Das Dorfleben auf Ambrym

Jeder grüßt freundlich und winkt, jedes Auto hält an und wir werden gefragt, wohin wir wollten um dann mitfahren zu können.

Schwätzchen halten: Die Menschen in Vanuatu sind sehr kommunikativ und neugierig, wir werden oft auf der Straße angesprochen und nach den ersten Standardfragen, how long in Vanuatu?, where are you from? entwickelt sich manchmal ein intensives Gespräch über Gott und die Welt (im wahrsten Sinne des Wortes). Gleich zu Anfang kommt das Gespräch auf die Chinesen, die hier ein unglaublich mieses Image haben und dann auf das Versagen der Politik, den Ausverkauf des Landes an China zu stoppen. Oft geht es nahtlos zu Hitler über; hier besteht massiver Aufklärungsbedarf (der ist übrigens schon lange tot und war ein schlimmer Mann). Sprachlich ist die Verständigung meist auf hohem Niveau möglich, inhaltlich ist schwer zu beurteilen, ob die Einheimischen uns wirklich glauben, dass Schule und Uni nichts kosten und die Deutschen eine Kranken- und Rentenversicherung, dafür aber kaum Kinder haben.

Polyglott: Es gibt in dem kleinen Dorf eine französische und eine englische Schule. Eine von beiden Sprachen beherrscht jeder, natürlich zusätzlich zu Bislama, der Amtssprache und natürlich der lokalen Muttersprache. Vanuato hat die höchste Sprachendichte der Welt, wenn man Wikipedia glauben darf.

Ein Lehrstück an Nachhaltigkeit: Wir staunen über die umfassende Nutzung der Naturprodukte durch die Einheimischen. Im Dschungel werden z.B. essbare (und sehr gut schmeckende) Farne gesammelt, die Vielfalt der Bäume beschert eine stetig wechselnde Versorgung mit frischem Obst, gerade fallen reife Mangos kiloweise von den Bäumen. Muss ein Sack zugebunden werden, greift man sich schnell eine Schlingpflanze, entfernt die Blätter und hat ein perfektes Seil. Der Plastik- Glas und Blechmüll hat auch hier Einzug gehalten, jedoch in sehr geringem Maße. Nur sehr wenige Nahrungsmittel werden ‚importiert‘, hauptsächlich Reis, Kekse und ein paar Fischkonservendosen. Ambrym ist sicher der am nachhaltigsten bewirtschaftete Flecken Erde, den wir je besucht haben. Ein Ammenmärchen ist aber, dass die Klobürsten auf Büschen wachsen.

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