El Tatio – Die höchsten Geysire der Welt

Diese Attraktion, die jeder Atacama Besucher absolvieren muss, erreicht man nach 90 Km Schotterpiste auf einer Höhe von 4300 m. Nicht genug damit, man muss auch noch spätestens um 5 Uhr morgens losfahren, denn die eindrucksvollen Dampfwolken entstehen nur in der klirrenden Kälte am frühen Morgen. Dutzende Reisebüros bieten diese Tour an und tatsächlich quälen sich ebenso viele Minibusse die staubig steile Piste durch die Nacht. Außer den Lichtern der Autos sieht man nichts, aber immerhin weiß man sich auf der richtigen Strecke. Nach fast zwei Stunden sind wir an der Zahlstelle angekommen, dichter Nebel, grelle Lampen in der immer noch stockdunklen Nacht und das hektische Treiben machen den Eindruck, als würden wir hier in ein Raumschiff verladen werden. Dazu kommt die eigene Benommenheit wegen der Höhe und der Kälte. Aber das Personal ist gut geschult und gibt knappe, klare Anweisungen und so sind wir schnell abgefertigt und die letzten 2 Kilometer zum Parkplatz sind dann in der Kolonne der Busse auch nicht zu verfehlen. Hinter den Bergen dämmert es langsam als wir uns in alle wärmenden Sachen die wir besitzen eingepackt auf den Weg machen, das große Areal zu erkunden. Die Wege zwischen den Geysiren sind mit rot bemalten Steinen eingefasst, der Untergrund ist labil und ein Fehltritt lebensgefährlich. Die vielen Reisegruppen werden mit der Zeit weniger und bald nach dem ersehnten Sonnenaufgang sind wir praktisch alleine. Jetzt erst glitzern die Tropfen der Ausbrüche wie ein Feuerwerk und jeder einzelne zieht eine kleine Dampfwolke hinter sich her. Ein wundervolles Schauspiel!
Als kleines Gimmick kann man in ein Schwimmbad steigen, welches von ein paar heißen Quellen gespeist wird. Nur an den Zuflüssen ist es, sofern man das brühend heiße Wasser ein wenig umrührt, angenehm warm und die Aussicht auf die frisch überzuckerten Andengipfel perfektioniert das Badeerlebnis – aber auch nur, weil die Busladungen jetzt schon längst wieder auf dem Rückweg sind und wir das Bad ganz für uns alleine haben.

Die Rückfahrt nach San Pedro bei Tageslicht birgt eine Überraschung nach der anderen, wir kommen durch erhabene Landschaften, vorbei an mächtigen Vulkanen, Hochebenen mit den wolligen Vicunjas, Sumpfgebiete mit vielen Vögeln (die man in der Wüste wirklich nicht erwartet), Canyons mit riesigen Kakteen und machen unterwegs noch Halt in dem kleinen Dorf Machuca. Vor dem einzigen Gasthaus schmoren lecker marinierte Spieße auf einem Holzkohlegrill. Erst am Nachmittag sind wir zurück in San Pedro und brauchen für diesen Tag wirklich kein weiteres Programm!

Salz bis zum Horizont: Salar de Atacama

In dem riesigen, fast ebenen Salzsee, 4 mal so groß wie der Bodensee, sind nur eine Handvoll Lagunas darin verstreut, die tatsächlich ‚Wasser‘ enthalten und besucht werden können. Jede Laguna hat ihre Besonderheiten, die Laguna Cejar ist, wie die meisten anderen auch extrem salzhaltig und Baden ist erlaubt, aber teuer. Den Spaß lässt sich trotzdem kaum ein Besucher hier entgehen und es ist wirklich einmalig, so an der Oberfläche des türkis schimmernden Salzwassers zu treiben. Zum Glück gibt es Duschen, denn auf dem Weg vom See zu den Umkleiden entwickelt sich schon ein weißer Salzmantel auf der Haut. In dem See nebenan stochern ein paar Flamingos in Schlamm und man fragt sich, was um alles in der Welt hier Fressbares enthalten sein könnte. Ein paar Kilometer weiter sind zwei kreisrunde Wasserlöcher, die wohl artesische Brunnen sind, die aus den Bergen gespeist werden und hier gedeihen einige Wasserpflanzen. Der nächste See, Laguna Tebinquinche, ist kitschig blau und am Rande von blendend weißen Salzablagerungen eingefasst. Hier wachsen ‚Salzpilze‘ in der eingedickten Salzlake, aber die Flamingos finden immer noch was. Eine Besonderheit hier ist das Vorkommen von urzeitlichen Bakterien, die sowohl die hohe Salzkonzentration als auch die starke UV Strahlung tolerieren. Diese Lebensformen existieren nur an ganz wenigen extremen Orten in der Welt, obwohl sie vor über 3 Milliarden Jahren das Leben auf der jungen Erde in Abwesenheit von Sauerstoff und schützender Ozonschicht überhaupt erst möglich gemacht haben. Der Sonnenuntergang taucht die Landschaft in unglaublich intensive Farben: ockerfarbene Ebenen aus Salzkristallen wechseln sich mit grasgrünen und gelben Streifen ab, in denen noch etwas gedeiht. Die Berge und die Wolken darüber leuchten orange und spiegeln sich in dem türkis des Wassers. Langsam geht das Licht zurück und es bleibt ein flammender Rand am westlichen Horizont der Berge, die den Salar de Atacama begrenzen. Im Dunkeln geht es über die staubige Piste zurück.

Atacama – echt atemberaubend

San Pedro de Atacama ist die Drehscheibe des Tourismus in der Region, es liegt am Rande des Salar de Atacama auf 2400 m Höhe. Da steigen Puls und Atemfrequenz spürbar an. Nach ein paar Tagen würde sich das normalisieren, wären nicht fast alle der ausnahmslos spektakulären Naturwunder zwischen 4000 und 6000 m hoch gelegen. Diesmal kein Pech mit dem Mietauto: Einen nagelneuen 4×4 Pickup bekommen, genügsam, gutmütig und bestens für die rauen Bedingungen in der Wüste geeignet. Eine Woche haben wir uns vorgenommen, hier zu bleiben und schrauben die Höhe, in die wir vordringen, täglich nach oben.
Unsere Unterkunft liegt außerhalb des Ortes, einsam und ruhig. Es sind traditionell, im Adobe Stil errichtete niedrige Häuser, deren Dächer nur aus Lehm und Stroh bestehen – es regnet halt doch nicht so viel in der Wüste. Die Räume gleichen die krassen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht hervorragend aus. Die Sicht auf die Kette der Vulkane, alle zwischen 5000 und 6000 m hoch ist gigantisch, besonders am frühen Morgen, bevor die Sonne aufgeht. Nachts ist der Sternenhimmel beeindruckend, aber auch hier greift die Lichtverschmutzung um sich.

San Pedro ist ein lebhaftes Städtchen, im Zentrum ebenso mit hübschen, einstöckigen Lehmbauten aber 70% aller Geschäfte sind Reisebüros, dazwischen muss man die Restaurants schon suchen… Es gibt ein paar Perlen darunter, aber auch die anderen, die es nicht mehr nötig haben, sich um ihre Gäste zu bemühen. Nach einem langen Tag lassen wir uns erschöpft an einem kleinen Tisch im Innenhof fallen und bestellen ein Wasser und einen Pisco Sour als Aperitif während wir die Speisekarte studieren. Der Ober macht Witze und bringt uns den Pisco nicht, denn wir hätten ja noch nichts Festes im Magen. Dann erklärt uns jemand vom Nachbartisch, dass das ernst gemeint war! Tatsächlich scheint es eine Vorgabe des Bürgermeisters zu geben, dass Alkohol nur zusammen mit einer Essensbestellung ausgeschenkt werden darf. Zwei Scheiben Brot aus dem Körbchen gegessen, dass auf jedem Tisch steht und der Ober ist zufriedengestellt und wir beherrschen uns mühsam, nach zwei Schluck Pisco nicht grölend zum Tresen zu torkeln und mehr zu verlangen.