrfahrt, bis alle 15 Teilnehmer gefunden und in den Bus gepfercht sind. Zum Fährhafen ist es nicht weit und wir setzen nach Porvenir über, mit 7000 Einwohnern der größte chilenische Ort auf Feuerland. Wir besuchen ein kleines Museum zur Geschichte Feuerlands welches u.a. einige Schädel und eine komplette Mumie von Ureinwohnern, den Selk’nam, ausstellt. Eine traurige Geschichte, wie die Ureinwohner im 19. Jh. systematisch von den Schafzüchtern und den eingeschleppten Krankheiten ausgerottet wurden.
Das Mittagessen in einer der primitiven Hütten war von der Kategorie ‚very local‘, aber an diesem abgelegenen Zipfel der Erde ist das völlig ok.
Das eigentliche Ziel, die einzige Kolonie der Königspinguine auf dem ‚Festland‘ ist noch über 100 Km Schotterstraße entfernt. Dort befindet sich ein kleines Besucherzentrum und es sind zwei Aussichtsplattformen hinter Brettern erbaut, von denen man die Pinguine gut beobachten kann, ohne dass sie sich gestört fühlen. Es sind schon ein paar Küken geschlüpft und die vom letzten Jahr mausern sich gerade, um ihr flauschiges Daunenfell gegen die wasserfesten Federn zu ersetzen. Gerade kommen drei Altvögel vom Fischen zurück über die Wiese gewackelt und begrüßen ihre hungrigen Partner und Küken. Ein ganzes Jahr müssen sie abwechselnd auf die Kleinen aufpassen oder Futter beibringen. Heute weht ein richtig warmer Wind und man könnte meinen, dass es den Pinguinen jetzt echt zu heiß ist. Auf jeden Fall sind sie äußerst hübsch anzusehen und durch die aufgestellten Teleskope auch ganz genau zu beobachten, hat man sich in der Schlange geduldig und erfolgreich angestellt.
Die Weiterfahrt geht in einem weiten Bogen durch die karge subarktischen Landschaft über 130 Kilometer zur schmalsten Stelle in der Magellanstraße, wo wir mit einer Fähre in nur 20 Minuten wieder auf dem ‚Kontinent‘ sind. Unterwegs sehen wir viele (wilde) Guanacos und Nandus und besichtigen noch eine Geisterstadt, die von dem berüchtigten Schafsbaron Mendez erbaut wurde. Zwei alte Kähne rosten am Strand beeindruckend vor sich hin. Schließlich kommen wir in der Abendsonne um 9 Uhr zurück nach Punta Arenas – ein echt langer, schöner Tag mit vielen Eindrücken vom südlichen Ende der Welt, aber auch über 400 Km Autofahrt.
P.S. Das war jetzt der 100. Beitrag ???





