Resümee

Gut, das Ende war unglücklich gelaufen aber die zwei Wochen Geiselnahme in Peru sollen nicht das halbe Jahr zuvor dominieren.
Was bleibt besonders in Erinnerung?
In Japan: Die höflichen, hilfsbereiten und perfekt organisierten Menschen. Die unbeschreiblich schmackhaften und grandios verzierten Gerichte in den Ryokans. Die bezaubernden Gärten, die Onsen, der Shinkansen und Hiroshima.
Auf Vanuatu: Die besonders herzlichen und neugierigen Menschen. Die urgewaltigen Vulkane im Dschungel. Das Leben mit Sam und seiner Familie aus dem Wald von Ambrym. Die glühenden Fontänen des Yasur und der Blick aus dem Bett auf das Glühen der Wolken über dem Krater. Kisal und seine Art, Mangos im Fahren zu verzehren.
Auf Fiji: Die Yasawa Inseln mit ihrem türkisfarbigen Lagunen und dem Katamaran. Die Vielfalt der Ressorts zum Entspannen, das Schnorcheln und besonders die Begegnung mit den Mantas.
Auf Samoa: Die Langsamkeit allen Lebens in der Hitze. Die offenen Fales mit den gepflegten Vorgärten und die Kirchen, die die Hälfte aller Bauwerke ausmachen. Beeindruckende Lavaküsten mit den berühmten Blowholes
Die absolute Unterschiedlichkeit aller Pazifik Inselstaaten
Neuseeland, Nordinsel: Der schwierige Start mit Campingausrüstung und Zelt. Die mächtigen Kauri Bäume und ihre Gefährdung durch einen Pilzbefall. Der knallgelbe Ginster überall, die glücklichen Kühe auf grünen Weiden ohne Stall. Kiwis sieht man nur im Zoo. Die vielfältigen vulkanischen Aktivitäten rund um Rotorua, aber auch die Überregulierung und saftigen Eintrittsgelder. Die gewaltige Alpine Crossing Tour im Tongariro Nationalpark und der unglaubliche Sturm auf dem Red Crater. Die Glühwürmchen-Höhlen bei Waitomo gehören zu den Top 5 Erlebnissen der Reise!
Neuseeland, Südinsel: Camper schlägt Zelt, besonders bei dem Wetter! Man darf überall campen, nur nicht da, wo’s schön ist. Immer wieder sehr weite Strecken zu fahren, besonders unangenehm bei extremem Seitenwind. Die neugierig-aufdringlichen Keas, die eleganten Albatrosse und die putzigen Zwerg-Pinguine. Der Milford Sound bei optimalem Wetter. Weihnachten in der Sonne in Christchurch. Eine sehr entspannte Zugfahrt von Christchurch zurück auf die Nordinsel.
Französisch Polynesien: Sylvester findet nicht statt. Alles schließt werktags um 16:00, am Sonntag ist es schwer, etwas zu essen zu finden. Alle Touristen leben in Ressorts, die sie nicht verlassen. Tahiti wird überschätzt. Der schmale Streifen Sand namens Rangiroa ist so absurd verloren und winzig in den endlosen Weiten des Pazifiks, dass es fast Beklemmung auslösen kann. Das Tauchen in dem unglaublich klaren Wasser und die blaue Lagune mit den Haien im knietiefen Wasser war einer der absoluten Höhepunkte der ganzen Reise.
Auf der Osterinsel: Hier tobt das (südamerikanische) Leben, Cocktails, Ceviche zum Reinlegen. Die Moai gehören zu den unergründlichsten und faszinierendsten Kunstobjekten dieser Welt. Weiter weg von allem geht kaum.
Chile: Die Natur ist gewaltiger als fast alles, was wir bisher erlebt haben. Die Abwesenheit jeglicher (gefährlicher) Plagegeister ist eine große Wohltat. Spanisch ist essentiell und schwieriger als Englisch, aber nach 2 Monaten geht es schon viel besser.
Patagonien: Die Fahrt mit dem Expeditionsschiff Scorpios III in den Fjorden zu den Gletschern Patagoniens rangiert unter den Top 5 Erlebnissen der Weltreise ziemlich weit oben. Der Nationalpark Torre del Paine, der Perito Moreno Gletscher und die Wanderungen in El Chalten wären jeweils für sich eine Reise wert.
Die Großstadt Buenos Aires war eine tolle Abwechslung zwischen den Naturwundern Patagonien und Atacama.
Atacama: Die Formen und Farben der Wüste, die klare, dünne Luft in der enormen Höhe. Die Besteigung des 5600 m hohen Cerro Torre geschafft zu haben. Die Sterne, die Vicunas, die Flamingos. Unser wunderschöner Wüstenbungalow in San Pedro de Atacama. Hunderte Kreuze am Abgrund entlang der Panamericana auf der Busfahrt durch die Wüste nach Peru.
Peru: Die Kluft zwischen Arm und Reich ist beklemmend, gleich hinter der Grenze. Für die Gourmets gibt’s kein Halten in Arequipa. Cusco liegt höher als auf Dauer gesund ist. Ungläubiges Staunen über die handwerklichen Fähigkeiten der Inkas. Eine der spektakulärsten Bahnstrecken der Welt führt nach Machu Picchu. Corona verwandelt Peru in atemberaubendem Tempo in einen Polizeistaat. Die Unfähigkeit der Deutschen Botschaft bei der Organisation der Rückholflüge ist nicht mehr zu toppen.
Glück:
Dem Taifun in Tokio um wenige Stunden entkommen
Den letzten Manta der Saison getroffen
Liegengelassenen Rucksack mit Foto und Tablett zurück bekommen
Einen Platz auf der Scorpios III mit 50% Rabatt ergattert
Nicht vom Puma gefressen worden
Nur eine Woche durch Corona verloren
Nichts geklaut bekommen, nichts verloren
Pech:
Laptop kaputt – viel Zeit für die Reparatur investiert ohne Ergebnis
Zu viel Wind vereitelt einen Hubschrauberflug zu den Gletschern auf der Südinsel Neuseelands
Zuviel Zeit bei Ärzten verbracht
Machu Picchu nicht gesehen zu haben, einen Tag zu spät dran
Vermisst:
Analoge Reiseführer zum Blättern
Ein Fernglas
Nach 202 Tagen zurück ist es zuhause doch auch ganz nett, aber das liegt wesentlich an den Corona-Umständen – sonst wäre es wahrscheinlich ein Fall in ein ganz schön tiefes Loch gewesen.
Wir sind dankbar für das Erlebte und die Zeit, die wir so reichlich zusammen hatten, das war ein großes Privileg.
Der weite Weg in die Freiheit
Tagelanges zermürbendes Warten. Täglich neue Verschärfungen und zunehmende Anfeindungen durch die peruanischen Medien schüren große Ängste in der Bevölkerung – plötzlich erlebt man die Fremdenfeindlichkeit am eigenen Leibe. Die Deutschen sind halt infiziert und die Touristen im Allgemeinen Schuld an der Ausbreitung des Virus. Nur einen Steinwurf entfernt hat es die ersten beiden Todesfälle unter den Touristen gegeben. In unserem Hotel benimmt sich der Manager, als wären wir Aussätzige, Kommunikation von Tür zu Tür über WhatsApp und um das Geld für das Zimmer einzusammeln, schickt er Priscilla vor, es entgegenzunehmen. Priscilla ist froh, dass ihre Quarantäne im Hotel mit unserer Abreise endet und sie zurück zu ihrer Familie kann. Sie hat uns zuverlässig mit Frühstück und Abendessen versorgt, auch wenn es eigentlich immer das Gleiche gab, Reis mit Hühnchen, manchmal aber auch Hühnchen mit Reis. Über die diversen WhatsApp Gruppen erfahren wir, wie es manch anderen geht, die z.B. für Monate in Quarantäne gesteckt werden, weil in ihrem Hostel ein Corona Fall aufgetreten war. Was haben wir da für ein Glück gehabt in unserem Hotel unbehelligt die 16 Tage in Frieden leben zu können.
Die Organisation der Rückreise durch des Auswärtige Amt und die Botschaft in Lima hätten die Behörden jeder Bananenrepublik besser hingekriegt. Ein solches, heilloses Chaos, sowohl im Ablauf als auch in der Kommunikation, man reibt sich die Augen! Die Deutschen waren praktisch die letzten, die Cusco verlassen haben, täglich beobachteten wir, wie die anderen Nationen Flüge oder Busse organisieren. Am letzten Tag vor der avisierten Abreise bekommen wir abends um 8 eine email, die uns anweist, am nächsten Morgen um 6 an einem Sammelplatz in Cusco zu erscheinen.
Um 5 verlassen wir unser Heim und laufen eine halbe Stunde durch das finstere, regnerische, gespenstische Cusco, um uns dann in eine endlose Schlange, versehentlich ganz hinten anzustellen. Bis alle 11 Busse gefüllt sind und die Wartenden mit der Passagierliste abgeglichen sind, vergehen schon 3 Stunden. Am Flughafen wird es nicht besser, die Leute werden auf der Straße entlang der Flughafenmauer aufgereiht, bestimmt 300 m Schlange. Meter für Meter kommen wir dem Eingang zum Flughafengelände näher. Nach erneutem Abgleich mit den Listen legen wir unsere Rucksäcke auf einen leeren Parkplatz in eine Reihe und ein Drogenhund versagt kläglich beim Aufspüren unserer Koka Bonbons.
7 Stunden nachdem wir das Hotel verlassen haben, startet der Flieger in Richtung Santiago de Chile recht mühsam, weil voll beladen in dieser Höhe. Nach einer Stunde Flug nimmt der Kapitän das Gas raus und man fragt sich, was das soll, keine Erklärung aus dem Cockpit. Schließlich landen wir in Iquiqe, da waren wir ja schon mal. Es ist nur zum Auftanken, denn die Landebahn in Cusco ist zu kurz, um in der Höhe vollgetankt abgeben zu können. Im Flughafen von Santiago haben alle Geschäfte geschlossen, bis auf eine Kaffeebar, der erste Cappuccino seit über zwei Wochen! Warum die Maschine nach Frankfurt erst stundenlang aufgetankt wird, nachdem alle schon auf ihren Plätzen sitzen, verrät die Crew nicht. Es ist schon lange finster als es endlich losgeht. Der Pilot fliegt einen weiten Bogen, bevor er Kurs auf Europa nimmt, um erst genügend Höhe für die Andenüberquerung zu sammeln. Das ‚Abendessen‘ kommt in einer Plastiktüte, die gleiche gibt es nochmal zum Frühstück, eine kleine Empanada, gut, dass wir unsere Einkäufe aus Cusco mitgenommen hatten. Nach ca. 35 Std. Reise sind wir zurück in München…







