Die Kauri Wälder

Von Auckland sind es fast 4 Stunden Fahrt durch die anfangs sehr hügelige aber hübsche Landschaft gen Norden. Als wir links abbiegen um zur anderen Küstenseite zu gelangen, ändert sich die Landschaft: Weideflächen sind eingezäunt und zahlreiche Rinderherden stehen dicht an dicht. Die Hügel sind jetzt forstwirtschaftlich gründlich zerstört, großflächiger Kahlschlag wird mit Kiefern neu bepflanzt wie ein Maisfeld. Hier sollen also die berühmten letzten Kauri Bäume Neuseelands stehen? Tatsächlich ändert sich hinter einem Schild plötzlich die Vegetation und wir fahren auf einer kurvenreichen kleinen Straße durch einen dichten Urwald mit Palmfarnen und vielen anderen, uns unbekannten Baumarten. Der Campingplatz, den wir uns ausgesucht haben, liegt sehr idyllisch, unweit eines kleinen Flusses am Rand eines urigen Waldstücks, in dem tatsächlich zwei beeindruckend große Kauri Bäume stehen. Diese Bäume wachsen kerzengerade und verzweigen erst in großer Höhe. Ihr Holz ist stabil und war deswegen sehr geschätzt für jede Art von Bau oder Schiff. Dementsprechend wurde der Bestand dezimiert und die traurigen Reste sind nun zwar streng geschützt werden aber von einem Pilz bedroht, gegen den es kein Mittel gibt. Deswegen muss der Wanderer seine Schuhe reinigen und desinfizieren bevor er den Trampelpfad zu den Bäumen betreten darf. Hier zwitschern viele Vögel und besonders nett sind die Sittiche mit ihrem bunten Gefieder.
Auf dem Campingplatz haben wir ein lauschiges Plätzchen am Rande des Waldes gefunden und ich baue das erste mal unser Zelt in einer perfekt gemähten, ebenen Wiese auf. Auch der Gaskocher kommt erfolgreich zum Einsatz. Es schmeckt vorzüglich aus der Pfanne, die billiger war, als das was jetzt darin brutzelt.

Auf einem Nightwalk durch die Kauris erfahren wir von dem Maori-Ranger Erstaunliches über die Tierwelt und die ökologischen Wechselwirkungen und Schäden, die hier seit Eintreffen der Europäer in ungeheurem Ausmaß um sich greifen. Das Artensterben hat hier durch die eingeschleppten Räuber eine ganz andere Dynamik. Das Nationaltier Neuseelands, der Kiwi, wird aussterben, wenn es nicht sehr bald gelingt, Ratten, Possums, verwilderte Hunde und Katzen auszurotten, der Bestand nimmt mit 2% pro Jahr ab. Wir bekommen noch auf der Rückseite eines dicken Stamms die Wetas gezeigt, das sind Riesengrillen! Und in der Nacht hören wir noch zwei der vier Kiwis rufen, die hier in der Nähe des Campingplatzes leben.

Awkland oder der mühsame Anlauf in einem neuen Land

Auckland hat uns am Abend unserer Ankunft mit einer unglaublich leckeren französischen Creperie beglückt. Die kulinarischen Variationen auf den Inseln waren – den verfügbaren Zutaten geschuldet – doch sehr überschaubar. Da waren ein Galette mit Wurst vom Wildschwein, einer Flasche Cidre und anschließendem Käseteller doch eine Offenbarung.

Auch das Appartement im 16. Stock (mit Waschmaschine und Trockner!) war eine willkommene Abwechslung nach den vielen Strohhütten.

Der nächste Tag war dann doch eher eine Serie von Fehlschlägen. Angefangen hat es bei der Autovermietung Hertz, denen ich sehr hertzlich einen Hinterkammer-Infarkt wünsche. Gebucht hatten wir ein Allrad Antrieb, der stand auch auf der Rechnung. Zufällig bemerke ich auf der Heckscheibe einen Aufdruck 2WD, der Blick unter die Hinterachse bestätigt den Verdacht, genauso wie auf Samoa beschissen worden zu sein. Zurück in der Filiale weisen die Mitarbeiter alle Schuld von sich und reden sich mit einem kompletten Austausch der Fahrzeug-Flotte heraus, für den sie ja nicht verantwortlich seien.

Geradezu unterirdisch ist der Auftritt von Lenovo. Die im Internet angegebene Adresse des Repaircenters erweist sich als gähnendes Loch in der Häuserreihe und ein Anruf dort wird geradewegs nach Kalifornien durchgestellt. Auf den Chat im Internet antwortet auch niemand und als ich endlich einen Menschen in Neuseeland am Telefon habe, ist die Verständigung so schlecht, dass kein Gespräch zustande kommt.

Dann haben wir 35€ Parkgebühren zu zahlen in einem Parkhaus, das so eng war, dass wir die halbe Parkzeit mit Rangieren verbracht haben.

Es gäbe aber auch noch was Positives zu berichten: Wir haben ein Zelt gekauft, dass von 500 auf 179 NZ$ reduziert war. Allerdings sind die klimatischen Bedingungen so zweifelhaft, dass auch dieser Preis zu hoch sein könnte.

Als wir uns in einem Billigkaufhaus in einem Außenbezirk von Auckland herumärgern, weil es all das erwartete Outdoor Equipment nicht gibt, tauchen zwischen den Regalen die beiden Kanadierinnen auf, die wir gestern auf Samoa verabschiedet haben. Da das nun schon das 6. zufällige Aufeinandertreffen ist, muss man den Samoanern in ihrem festen Glauben an eine höhere Macht uneingeschränkt Recht geben. Wir haben uns jedenfalls fast schlapp gelacht, als wir uns im Supermarkt nebenan dann nochmal ‚verabschiedet‘ haben.

Dann sind wir zu unserer günstigen Unterkunft, einer sogenannten Cabin, in einem Vorort von Auckland gefahren. Es handelt sich um eine Trabi-artige Pappschachtel im Format eines Schiffcontainers, aber es ist ruhig und es gibt eine Küche in der wir gierig, bei einer Flasche schlechten Rotweins, Spaghetti mit Salat essen. Und es ist drinnen viel wärmer als im Zelt, das noch unausgepackt im Auto liegt.