Der weite Weg in die Freiheit

Tagelanges zermürbendes Warten. Täglich neue Verschärfungen und zunehmende Anfeindungen durch die peruanischen Medien schüren große Ängste in der Bevölkerung – plötzlich erlebt man die Fremdenfeindlichkeit am eigenen Leibe. Die Deutschen sind halt infiziert und die Touristen im Allgemeinen Schuld an der Ausbreitung des Virus. Nur einen Steinwurf entfernt hat es die ersten beiden Todesfälle unter den Touristen gegeben. In unserem Hotel benimmt sich der Manager, als wären wir Aussätzige, Kommunikation von Tür zu Tür über WhatsApp und um das Geld für das Zimmer einzusammeln, schickt er Priscilla vor, es entgegenzunehmen. Priscilla ist froh, dass ihre Quarantäne im Hotel mit unserer Abreise endet und sie zurück zu ihrer Familie kann. Sie hat uns zuverlässig mit Frühstück und Abendessen versorgt, auch wenn es eigentlich immer das Gleiche gab, Reis mit Hühnchen, manchmal aber auch Hühnchen mit Reis. Über die diversen WhatsApp Gruppen erfahren wir, wie es manch anderen geht, die z.B. für Monate in Quarantäne gesteckt werden, weil in ihrem Hostel ein Corona Fall aufgetreten war. Was haben wir da für ein Glück gehabt in unserem Hotel unbehelligt die 16 Tage in Frieden leben zu können.

Die Organisation der Rückreise durch des Auswärtige Amt und die Botschaft in Lima hätten die Behörden jeder Bananenrepublik besser hingekriegt. Ein solches, heilloses Chaos, sowohl im Ablauf als auch in der Kommunikation, man reibt sich die Augen! Die Deutschen waren praktisch die letzten, die Cusco verlassen haben, täglich beobachteten wir, wie die anderen Nationen Flüge oder Busse organisieren. Am letzten Tag vor der avisierten Abreise bekommen wir abends um 8 eine email, die uns anweist, am nächsten Morgen um 6 an einem Sammelplatz in Cusco zu erscheinen.
Um 5 verlassen wir unser Heim und laufen eine halbe Stunde durch das finstere, regnerische, gespenstische Cusco, um uns dann in eine endlose Schlange, versehentlich ganz hinten anzustellen. Bis alle 11 Busse gefüllt sind und die Wartenden mit der Passagierliste abgeglichen sind, vergehen schon 3 Stunden. Am Flughafen wird es nicht besser, die Leute werden auf der Straße entlang der Flughafenmauer aufgereiht, bestimmt 300 m Schlange. Meter für Meter kommen wir dem Eingang zum Flughafengelände näher. Nach erneutem Abgleich mit den Listen legen wir unsere Rucksäcke auf einen leeren Parkplatz in eine Reihe und ein Drogenhund versagt kläglich beim Aufspüren unserer Koka Bonbons.

7 Stunden nachdem wir das Hotel verlassen haben, startet der Flieger in Richtung Santiago de Chile recht mühsam, weil voll beladen in dieser Höhe. Nach einer Stunde Flug nimmt der Kapitän das Gas raus und man fragt sich, was das soll, keine Erklärung aus dem Cockpit. Schließlich landen wir in Iquiqe, da waren wir ja schon mal. Es ist nur zum Auftanken, denn die Landebahn in Cusco ist zu kurz, um in der Höhe vollgetankt abgeben zu können. Im Flughafen von Santiago haben alle Geschäfte geschlossen, bis auf eine Kaffeebar, der erste Cappuccino seit über zwei Wochen! Warum die Maschine nach Frankfurt erst stundenlang aufgetankt wird, nachdem alle schon auf ihren Plätzen sitzen, verrät die Crew nicht. Es ist schon lange finster als es endlich losgeht. Der Pilot fliegt einen weiten Bogen, bevor er Kurs auf Europa nimmt, um erst genügend Höhe für die Andenüberquerung zu sammeln. Das ‚Abendessen‘ kommt in einer Plastiktüte, die gleiche gibt es nochmal zum Frühstück, eine kleine Empanada, gut, dass wir unsere Einkäufe aus Cusco mitgenommen hatten. Nach ca. 35 Std. Reise sind wir zurück in München…

4 Antworten auf „Der weite Weg in die Freiheit“

  1. Lieber Nico,
    welcome back !! Schön dass ihr es auch wieder zurück geschafft habt. Ich bin am letzten Montag noch von Brasilien mit dem letzten KLM-Flug zurückgekommen, aber das war verhältnismäßig einfach.
    Übrigens, auf dem Cerro Toco hab ich vermutlich an der gleichen Stelle wie du gestanden, vor 2 Jahren mit Franz M. 🙂
    LG, Achim

    1. Das ist ja witzig, wart ihr nicht noch auf einem 6000er? Da wäre ja noch der Sairecabur in der Nähe gewesen, den wir uns nicht zugetraut haben. LG Niko

  2. ja, wir waren noch auf dem Uturuncu, 6008m. Der ist in Bolivien, aber auch nicht weit weg. Hättet ihr auch geschaft, nur ca. 350hm zu gehen und einfacher Weg.

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