Nach dem Frühstück fahren wir mit Sam’s Pickup und zahlreichen Jungs auf der Ladefläche los zum Ausgangspunkt der Wanderung. Die Hauptstraße ist ein ausgewaschener Feldweg, manchmal geradeaus und flach, manchmal aber so steil und über Wurzeln und Felsen, dass der Allradantrieb im ersten Gang mit Sperrdifferential notwendig werden. An einigen besonders steilen Stellen wurde der Weg betoniert und wir treffen auch auf eine Baustelle, wo die Arbeiten noch im Gang sind. Ein Betonmischer und eine Rüttelplatte sind die einzigen motorisierten Werkzeug, alles andere ist Handarbeit, z.B. das Ausgraben eines riesigen Wurzelballens einer Kokospalme, die im Weg war. Der letzte Teil der Fahrt geht durch ein trockenes, sandiges Flussbett, bis eine Felsstufe den Beginn der Wanderung markiert. Unser Guide Talie spricht etwas Englisch, unsere Träger sind Philip und Terter, beide Mitte 20 und alle drei richtig lustig drauf, wobei man den Eindruck hat, dass die beiden Träger sich besonders über Talie amüsieren können, aber er ist der Chef und geht voraus, die Spinnweben und andere Hindernisse mit der Machete aus dem Weg räumend. Hier kommt ein autorisierter Einschub über die Vorteile, die Emanzipation nicht zu weit zu treiben. Talie befindet, dass die Träger meinen Rucksack tragen werden und ich dafür Susi von ihrem Gepäck befreie… Da außer unseren Sachen noch ein Zelt, Isomatten, zahlreiche Konservenbüchsen und 2 Reissäcken noch 10 Liter Wasser zu transportieren sind, haben die beiden Jungs ordentlich Gewicht auf den Schultern und tragen noch in beiden Händen ihr eigenes Zeug. Es geht zunächst durch das Flusstal weiter und wir tauchen ein in eine unwirkliche Kulisse, rechts und links des Flussbetts ragt fast senkrecht der Urwald in die Höhe, Baumfarne dominieren wie mit großen Sonnenschirmen die undurchdringliche Vegetation. Auf dem Weg geht es immer wieder über geschliffene Basaltfelsen, aber dann führt der Weg zum ersten Mal direkt in den Dschungel und wir steigen auf einem schmalen Trampelpfad in die Höhe, ab und zu durch tief eingefurchte Bachbetten. Das Grün schließt sich über uns. Natürlich ist es so heiß und feucht wie in einem Dampfbad. Nach eineinhalb Stunden machen wir Mittagspause um uns für den nun steilen Anstieg zu stärken. Für uns ist völlig unvorstellbar, wie die drei Jungs in Flipflops unterwegs sind und wenn es schwierig wird sogar lieber barfuß gehen. Der Pfad führt nun auf einem schmalen Grat entlang, der uns die Aussicht auf den Dschungel von oben und das im fernen Dunst liegende Meer freigibt. Nach dreieinhalb Stunden und ca. 700 hm sind wir am Zeltplatz angekommen. Es gibt einen großen Unterstand mit Tischen, Bänken und einer Feuerstelle sowie zahlreichen aufgestellten Töpfen, die das Regenwasser vom Dach auffangen. Unser Zelt wird auf einer perfekt ebenen Sandfläche aufgebaut. Das Klo ist sehenswert ob seiner Absurdität, aber leider gibt es kein Foto: Die Schüssel war mal auf zwei Balken über einer Grube im Wald gestanden. Nachdem die Balken zusammengebrochen sind (=> Plumpsklo) steht es nun ebenerdig und wartet hoffentlich vergeblich auf Benutzer.
Nach ausreichend Pause beginnen wir mit Talie den Aufstieg zum Krater des Benbow Vulkans. Nach dem kurzen Anstieg über eine Sanddüne ändert sich die Landschaft radikal. Eine Ebene aus schwarzem Sand und erstarten Lavaflüssen erstreckt sich vor uns und ganz in der Ferne liegen die dampfenden Krater. Immer wieder wird das Schwarz der vulkanischen Asche von grünem Moos unterbrochen, was sich wie Inseln ausbreitet und auch senkrechte Flächen besiedelt, die nicht vom Regenwasser weggespült werden. Wir marschieren in strammem Tempo und erreichen nach einer Stunde den Fuß des Kraters. Zum Kraterrand sind es nochmal ca. 200 hm in der prallen Sonne und es geht teilweise durch den weichen Sand, also etwas anstrengend. Als der Blick von einer auf die andere Sekunde in den riesigen Krater fällt ist das aber schnell vergessen. Geschätzt 2-3 Km Durchmesser und etliche 100 m misst dieses dampfende Rund. Wir haben viel Zeit zum Staunen, da Talie beschlossen hat, uns erst morgen zu dem anderen Krater zu führen. Der Rückweg ist in der Abendsonne eine leichte Übung und Talie erzählt eine Geschichte nach der anderen, deren Inhalt sich uns aber nicht immer komplett erschließt, das mag an seinem Englisch liegen oder daran, dass wir die Gedankengänge dieser Kultur einfach nicht erfassen können.
Zum Abendessen haben Philip und Terter einen großen Topf Reis gekocht und in einem weiteren Topf eine Pampe aus Nudelsuppentüten, Makrelen- und weiße Bohnen Dosen mit ein paar Zwiebeln. Es schmeckt besser als es aussieht und die Alternativen auf der Speisekarte waren sehr überschaubar. Die Nacht im engen Zelt war hart, heiß und stickig, bis wir das Überzelt aufgemacht haben. Außerdem war noch ein bissiger Hundertfüßer hineingelangt, aber es gab hier oben keine Kakerlaken, keine Ratten und nur wenige Mücken, dafür aber einen überwältigenden Sternenhimmel aus dem es wundersamerweise ab und zu leicht regnen konnte.

Nach einem ‚Kaffee‘ ging es früh um 7 los zum Krater Buluso, der noch jüngeren Datums ist. Die tief hängenden Wolken vermischten sich mit den Dämpfen aus den verschiedenen Rissen in der Erde zu einer spektakulären Stimmung. Der Aufstieg war leicht, aber das Gelände um den Krater voller Spalten und Abbrüche, sodass wir nochmal eindringlich gewarnt wurden, uns nur in Talies Nähe aufzuhalten und – sollte ein Erdbeben oder anderes Unerwartetes passieren – wir auf sein Kommando hin sofort um unser Leben zu laufen hätten, ohne noch irgendwelche Fotos anzufertigen. Der Krater war ähnlich groß und aktiv wie der Benbow, jedoch die Wände fast senkrecht und der Kraterrand so rissig, dass man glaubt, darauf warten zu können, dass sich große Felsstürze ereignen würden. Die Farben der Ausdünstungen waren vielfältig, besonders auffällig war, dass sich auf allen Schlackebrocken, die sich in der Umgebung türmten auf der, dem Krater zugewandten Seite eine weiße harte Schicht gebildet hatte, so dass je nach Blickrichtung ein völlig anderer Eindruck entstand.
Um 10 gab’s das Mittagessen, welches in der ungekochten Variante des Abendessens bestand (Reis war noch genug übriggeblieben). Der Abstieg war nicht minder schweißtreibend, da die Jungs ja jetzt weniger zu tragen hatten, ging es entsprechend flott bergab. Kurz nach Mittag waren wir wieder unten und warteten erschöpft und froh es geschafft zu haben auf den Pickup für die Fahrt zurück in Sam’s Doppelhüttenhälfte, deren anderer Teil nun von einem deutlich jüngeren französischen Pärchen bewohnt wurde. Allerdings fiel deren Toleranz gegenüber den Kakerlaken keineswegs höher aus. Wir haben sie damit getröstet, dass ihr Zeltplatz am Berg für die kommende Nacht in dieser Hinsicht echt besser sei. Ach ja und ich habe zwei kleine Verletzungen an Bein und Fuß, die sich eitrig entzündet haben. Über den Grad der hieraus drohenden Lebensgefahr bestanden zeitweilig unterschiedliche Einschätzungen. Bei Erscheinen weiterer Blogeinträge hat sich wahrscheinlich die eine Einschätzungen als zutreffender erwiesen.

















