An der Nord-Ost Küste Neuseelands liegt die Bay of Islands. 144 größere und kleinere Inseln liegen hier im flachen Meer, oft kaum zu unterscheiden vom Festland, welches von vielen Buchten stark strukturiert ist. Mit einem quietscht gelben Katamaran fahren wir bei gefährlich strahlendem Sonnenschein hinaus um neben den Inseln auch Delphine und ein Loch im Felsen zu sehen. Der Kapitän sei heute das erste Mal auf der Brücke, bemerkte einer von den maximal tätowierten einheimischen Seebären an Bord. Zunächst waren wir noch von einem Scherz ausgegangen (Die Neuseeländer machen gerne mal einen Witz auf Kosten der Kollegen), wurden aber beim ersten Anlegen eines besseren belehrt. Aber im Laufe des Tages wurden die Manöver immer besser und der einweisende Kapitän griff seltener ein. Delphine haben wir dann auch noch gesehen und die Wanderung auf einer der Inseln war besonders schön, mit fantastischen Blicken über die Bay. Das besondere an diesen Inseln ist, dass man mit großer Mühe und viel Gift die eingeschleppten Räuber beseitigt hat und nun seltene, bodenbrütende Vogelarten wieder ansiedeln konnte. Welche der vielen Flugfaulen jetzt die besonderen waren blieb uns allerdings verschlossen.
Die Kauris in den Mythen der Maori
Die Kauri Bäume sind nach den Sequoias die zweitgrößten Bäume der Welt. Wir besuchen den Tane Mahuta (Gott des Waldes), der ca. 2000 Jahre alt sein soll. Ein Gigant im Wald, von den Maori als Vater allen Lebens verehrt. Er ist über 50 m hoch, hat einen Stamm mit ca. 6m Durchmesser und bis in eine Höhe von 14m keinen Ast (245 qm Holz). Ein anderes Exemplar, den Tematua Ngahere (Vater des Waldes), ist vermutlich noch 500 Jahre älter, hat einen noch dickeren Stamm, schaut aber altersbedingt in der Krone schon arg gerupft aus.
Es erscheint uns unvorstellbar, wie es die europäischen Siedler (eigentlich Invasoren) es in wenigen Jahrzehnten geschafft haben, mit den damaligen Werkzeugen in dem Land derartig gründlich den Urwald mitsamt diesen riesigen Kauris zu vernichten. Seit einigen Jahren gehört das Land jetzt wieder formell den Maori, na toll. Das Fällen von Kauris ist mittlerweile verboten, nur die Maori dürfen für rituelle Handlungen (z. B. den Bau eines Kanus) noch Bäume schlagen.
Der Begriff des Waldbadens könnte ebenso gut von den Maori stammen. Die Ehrfurcht vor den Bäumen war bei dem Gebet in den Wald unseres Guides auf Te Reo Māori auch ohne Übersetzung zu spüren.
Die Kauri Wälder
Von Auckland sind es fast 4 Stunden Fahrt durch die anfangs sehr hügelige aber hübsche Landschaft gen Norden. Als wir links abbiegen um zur anderen Küstenseite zu gelangen, ändert sich die Landschaft: Weideflächen sind eingezäunt und zahlreiche Rinderherden stehen dicht an dicht. Die Hügel sind jetzt forstwirtschaftlich gründlich zerstört, großflächiger Kahlschlag wird mit Kiefern neu bepflanzt wie ein Maisfeld. Hier sollen also die berühmten letzten Kauri Bäume Neuseelands stehen? Tatsächlich ändert sich hinter einem Schild plötzlich die Vegetation und wir fahren auf einer kurvenreichen kleinen Straße durch einen dichten Urwald mit Palmfarnen und vielen anderen, uns unbekannten Baumarten. Der Campingplatz, den wir uns ausgesucht haben, liegt sehr idyllisch, unweit eines kleinen Flusses am Rand eines urigen Waldstücks, in dem tatsächlich zwei beeindruckend große Kauri Bäume stehen. Diese Bäume wachsen kerzengerade und verzweigen erst in großer Höhe. Ihr Holz ist stabil und war deswegen sehr geschätzt für jede Art von Bau oder Schiff. Dementsprechend wurde der Bestand dezimiert und die traurigen Reste sind nun zwar streng geschützt werden aber von einem Pilz bedroht, gegen den es kein Mittel gibt. Deswegen muss der Wanderer seine Schuhe reinigen und desinfizieren bevor er den Trampelpfad zu den Bäumen betreten darf. Hier zwitschern viele Vögel und besonders nett sind die Sittiche mit ihrem bunten Gefieder.
Auf dem Campingplatz haben wir ein lauschiges Plätzchen am Rande des Waldes gefunden und ich baue das erste mal unser Zelt in einer perfekt gemähten, ebenen Wiese auf. Auch der Gaskocher kommt erfolgreich zum Einsatz. Es schmeckt vorzüglich aus der Pfanne, die billiger war, als das was jetzt darin brutzelt.

Auf einem Nightwalk durch die Kauris erfahren wir von dem Maori-Ranger Erstaunliches über die Tierwelt und die ökologischen Wechselwirkungen und Schäden, die hier seit Eintreffen der Europäer in ungeheurem Ausmaß um sich greifen. Das Artensterben hat hier durch die eingeschleppten Räuber eine ganz andere Dynamik. Das Nationaltier Neuseelands, der Kiwi, wird aussterben, wenn es nicht sehr bald gelingt, Ratten, Possums, verwilderte Hunde und Katzen auszurotten, der Bestand nimmt mit 2% pro Jahr ab. Wir bekommen noch auf der Rückseite eines dicken Stamms die Wetas gezeigt, das sind Riesengrillen! Und in der Nacht hören wir noch zwei der vier Kiwis rufen, die hier in der Nähe des Campingplatzes leben.
Awkland oder der mühsame Anlauf in einem neuen Land
Auckland hat uns am Abend unserer Ankunft mit einer unglaublich leckeren französischen Creperie beglückt. Die kulinarischen Variationen auf den Inseln waren – den verfügbaren Zutaten geschuldet – doch sehr überschaubar. Da waren ein Galette mit Wurst vom Wildschwein, einer Flasche Cidre und anschließendem Käseteller doch eine Offenbarung.

Auch das Appartement im 16. Stock (mit Waschmaschine und Trockner!) war eine willkommene Abwechslung nach den vielen Strohhütten.
Der nächste Tag war dann doch eher eine Serie von Fehlschlägen. Angefangen hat es bei der Autovermietung Hertz, denen ich sehr hertzlich einen Hinterkammer-Infarkt wünsche. Gebucht hatten wir ein Allrad Antrieb, der stand auch auf der Rechnung. Zufällig bemerke ich auf der Heckscheibe einen Aufdruck 2WD, der Blick unter die Hinterachse bestätigt den Verdacht, genauso wie auf Samoa beschissen worden zu sein. Zurück in der Filiale weisen die Mitarbeiter alle Schuld von sich und reden sich mit einem kompletten Austausch der Fahrzeug-Flotte heraus, für den sie ja nicht verantwortlich seien.
Geradezu unterirdisch ist der Auftritt von Lenovo. Die im Internet angegebene Adresse des Repaircenters erweist sich als gähnendes Loch in der Häuserreihe und ein Anruf dort wird geradewegs nach Kalifornien durchgestellt. Auf den Chat im Internet antwortet auch niemand und als ich endlich einen Menschen in Neuseeland am Telefon habe, ist die Verständigung so schlecht, dass kein Gespräch zustande kommt.
Dann haben wir 35€ Parkgebühren zu zahlen in einem Parkhaus, das so eng war, dass wir die halbe Parkzeit mit Rangieren verbracht haben.
Es gäbe aber auch noch was Positives zu berichten: Wir haben ein Zelt gekauft, dass von 500 auf 179 NZ$ reduziert war. Allerdings sind die klimatischen Bedingungen so zweifelhaft, dass auch dieser Preis zu hoch sein könnte.
Als wir uns in einem Billigkaufhaus in einem Außenbezirk von Auckland herumärgern, weil es all das erwartete Outdoor Equipment nicht gibt, tauchen zwischen den Regalen die beiden Kanadierinnen auf, die wir gestern auf Samoa verabschiedet haben. Da das nun schon das 6. zufällige Aufeinandertreffen ist, muss man den Samoanern in ihrem festen Glauben an eine höhere Macht uneingeschränkt Recht geben. Wir haben uns jedenfalls fast schlapp gelacht, als wir uns im Supermarkt nebenan dann nochmal ‚verabschiedet‘ haben.
Dann sind wir zu unserer günstigen Unterkunft, einer sogenannten Cabin, in einem Vorort von Auckland gefahren. Es handelt sich um eine Trabi-artige Pappschachtel im Format eines Schiffcontainers, aber es ist ruhig und es gibt eine Küche in der wir gierig, bei einer Flasche schlechten Rotweins, Spaghetti mit Salat essen. Und es ist drinnen viel wärmer als im Zelt, das noch unausgepackt im Auto liegt.
Matareva Beach Fales
Für uns der schönste Strand und die beste Unterkunft auf Samoa waren die Matareva Beach Fales. Einige Kilometern über eine holprige Piste von der Hauptstraße zu erreichen liegt das Ressort an einer einsamen Bucht. Eingefasst von vulkanisch schwarzen Felsen mit einem perfekten Sandstrand unter Palmen stehen hier ein paar offene Hüttchen, nur mit einer dünnen Matratze und ein paar Palmblättern als Sichtschutz garniert. Es gibt einen großen gemeinsamen Platz für die Mahlzeiten, eine Bar und ein paar ‚Sanitäranlagen‘. Die Bucht wurde von den Eigentümern zur Schutzzone erklärt und wird von einem Korallen-Fachmann aus Fiji betreut. Einige europäische Freiwillige arbeiten hier mit und das Personal ist wohl auch in einem sozialen Kontext angestellt und von einer NGO betreut. Wir treffen zwei sehr nette Kanadierinnen aus Quebec bereits zum 5. Mal seit Blue Lagoon auf Fiji und wir werden uns in Neuseeland sicher nochmal treffen.
Blowholes auf Savai’i
Savai’i ist die größere der beiden Inseln Samoas. Wir sind mit der Fähre von Upolo in ca. einer Stunde übergesetzt und im Savaien Hotel, einer netten kleinen Bungalow Anlage untergekommen. An der Südküste befinden sich in einem Lavafeld die blowholes. Ein kleines Schild weist uns den Weg von der Hauptstraße über eine Holperpiste zu einem kleinen Unterstand, an dem wir den Obolus von 10 Tala entrichten und nun entlang der Küste noch ca. 1 km fahren müssen, bis wir von einer typischen Samoanerin auf eine Wiese zum Parken eingewiesen werden. Der Parkplatz kostet nochmal 10 Tala… Jetzt sehen und hören wir schon die gewaltige Brandung und haben nur noch wenige Meter über die schwarzen Lavafelsen zu gehen bis wir vor dem ersten Loch stehen. Wenn eine große Welle mit der richtigen Phasenlage in den Tunnel schwappt, kommt an dessen Hinterausgang mit lautem Getöse die Gischt wie bei einem Geysir herausgeschossen. Ein tolles Spektakel. Die Herrin über den Parkplatz hat noch zwei Kokosnüsse dabei, die sie (diesmal ohne Aufpreis) im richtigen Moment in das Loch wirft, auf das sie wie Kanonenkugeln herauskatapultiert werden, um bei ca. 15m Höhe den Rückweg anzutreten. Das die Gute dabei klitschnass wird, ist wohl bei der sengenden Hitze kein Nachteil. Wir treiben uns noch lange zwischen den insgesamt 7 Löchern herum, nicht ohne selbst langsam eine dicke Salzkruste anzusetzen. Mit unserem Besuch ist das Tagwerk vollbracht und auf dem Rückweg mögen wir sie doch bitte mit ins Dorf nehmen, was wir gerne machen (und uns den Scherz verkneifen, dafür auch 10 Tala haben zu wollen ?)
High End Ressorts
Manchmal sind wir gezwungen, uns für eine Nacht in ein kostspieliges Ressort einzumieten. In Fiji und Samoa gibt’s einfach zwischen Schlafsack am Strand und Luxusschuppen kaum Alternativen. Das hat Vor- und Nachteile. Meist vorhanden, aber keineswegs sicher ist ein eigenes Bad, aus dem man sich auch seine Shampoo-Vorräte auffüllen kann. Auch die Zahl der Krabbelviecher nimmt umgekehrt proportional aber keineswegs exponentiell mit dem Preis ab.
Dann kommen wir schon zu den Nachteilen: Fast immer ist eine Klimaanlage röhrend an ihrer Leistungsgrenze unterwegs, die wir zwar sofort abstellen (für arktische Kälte hätten wir ja daheim bleiben können) aber je nach Bauweise kommt man dann vom Regen in die Traufe. Bei massiven Betonwänden und gekachelten Böden setzt nun ein massives Kondensieren ein (99,9% Luftfeuchte bei >30°) was dazu führt, dass die Spiegel erblinden, das Wasser von den Wänden läuft und das Laufen auf den feuchten chinesischen Marmorplatten alle Konzentration erfordert.
In den überteuerten Restaurants halten sich die Ärgernisse mit den Anekdoten die Waage. Einmal war die Espressomaschine defekt, die Kaffeemaschine ebenso und es gab nur koffeinfreien, löslichen Kaffee in Tütchen in denen neben Spuren von Kaffeepulver reichlich Zucker und Milchpulver enthalten waren. Langsam gewöhnen wir uns auch an das gedrillte Protokoll des Personals: ‚How are you?, how was your day?, did you enjoy your meal? thank you for choosing xy ressort‘, aber nie entspinnt sich ein lockeres Gespräch über Gott und die Welt und natürlich die Kinder.
Nach dem Überreichen der Speisekarte kreist der Kellner selten mehr als 1.5 m um den Tisch, lauert auf seinen Einsatz und muss manuell zwei- bis dreimal wieder in einen höheren Orbit gebeamt werden.
Low Score beim Abräumen: Wir amüsieren uns beim Zählen der Sekunden nach dem die Gabel mit dem letzten Bissen den Mund verlassen hat, bis der Ober kommt und angesichts des leeren Tellers fragt, ob er wir schon fertig seien. Selten kommen wir über drei. Auch sind die Zuständigkeiten nicht geklärt und da Nebensaison ist, kommt gerne auch noch ein zweiter und dritter Kellner zum Nachfragen, ob es noch ein Bier oder eine Nachspeise sein darf.
Wir freuen uns schon auf das Zelten im Dauerregen bei 10° in Neuseeland ?

Fiafia Tanz
Die Samoaner tanzen, aber wie! Nebenan in den Taufoa Beach Fales gibt’s dienstags nach Sonnenuntergang ein Fiafia Show, die wir uns ansehen wollen. Da in unserer Anlage nur 4 Gäste sind, dachten wir, es würde ausfallen, aber nach wenigen Schritten über den Strand war klar: Hier ist der Bär los. Begleitet von einem Trommler und einem Gitarristen tanzen 10 junge Männer aus dem Dorf, dass uns nur beim Zuschauen schon zu heiß wird. Die Tänzer sind traditionell spärlich gekleidet und sollen nach Aussage der Damen recht attraktiv aussehen. Anfangs singen sie selbst, später kommt die Musik vom Band, samoanischer Pop, den Jungs macht es sichtlich mehr Spaß zu den modernen Rhythmen zu tanzen. Sie haben eine unglaubliche Körperbeherrschung zwischen elegant, fast wie auf Bali, und kraftvoll wie die Schuhplattler. Zur Pause müssen die Gäste ran, der Abschnitt fehlt im Video ganz bewusst!
Allerlei Löcher in Samoa
Samoa ist ebenfalls vulkanischen Ursprungs und bietet deswegen einige, von Lavaflüssen geformte, sehenswerte Löcher. Diese sind meist mit Wasser gefüllt und haben Verbindung zum Meer. Das eine Loch, Tu Sua Ocean Trench, ist ziemlich tief mit überhängenden oder mindestens senkrechten Wänden und man steigt über eine etwas glitschige vielleicht 7m hohe Holzleiter hinab. Nur für Schwindelfreie und das Wasser ist leider zu flach um von oben zu springen.
Im O le Pupu-Peo Nationalpark wandern wir durch einen dichten Wald aus Schraubenpalmen entlang von Lava Klippen, die etwa 10m senkrecht ins Meer abfallen und beobachten wie sich die Brandung an den Felsen abarbeitet und weitere spannende Löcher erzeugt. Neugierig nah am Klippenrand, nicht aufgepasst, einen Kaventsmann übersehen und schon gibt’s eine deftig salzige Dusche.









































