Ambrym ist eine kleine Insel, etwas abgelegen, mit zwei aktiven Vulkanen, die uns zu einem Besuch verlocken. Kürzlich wurde (nach langer Zeit) die Warnstufe um eine Stufe reduziert und wir hoffen, die Berge besteigen zu können, evtl. mit einer Übernachtung zwischen den Kratern. Es gibt in der Woche 4 ‚Flugverbindungen‘ mit einem Buschflieger (‚Twin Otter‘), der auf seiner Tour ein paar Inseln der Reihe nach abklappert. Wir haben mit Hilfe der Touristeninfo in Port Vila bei Sam vom 20.-25.10. fünf Nächte reservieren lassen. Er hat zwar eine Telefonnummer, aber viel mehr wissen wir nicht. Es könnte spannend werden, ‚very local‘, wie uns die Einheimischen aus Port Vila erklären, und Ambrym sei voll von schwarzer Magie…
Der Flug ist schon ein Abenteuer für sich, wir landen zweimal auf sehr kurzen Graspisten bevor wir in Craig Cove, unserem Ziel ankommen. Der Kopilot scheint noch eher am Anfang seiner Ausbildung, jedenfalls greift der Pilot korrigierend ein, als ihm der Anflug nicht passt und dreht noch eine extra Runde, um dann selber zu landen. In Craig Cove ist die Piste etwas länger und jetzt darf der Copilot landen.
Links über dem Scheibenwischer ist die Piste
Man beachte, dass Susis Rucksack im vorderen Stauraum für die Trimmung der Maschine ausgereicht hat! Übrigens ist die Maschine Baujahr 1980 und wurde bereits von Papua Neuguinea ausgemustert.
Unsere nächste Station ist die kleine Insel Moso nicht weit von der Hauptinsel Efate entfernt, auf die wir mit einem kleinen Boot übersetzen. Dort haben wir für 4 Nächte in dem ‚Resort‘ Tranquility Island einen Unterstand mit Bett darin und ein kleines gemauertes Bad dahinter mit einem putzigen kleinen eigenen Strand zwischen den Mangroven. Hier gibt es noch ein paar versteckte Hütten, für das Taucherequipment, das ‚Restaurant‘ sowie ein paar Hütten für die Angestellten. Es ist eine sehr familiäre, freundliche Atmosphäre, in der wir uns geborgen fühlen, denn ein bisschen Abenteuer ist das schon hier. Es gibt Regenwasser zu trinken, aber auch daraus zubereiteter Kaffee.
Ach und es gibt einen Wifi Hotspot am Strand… und die sagenumwobenen vanuatischen Kaninchenwolken.
Kurz hinter der letzten Hütte liegt eine Aufzuchtstation für die seltenen echten Karettschildkröten. Etwa die Hälfte der frisch geschlüpften Jungen, die aus den Nestern auf der anderen Inselseite ins Meer wollen, werden aufgesammelt und zwei Jahre in Tanks hochgepäppelt um dann mit ca. 30 cm Panzerbreite ins Meer entlassen zu werden. Mit dieser Größe werden sie nicht so leicht Opfer von Tintenfischen oder Barracudas. Angeblich schaffen 97% den Übertritt, verglichen mit Bayerns Grundschulen ein beachtlicher Erfolg.
Es soll eine Familie der seltenen Dugongs hier leben, eine Art Seekühe, die sich von Seegras ernähren, das besonders gut sprießt seit der letzte Taifun hier viele Korallen ruiniert hat – wir sind gespannt, ob wir das Glück haben werden, sie zu sehen. Bei unseren 4 Tauchgängen haben wir viele hübsche Fische und auch zwei Karettschildkröten gesehen. Besonders spannend war ein kleiner Krater am Meeresboden, aus dem heißes Wasser strömt, mit dem man sich in 20m Tiefe ein wenig aufwärmen kann. Die Korallenformationen und ihre Vielfalt mit harten und weichen Spezies sind sehr beeindruckend, auf der Südseite der Insel sind sie auch nicht vom Taifun beschädigt worden. Spektakulär sind die Höhlen durch die wir hindurch tauchen und die Überhänge, unter denen sich gerne große Fische verstecken, z.B. ein ziemlich großer Kuhschwanz-Stachelrochen und ein paar fette Lippfische.
We’re far from the shallow now
Mit Tommy, unserem Divemaster
Auf der anderen Inselseite, zum offenen Meer gelegen, gibt es eine große Bucht mit vorgelagertem Riff. Hier liegt Fred’s beach, eine knappe Stunde Fußmarsch durch das Dickicht der Insel. Der große Strand und ein paar Sandbuchten nebst einer großen Höhle gehören uns ganz allein, naja fast ganz allein, denn Socks und Boots, die zwei Hunde von Tranquility Island haben uns freudig begleitet. Nun liegen sie im Schatten der Felsen, an denen sogar Kapern wachsen und warten bis wir in dem Südsee-Kitsch Wasser fertig gebadet und ausgeruht haben.
Die Weiterreise nach Vanuatu war schon spannend. Dem Taifun sind wir um einen halben Tag zuvorgekommen, dann war da noch ein Erdbeben unweit von Tokyo, kurz nachdem wir abgehoben haben… In Fidschi (oder Fiji) mussten wir umsteigen nach Vanuatu (Port Vila). Auch hier hatten wir wieder Glück. Der Technik-Verantwortliche hatte die Normierung der Stromstecker in der Südsee falsch eingeschätzt und plötzlich waren wir von einem totalen blackout bedroht. Zum Glück fand sich auf dem Flughafen der passende Adapter und dieser Brandherd konnte schnell erstickt werden. Der Weiterflug nach Port Vila verzögerte sich, da in der Business Class etwas zu richten war. Gravierender war die Durchsage, dass wegen Überladung des Fliegers 29 Taschen wieder ausgeladen werden mussten. Man möge sich in Port Vila an den Gepäcksuchschalter wenden… Mit Anspannung verfolgten wir das Gepäckband nach der Ankunft in der Schlange vor dem(!) Grenzbeamten und tatsächlich tauchten unsere Rucksäcke nach geraumer Zeit von der kurzen Strecke zum Terminal von einem tropischen Schauer ein wenig gewässert auf dem Band auf, hinter ca. 20 riesigen schwarzen Taschen vermutlich einer Taucher Reisegruppe.
Der avisierte Abholer Carlo war zwar nicht aufzufinden, dafür aber andere Taxifahrer, die versicherten Carlo zu kennen und für die selbe Gesellschaft zu arbeiten. Es gibt ja nicht viele Flughäfen auf dieser Welt, auf denen man den Aussagen der Taxifahrer vertrauen kann, aber hier war es ‚ois isi‘.
Hier ist alles ganz anders als in Japan, nur der Wechselkurs ist sehr ähnlich und leider auch die damit verbundenen Preise. Wir haben eine süße Holzhütte in einem tropischen Wäldchen mit großem Bad im Freien. Es gibt wenige, nach Aussage der Chefin harmlose Mücken und sogar das Leitungswasser kann man trinken. Nach Sonnenuntergang werden die Zikaden eingeschaltet, aus Energiespargründen aber gegen 21 Uhr wieder abgedreht. Wir wohnen an der Ringstraße von Vanuatu, in etwa drei Kilometer Verlängerung von der Startbahn. (Vergleichbar mit Ikea in Freising), aber die Ruhe ist großartig (von kurzen Unterbrechungen durch die Übungen des hauseigenen Alleinunterhalters mit seiner Hammondorgel abgesehen). Hier ist alles viiiel l a n g s a m e r, das Internet, die Bedienung, das Wasser aus der Dusche. Es gibt eine vielfältige Speisekarte, aus der wir uns was spannendes bestellen, bis der Koch kurze Zeit später kommt und erklärt, dass leider alles aus sei, außer einem Reiscurry – naja, wir haben keine Wahl und setzen die Reisdiät fort.
Ganz in der Nähe befindet sich der idyllische Mele Wasserfall, mit einigen Badegumpen mitten im Urwald, zu denen man besser in Badesachen barfuß ‚wandert‘.
Unser Bungalow mit Außenbad
Später erfahren wir, dass der Wasserfall vom nahen Dorf Mele den Chinesen verkauft wurde, tragisch, denn die haben ihn eingezäunt, verlangen einen saftigen Eintritt von 16 € und sperren damit die Dorfgemeinschaft praktisch aus. Dies ist wohl kein Einzelfall im Südpazifik, auch mit zahlreichen Straßen- und anderen Infrastrukturprojekten wird massiv Einfluss ausgeübt, mit dem Ziel, in der Uno Stimmen der kleinen Pazifikstaaten zu kaufen, denn die zählen genauso viel wie jedes andere Land. Australien versucht dagegen zu halten und finanziert Krankenhäuser etc. Ein Wettrennen um Einfluss in der Region, dessen langfristige Folgen die Einheimischen nicht überblicken, wenn das schnelle Geld winkt.
Bevor wir Japan in Richtung Vanuatu, hoffentlich vor Eintreffen des Super Taifuns ‚Hagibis‘, verlassen werden, verbringen wir noch fast drei Tage in Tokyo. Highlights dieser Tage waren:
Die Hochhäuser in dem Viertel rund um den Bahnhof Shinjuku
Die Straßenkreuzung Shibuya in der Nähe des gleichnamigen Bahnhofs
Die Thunfischauktion im Großhandelsmarkt Toyosu früh um 5
Die Fahrt mit der Hochbahn Yurikamome und dem Wasserbus
Die Hochhäuser im Shinjuku Viertel sind architektonisch auffallend um Eigenständigkeit bemüht, keines gleicht einem anderen und jedes hat seinen Stil bzw. eye catcher, sei es in der Form, der Fassadengestaltung oder den verwendeten Materialien. Besonders gefallen hat uns der Sitz der Präfektur Tokyo (vulgo Rathaus) welches in Form eines Doppelturms von Kenzo Tange erbaut wurde und einen kostenlosen Zugang für die Öffentlichkeit im 45. Stock in 202 m Höhe bietet, mit atemberaubenden Rundumausblick.
Der Bahnhof Shibuya gilt als einer der verkehrsreichsten der Welt, an die drei Millionen Pendler kommen hier täglich aus einer der 9 verschiedenen Bahn- bzw. Metrolinien an. Berühmt ist die Kreuzung Shibuya, die in der Grünphase für die Fußgänger (in alle Richtungen gleichzeitig) von einer wahren Völkerwanderung überschwemmt wird.
Um 4 Uhr in der Nacht sind wir aufgestanden, um halb 5 mit dem Taxi quer durch Tokyo zum neuen Großmarkt Toyosu gefahren um rechtzeitig um 5 Einlass zu begehren. Anders als im Reiseführer beschrieben, gab es überhaupt keinen Andrang und wir konnten die Auktion, die etwa um halb 6 begann von einer Galerie (leider hinter Glas) mit bester Sicht verfolgen. Da noch eine geführte Reisegruppe kam, konnten wir die Kommentierung des Reiseleiters, der die Gepflogenheiten und Gesten bei der Versteigerung kannte mitverfolgen. Außerdem wurde über einen Lautsprecher die Tonkulisse der Halle auch auf die Galerie übertragen. Ein spannendes Spektakel, bei dem innerhalb von ca. 90 Minuten hunderte gefrorene Thunfische im Sekundentakt versteigert werden. Erschreckend aber auch, wenn man sieht, welche Mengen an Thunfisch hier täglich umgesetzt werden.
Die Fahrt mit der führerlosen Hochbahn Yurikamome über die Rainbow Bridge, eine große Hängebrücke, die die künstliche Insel Odaiba mit dem Festland verbindet gehörte zu unseren Highlights in Tokyo. Ich habe die Fahrt etwas beschleunigt, für die ungeduldigen Naturen…
anschließend sind wir noch mit dem Wasserbus (naja, eigentlich ein Touristenboot) von Odaiba den Fluss Sumida ca. 1 Stunde flussaufwärts bis zum Tokyo Sky Tree gefahren. Zahlreiche Wohntürme mit 20-30 Stockwerken säumen den Fluss, sicher nicht ganz billig, dort oben zu wohnen. In der ganzen Stadt wird fast jede Brücke renoviert und auf zig Baustellen neue Türme hochgezogen, Olympia 2020 wirft seine Schatten voraus.
Die Skyline von Tokyo, auch wenn man von der Freiheitsstatue rechts verwirrt sein könnte
Hakone ist eine Region nicht weit vom berühmten Vulkan Fuji-san. Hier gibt es vulkanische Aktivitäten, ein Naturschutzgebiet und unwirkliche Stille. Wir nächtigen im teuersten Ryokan unserer Reise am See Ashi, mit Blick auf den Fuji – wenn da nicht die Wolken wären, aber es gibt Berichte, wonach der Fuji schon mal gesehen worden sein soll. Auf dem See fahren drei Geisterschiffe (mit Dieselantrieb) auf und ab, im authentisch-japanischen Piratenstil gehalten. Die Doppelmayr Seilbahn fährt leider im interessanten Abschnitt mit leeren Gondeln, weil die vulkanischen Aktivitäten so zugenommen haben, dass es jetzt nach Schwefel riecht, also zu gefährlich ist. Mit dem Bus kann man das Teilstück umfahren und erkennt, dass hier tatsächlich ‚was los‘ war. In großen Gebieten stehen statt Bäumen nur noch fahle Gerippe, auch nahe der Straße sind ganze Hänge verkohlt.
Das Wetter ist hier auch recht launisch, aber gar nichts lassen wir auf das Außenbecken des Onsens mit Seeblick im 5. Stock und erst recht nicht auf das Abendessen kommen, welches uns von zwei steinalten Hotelangestellten im Zimmer angerichtet wurde, ein Feuerwerk an feinst ziselierten Zutaten, Dekorationen und Geschmäckern. Nach eineinhalb Stunden Tafeln wird abgeräumt und anstelle des Esstisches die Futons im Zimmer ausgebreitet. Der kürzeste Weg ins Bett ever, lange nicht so lange und gut geschlafen!
Eine Nacht haben wir in dem, auf der anderen Seite des Vulkangebiets gelegenen Ort Gora verbracht. Er liegt an einem ziemlich steilen Hang und wird von einem zick-zack fahrenden Zug erschlossen, weil der nicht um die Kurve kommt. Auch für den Bus gibt es eine Drehscheibe am Bahnhofsplatz, weil nicht genug Platz zum Wenden ist. Außerdem fährt eine Standseilbahn durch den Ort, damit man nicht zu sehr schnaufen muss. Es gibt einen hübschen Park zum Verweilen, aber das eigentliche Highlight ist ein Open Air Museum für moderne Plastik, wunderschön in die Landschaft eingebettet, mit zahlreichen Skulpturen fast aller namhaften Bildhauer des 20. Jahrhunderts (soweit wir das als Laien beurteilen können).
Osaka hat uns als zweitgrößte Metropolrergion Japans doch überrascht. Es gibt eine vielfältige und spannende Hochhaus-Szene inmitten zahlreicher Wasserwege. Aber noch erstaunlicher: An vielen Stellen der Stadt, insbesondere an den Kanälen, kann man sich beim Biertrinken oder Essen die klimatischen rauen Bedingungen von ca. 23° Celsius schutzlos zumuten – unerhört für die meisten Einheimischen, die es vorziehen im Inneren der Lokale bei ihren gewohnten 19,57834° das Tageslicht zu meiden. Und Lokale gibt es wirklich unzählige in unserem Viertel Nihombashi, von einfachen Pommesbuden bis hin zu Luxusschuppen, in denen jeder Tisch in einem separaten Zimmer steht, mit Fensterfront auf den Kanal. Einsamkeit und Platz sind eben der ultimative Luxus in Japan. Und noch etwas ist anders in Osaka: Hier schließen nicht alle Gaststätten und Geschäfte schon um 5 oder spätestens 6 Uhr, ja es geht sogar abends richtig lebendig zu in diesem Viertel der Stadt.
Insbesondere – wieder einmal – das Gebäude des Hauptbahnhofs, erst 2013 eröffnet, ist in vieler Hinsicht ein spannender öffentlicher Raum. Es erstreckt sich ein gewaltiger Baukörper mit viel Glas und Stahl über ein dutzend Ebenen, das Labyrinth der Metrogeschosse im Untergrund nicht mitgerechnet. Eine große Brücke überquert die Gleise, die Fläche wird gerade für eine Gartenschau genutzt. Weiter oben gibt es eine Dachterrasse mit Cafe und Laden und ganz oben, das Filetstück des Komplexes ist mit einem Gemüse- und Kräutergarten bepflanzt, auf einer Schräge wachsen zahlreiche Weinreben, Blumenrabatten und Bänke gibt es auch, aber keinerlei kommerzielle Nutzung. Der Blick gleitet von den tollen Hochhäusern in der Nähe bis in die weit entfernten Berge über die endlose bebaute Fläche mit über 17 Millionen Einwohnern.
Man kann sich in Osaka sehr gut die Füße wund laufen, das Netz des öffentlichen Nahverkehrs weist Lücken von der Größe eines Münchner Stadtviertels auf. Es gibt scheinbar keine Busse, nur ein Metrosystem mit einem Abstand der Stationen von ca. 2 Kilometer. Gut, dass wir morgen weiterfahren, um nahe des berühmten Bergs Fuji-San wandern zu gehen…
Absolut futuristisch, technisch perfekt ist das Bahnfahren in Japan – Radfahren und Fahrräder sind dagegen sowas von altbacken, ineffizient, lächerlich, dass man sich eher in Laos, denn in einer der führenden High-Tech Nationen der Welt wähnt. Ist nicht Shimano ein technologischer Vorreiter und Hersteller qualitativ hochwertiger Komponenten? Wo ist Shimano?? Was wir hier sehen, sind Räder die wir selber zu Schulzeiten gefahren haben, klassisches 70er Jahre Design (mit Seitenzug-Felgenbremsen und vielleicht sogar 5-Gang Schaltung) oder Hollandräder (teilweise schon mit E-Antrieb). Praktisch alle Räder sind falsch eingestellt, die Japaner sitzen wie der Aff auf dem Schleifstein, Knie an der Brust, Ellbogen mindestens 90° angewinkelt auf dem immer gleichen Satteltyp, 1 Kg Schaumpolsterung, und haben sichtlich Mühe, Fußgänger abzuhängen. Die Infrastruktur ist von gleicher Güte wie die Räder, keine oder nur bruchstückhaft angedeutete Radwege, fast keine Abstellplätze, etc. Dafür fahren die Radler gerne munter auf den Fußwegen, in unelegantem Slalom durch die Menge.
Gut, das war jetzt vielleicht etwas polemisch, aber nur ein bisschen… Immerhin, später in einem Fahrradgeschäft sehe ich, dass diese Räder neu für 8.900 Yen, also 75 € verkauft werden, da kann man nicht mehr erwarten.
Koyasan ist ein Wallfahrtsort mit jahrhundertealten Klöstern. Koyasan liegt in einer dicht bewaldeten Bergregion, mit der Bahn über eine verwegene Strecke in zwei Stunden von Osaka zu erreichen. Die letzte Etappe geht es mit einer Standseilbahn steil nach oben, bevor man die letzten Kilometer noch mit dem Bus fahren muss. Wir haben uns auf Empfehlung für das Kloster Muryoko-in entschieden um dort zwei Tage an dem Klosterleben teilzuhaben. Hier wird vieles geteilt und gemeinsam gemacht, trotzdem haben wir ein großes eigenes Zimmer, dessen Wände aber nur simuliert werden und tatsächlich aus Papier bestehen. Onsen und Toilette sind einen Stock tiefer. Das Onsen ist aber nur abends geöffnet.
Es gibt ein gemeinsames, traditionelles Abendessen für alle Gäste, eine bunte Mischung aus fast allen Kontinenten. Die Speisen sind nach buddhistischer Lehre ‚rein‘, d.h. enthalten nichts, wofür ein Tier hätte leiden oder sterben müssen sowie keine Zwiebeln oder Knoblauch.
Früh um 6 beginnt der Tag mit einer Zeremonie, an der die Gäste teilnehmen dürfen. Alle Mönche versammeln sich und beginnen mit den Mantras, kurze aber oft wiederholte, halb gesungen, halb gemurmelte Wortfolgen. Im Altarraum sitzen erhöht der Vorbeter und rechts und links von ihm zwei Zeremonienmeister des Feuers. Sie entzünden Holzstäbchen und geben verschiedene Räucherzutaten hinein, mit denen die Hindernisse auf dem Weg zur Erleuchtung symbolisch verbrennen. Irgendwann werden wir aufgefordert, an den einzelnen Statuen vorbei zu defilieren, und die Buddhisten unter den Gästen sprechen jeweils ein Gebet und verbeugen sich. Zum Schluss wird uns, auf einem Hocker sitzend, der Rücken abgetrommelt und endlich sitzen wir wieder auf den Stühlchen und verfolgen das Ritual bis zum Ende, eineinhalb Stunden. Um 8 gibt es gemeinsames Frühstück, ähnlich zusammengesetzt wie das Abendessen. Ein aus der Schweiz stammender, polyglotter Mönch erklärt uns verschiedene Aspekte des Klosterlebens. Was uns erstaunt hat, ist, dass das Kloster quasi in Familienhand geführt und an den ältesten Sohn weitergegeben wird. Die Mönche sind verheiratet und es leben auch Nonnen im selben Kloster. Alle Novizen müssen eine universitäre Ausbildung vorweisen um dann im Kloster erstmal ganz einfache Aufgaben zu übernehmen, z.B. das Servieren des Essens. Meditieren ist die zentrale Aufgabe der Mönche, um die profanen Dinge, wie Einkaufen, Kochen, etc. sollen sie sich nicht kümmern. Die Spenden an die Mönche sind auch keinesfalls als Almosen aufzufassen, sondern zeugen vom Altruismus und der Großzügigkeit des Spenders, einer zentralen Tugend im Buddhismus. Der Mönch erfüllt nur seine Pflicht, indem er die Spenden annimmt.
Das Programm der Gattin sah dann noch vor, auf einem Pilgerweg durch die Berge zu wandern. Weder der Rat des Mönchs, sich die Schildkröte zum Vorbild zu nehmen (schön langsam machen, dann lebt man länger), noch die Ausläufer eines Taifuns konnten daran etwas ändern.
Der Friedhof in Koyasan, Okunin, ist der älteste und berühmteste Friedhof Japans. Er liegt in einem Tal inmitten eines mächtigen Zedernwalds und hat über 200.000 Grabstätten. Der Weg durch den Friedhof mit seinen verwitterten und von Moos überwachsenen Grabmalen erstreckt sich über 2 Kilometer, eine Oase der Ruhe und des Gedenkens, wären nicht auch hier schon die unsäglich knatternden und stinkenden Laubbläser eingeschleppt worden, wie eine Seuche des 21. Jahrhunderts. Der Weg endet an einem heiligen Tempel. Hier wird für die Verstorbenen eine Laterne aufgehängt, die – wir sind in Japan – mit LEDs leuchten. In einer, man muss es so nennen, Lagerhalle hängen die Leuchten dicht an dicht. Aber jede Laterne hat ihren eigenen Spruch für den Verstorbenen.
Es gibt auch einen modernen Friedhofsteil, baumlos, steril, aber mit protzigen Grabmalen für jeden, der es in Japan zu was gebracht hat, Politiker, Künstler, reiche Leute…
Die Gärten in Japan sind von besonderem Zauber. Die strengen Zen Gärten sind nur mit Kies und Felsen gestaltet, Pflanzen treten in den Hintergrund. Der ebene, schön gefurchte Kies symbolisiert das Meer mit seinen Wellen, aus denen sich Fels-Inseln erheben, wie eine ‚Bonsai-Welt‘. Ein besonderes Beispiel ist der Garten des Kongobu-Ji Tempels, Teil des ältesten Klosters in dem bedeutendem Wallfahrtsort Koyasan in den Bergen südlich von Osaka:
Kongobu-Ji in KoyasanGarten in Matsushima
Eine andere Form der japanischen Gärten setzt auf Wasser und Moos als gestaltendes Element. Bäume, meist Kiefern, Zedern oder Zypressen werden stark geformt als Solitäre platziert. Natürlich darf auch der kleinblättrige Ahorn nicht fehlen. In den Teichen tummeln sich Koi Karpfen und den Hintergrund bildet oft ein dichter Wald um den Garten abzuschirmen und als in sich abgeschlossene Welt erscheinen zu lassen. Oft bildet das Zentrum des Gartens ein Teehaus oder ein Tempel.
Diese Gärten werden intensiv gepflegt, besonders die Bäume werden aufwändig in die gewünschte (krumme) Form gebracht und müssen regelmäßig zum Nadelschneiden.
Sorry, es geht schon wieder ums Essen, ist halt ein gewichtiger Aspekt eines Japan-Besuchs. Ort der Handlung: Ein winziges Restaurant in der schmalen Seitengasse Ponto-cho, irgendwo in Kyoto.
Das teuerste Rindfleisch der Welt. Ein 200 gr Steak (Sirloin) kostete in diesem Restaurant, in welchem wir heute diniert haben 33.000 Yen oder ca. 280 €. Im Kühlschrank lagern ungeheure Reichtümer, ganze kilo-schwere Brocken. Vermutlich zahlt der Schlachthof für so ein Rind 6-stellige Beträge. Da sind wir dann auf das ‚günstige‘ Wagyu Rind ausgewichen… Aber auch dieses Fleisch bestellt man besser nur in Sushi-ähnlichen Scheibchen und grillt es dann selber auf seinem eignen kleinen Gasgrill (der auch noch den Vorteil hat, der Klimaanlage ihre Grenzen aufzuzeigen) an der Küchentheke. Zuvor erfolgt die Unterweisung durch den Koch, der ja eigentlich ’nur‘ Metzger ist. Es gibt wahrscheinlich 20 verschiedene benannte Stücke vom Rind in dem Bestellsystem mit Touchscreen an jedem Platz, aber nur 1/3 davon war heute vorrätig, was aber mehr als ausreicht. Jeder Schnipsel Fleisch kommt mit einem Namensschild (nicht wie das Rind hieß, sondern das Fleisch). Die Qualität ist tatsächlich wie von einem anderen Stern, das Fleisch ist feinst marmoriert mit durchaus ordentlichem Fettgehalt, dafür aber so zart, dass man es mit den Stäbchen zerteilen kann. Fazit: Am besten isst man sich vor Besuch eines Steakhauses schon mal satt und lässt sich dann dort die köstlichen Stückchen zum Nachtisch auf der Zunge zergehen. Ein kulinarisches Erlebnis, da schaut selbst der Franzose alt aus.