Wellington ist eng, kaum Platz zwischen Meer und Bergen. Höchst motivierte Parkraumbewacher vereiteln das Ausladen der Rucksäcke vor dem Hotel, aber sie müssen ja woanders auch noch kontrollieren, d.h. einmal um den Block gefahren und Ruhe ist. Unser Zimmer im 15. Stock hat tolle Aussicht aber den Nachteil, dass das Haus im Sturm ganz schön schwankt, worauf wir schon an der Rezeption hingewiesen wurden. Am nächsten Morgen geht die Fähre nach Picton um 8 und wir müssen frühzeitig da sein, um noch gute Plätze zu bekommen. Auf der Fahrt stürmt es weiter in unglaublicher Stärke, auf Deck geht es manchmal nur mit Festhalten an der Reling vorwärts. Das ist schon als würde man auf der Tragfläche eines Jets stehen. Erstaunlicherweise sind die Wellen aber nicht hoch und das mächtige Fährschiff zieht ganz ruhig durchs Wasser. Nach ca. 2 Stunden kommt die Südinsel in Sicht und bald biegt sie in einen schmalen Kanal links in die Marlborough Sounds ein. Ein Irrgarten aus Inseln, Landzungen und Buchten mit üppig bewaldeten steilen Berghängen. Nochmal eine Stunde geht es zwischen den Inseln hindurch bis der Pott einmal scharf links abbiegt und das Ziel Picton schon dadurch auffällt, dass dort ein gigantisches Kreuzfahrtschiff eine der Buchten besetzt. Das Anlegen dauert eine Weile und wird von einem Bugsierschlepper unterstützt, denn der Sturm macht dem Kapitän sicher etwas Mühe. Wir treffen die Dame von ‚Affordable Motorhomes‘ und bekommen eine Einweisung in unseren Campervan. Er ist doch eine Klasse primitiver, als wir uns das vorgestellt hatten, aber besser als ein Zelt allemal – es kommen immer wieder kurze aber heftige Schauer vom Himmel, da will man nicht meckern. Eine Bemerkung sei aber noch erlaubt: Das Feld im Formular für den Kilometerstand ist etwas knapp bemessen und erst später bin ich mir sicher, dass der Kilometerstand nicht 45100.1 sondern 451001 km ist. Die Schüssel ist 20 Jahre alt, soll aber recht zuverlässig und robust sein. Das Schaltgetriebe ist auch ein ungewohntes Rührwerk und im 5. Gang scheinen 60 Stundenkilometer in jeder Hinsicht die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu sein. Nach einem üppigen Einkauf im bescheiden sortierten Supermarkt in Picton fahren wir auf der Suche nach einem schön gelegen Campingplatz entlang des Queen Charlotte Scenic Drive. Scenic Drives unterscheiden sich von Straßen dadurch, dass sie nur aus engen Kurven bestehen und mit einem guten Rad in vermutlich gleichem Tempo zu befahren wären. Leider steht uns keiner der Campsites so richtig zur Nase und mittlerweile schüttet es wie aus Kübeln. On top kommt noch ein kräftiges Gewitter, von dem wir aber nur die Blitze sehen, da der Motorlärm jeden Donner übertönt. Schlussendlich landen wir auf einem kostenlosen Schotterparkplatz an einer kleinen Bucht, ein Plumpsklo und drei andere Camper stehen auch schon da. Immerhin kommt die Sonne wieder raus und damit wendet sich das Blatt zu einem schönen Abend. Und die Nacht bei Sturm und Regen ist im warmem, schaukelnden Bett sehr gemütlich.
Tongariro Alpine Crossing
heißt die berühmte Tages-Wanderung durch die Vulkanlandschaft des Nationalparks. Mit einem alten Klapperbus des örtlichen Shuttleservice werden die zahlreichen Wanderer an den Ausgangspunkt des Trecks gefahren und dann in die Wildnis entlassen, nicht ohne vorher über die zahlreichen Gefahren gründlich aufgeklärt worden zu sein. Das große Stop-Schild „heute ist schlechtes Wetter, machen sie die Wanderung keinesfalls“ ist allerdings fest verschraubt! Die Busse fahren stündlich, mithin also hunderte sich auf den Weg machen, man muss also nicht fürchten, verloren zu gehen. Am einsamsten ist es natürlich, wenn frau sich in strammem Marschtempo an die Spitze der Kolonne setzt und dieses Position gegenüber den 25-jährigen Kampfwanderern verbissen verteidigt. In fast der halben angegebenen Zeit erreichen wir den ersten Zwischenstop, ein Plumpsklo, nicht ohne einige Wanderer des vorherigen Busses überholt zu haben. Dann geht es steil bergauf, vorbei an einer Tafel, die erläutert, wie wenig man erst geschafft hat und der Anregung, doch lieber umzudrehen. Nach wenigen Metern sind wir in den Wolken und der Wind weht – wie vorhergesagt – ziemlich heftig. Die erste flache Kaldera erreichen wir nach ca. einer weiteren Stunde. Die Sicht ist jetzt etwas besser und die Szenerie mit den vielen bizarren Lavabrocken teilweise von den rasenden Wolkenfetzen vernebelt. Der nächste Anstieg zum höchsten Punkt der Wanderung, dem Red Crater, hat es in sich, nicht weil es steil oder technisch schwierig wäre, sondern weil der Sturm so stark geworden ist, dass das Gehen leicht unkontrolliert wird und die Wanderstöcke, wenn sie nicht gerade im Boden stecken, waagrecht schweben. Vorhergesagt sind ca. 80 km/h (im Durchschnitt!). Zum Glück ist das nur ein kurzes Stück bis zum Gipfel auf 1870 m. Der Blick in den Red Crater haut uns im wahrsten Sinne des Wortes fast um, Die Formen und Farben des Kraters waren die Anstrengung mehr als wert. Der Sturm kommt jetzt von hinten und bläst einen fast hinein, also Abstand halten. Zum Glück reißt die Wolkendecke immer mal wieder auf und die Sonne scheint kurz durch, das wärmt ein wenig auf. Der Weg hinab führt durch lose Vulkanasche, sehr schön zu Surfen. Dann erreichen wir zwei den Maori heilige Seen in grün und ocker, im Hintergrund liegt der große blaue Emerald Lake. Bis dahin ist noch ein weiter flacher Kraterboden mit einem hinein gegossenen pechschwarzen Lavastrom zu durchqueren, hier findet sich zum Glück ein warmes Plätzchen in der Sonne und im Windschatten für die Brotzeitpause. Vom letzten Winter sind noch etliche Schneefelder übrig, aber nur eines müssen wir auf dem weiteren Weg durchqueren (der einzige Schnee dieses Jahr?). Als wir aus dem Krater herauskommen, bietet sich bald eine großartige Aussicht über den Nationalpark bis hinunter zum riesigen Taupo See und der lange Abstieg beginnt. In endlosen Windungen geht der Weg flach bergab und so erklärt sich , wieso der Abstieg zum Parkplatz, an dem wir wieder aufgelesen werden noch 8 Kilometer lang ist, Mit ziemlich lahmen Füßen kommen wir nach fast 20 Km und 7 Stunden dort an und schlafen selig auf der Rückfahrt im Bus ein.
P.S. Die mitgeschleppten Wasservorräte hätten auch für 40 km gereicht.
Endlich schlechtes Wetter
Nach Wochen des Sonnenscheins und der Hitze zieht heute eine Sturmfront über Neuseeland hinweg. Leider vereitelt das unsere geplante Mehrtageswanderung durch den Tongariro Nationalpark, andererseits haben wir nach einer Woche Zelten ein wunderschönes großes Zimmer mit Küche und Waschmaschine und vor allem einem sehr komfortablen Bett gefunden. Und wir haben zwei Tage FREI bis die Front durch ist und wir hoffen, die Highlights des Parks in einer saftig langen Tageswanderung doch noch erleben zu können. In der Zwischenzeit haben wir uns in Turangi ein kleines Informationszentrum zu dem Vulkanismus in Neuseeland angesehen, das Besondere war eine kleine Kammer, in der man auf Knopfdruck ein Erdbeben der Stärke 6,3 auslösen konnte, welches eindrücklich lange 15 Sekunden ‚dauerte‘. Diese Stärke hatte 2011 ein Beben in Christchurch, bei dem u.a. ein Ladenzentrum kolabierte und zahlreiche Opfer darin zu beklagen waren.
Ich habe jetzt ein 10″ Tablet als Ersatz für den defekten Laptop, der zur Strafe alleine die Heimreise antreten musste. Mit einer englischen Tastatur könnte man, sofern nicht verlernt, im Zehn Finger Blind System prima Deutsch schreiben, im Adler Suchsystem, na ja. Trotzdem ist das Tablet eine große Erleichterung gegenüber der Fummelei am Handy. Die Behebung der vielen Fehler und Defizite, die dabei entstanden sind, kostet einige Zeit und den Gastwirt ca. 2 GigaByte seines hoffentlich unbegrenzten Datenvolumens.
Hier im Nationalpark auf 800 – 1000m Höhe ist noch Frühling und die weite Hochebene färbt sich knallgelb von dem vielen Ginster.
Auf dem Weg hierher haben wir noch die Huka Wasserfälle besichtigt, die mit 200 m³/s die wasserreichsten in Neuseeland sind. Der Fluß Waikato stürzt sich hier durch einen schmalen Kanal im Lavagestein ca. 8m in die Tiefe. Die Strömung ist so mächtig, dass Fische nicht mehr passieren können.
Unser letzter Campingplatz war auch von der speziellen Sorte: Von einem älteren Herrn geführt, hatten wir den Eindruck, dass er nicht mehr alles so richtig im Griff hatte, besonders was seine unzähligen Tiere anging. Diese hatten, bis auf zwei Schafe, Freigang und nutzen dies zur Begehung erheblicher Straftaten weidlich aus. Allen voran das freche Schwein, gefolgt von den noch dreisteren Hühnern, Perlhühnern, Enten und Pfauen. Lediglich die Lamas verhielten sich sozial angemessen. Die Verteidigung des Zelts gegen die unbändige Neugierde des Schweins gelang mithilfe andere Camper, die es mit Brot und anderen Leckereien ablenkten, damit wir in Ruhe abbauen konnten. Ein beherzter Nackengriff wirkte nur kurz, da das Schwein sich sofort fallen lies, um sich grunzend kraulen zu lassen, bis ihm das Zelt wieder in den Sinn kam… Die Hühner beobachteten wir am Nachbartisch wie sich sich ein ganzes Toast vom Teller klauten und, anders als die Spatzen, auch in der Lage waren es abzutransportieren. Die Autotür offen stehen zu lassen, war auch nicht besonders schlau, denn die Hühner…



















