Der Flug von Bora Bora nach Huahine soll 20 min dauern, die Flugzeit wird sich aber durch eine eingefügte Zwischenlandung auf Raitea verdoppeln. Kaum ist die Durchsage beendet, was alles an Bord während des Starts nicht erlaubt ist, beginnt das Band für die Maßnahmen bei der Landung. Dazwischen gibt es zum Abschied einen wunderbaren Ausblick auf das teuerste Reiseziel der Welt…
Auf Huahine haben wir uns den Luxus eines Auf-dem-Wasser Bungalows geleistet, in einer kleinen Anlage, die nur mit dem Boot erreichbar ist. Die kleine Bucht in der bergigen Landschaft ist eingerahmt von tropischem Wald und absoluter Ruhe. Die Bungalows sind schon etwas in die Jahre gekommen, aber dadurch preislich gerade noch diesseits der Schmerzgrenze, es wird dennoch die teuerste Nacht dieser Reise werden. Der große, hohe Raum, die Terrasse über dem Wasser, die Aussicht, die exklusive Abgeschiedenheit sind einmalig schön. Man kann direkt zum Schnorcheln ins Wasser steigen oder sich ein Kajak nehmen, um die Lagune zu erkunden. Am Abend schaut noch eine Gruppe Adlerrochen vorbei, aber wir haben keine passenden Köder und so ziehen sie viel zu schnell weiter. Die kleinen bunten Fischlis aus dem Korallenstock unter uns mögen die Bröckchen vom alten Baguette dagegen sehr.
Natürlich werden auch auf Bora Bora Ausflüge und Aktivitäten aller Art angeboten. Wir entscheiden uns für einen Halbtages-Bootsausflug mit Schnorchel Einlagen. Die Empfehlung dazu hatten wir schon auf Rangiroa von einem deutschen Pärchen bekommen. Wir haben das Glück, ein Boot ganz für uns zu haben, es ist Nebensaison und da sind dem Kapitän Mata die 2 Spatzen in der Hand auch recht. Seine Frau (er nennt sie ‚mon Patron‘) ist auch dabei und wir müssen uns mehr oder weniger auf französisch unterhalten, was aber nach einer Woche reinhören langsam besser wird. Die Fahrt geht zunächst an den Rand der Lagune, wo das Wasser quietsch türkis und nur hüfttief ist. Schon von weitem sieht man Boote und Menschen im Wasser und noch bevor wir die Stelle erreichen, schwimmen zahlreiche Rochen, mehr Schatten als Fisch, auf das Boot zu. Das ist also die Attraktion hier. Kaum im Wasser sind wir umringt von dutzenden Haien und Rochen und hunderten anderer hübscher Fische, die auf die mitgebrachten Leckereien warten. Sie sind hier noch zutraulicher, um nicht zu sagen handzahm, als auf Rangiroa. Besonders die Rochen, manche bestimmt einen Meter im Durchmesser, kann man sich mit einem kleinen Stückchen Fisch, vor deren Nase gehalten, fast wie einen Lappen um den Bauch wickeln, wenn man mag. Sie fühlen sich wie sehr zartes Leder an. Wahrscheinlich würden Meeresbiologen die Nase rümpfen, aber die Rochen müssten ja nicht Bussi Bussi machen und würden trotzdem – wie die Haie – satt und zufrieden, kaum noch in der Lage zu schwimmen, nach Hause treiben. Als einer der Haie einen ganz fetten Brocken erwischt, wird es einen Moment lang etwas mulmig. Er würgt, in wilder Flucht, so schnell es eben geht die Beute herunter. Seinen Kollegen ist das nicht entgangen, in ihrem Frust schnappen sie den anderen Fischen hinterher, die aber schneller ausweichen können als ich. Aber es beruhigt sich ohne Verlust an Körperteilen. Das bleibt jedenfalls in den Top 10 der Erlebnisse mit wilden Tieren.
Die Anreise nach Bora Bora erfolgt natürlich mit dem Flugzeug von Papeete, vorbei an Huaine, Raiatea und Tahaa, und ist schon ein Erlebnis für sich. Der Flughafen von Bora Bora liegt wiederum auf einer vorgelagerten Insel und man steigt vom Flugzeug in einen chicen Katamaran, um noch ein paar Kilometer durch die Lagune mit Blick auf die zerklüfteten Berge Bora Boras bis zum Hauptort Vaitape zu gleiten. Dann geht’s mit dem Bus weiter, der uns direkt in unser Hotel ‚Royal Bora Bora‘ bringt – im Vergleich zu Rangiroa 10 Stufen weiter oben auf der Luxusskala.
Bora Bora ist ein Hype, besonders die Amerikaner scheinen von hier wie magisch angezogen um ihre Flitterwochen zu verbringen. Schade um die Insel, denn sie leidet. Praktisch alle Motus, die sich um die Hauptinsel aufreihen und den Rand der Lagune markieren sind von internationalen Hotelketten gekauft und mit Stelzenbungalows in der Lagune gepflastert, so monoton wie eine neu gebaute Reihenhaussiedlung. Warum sich so viele finden, die gerne 1000€ die Nacht dafür ausgeben, ist mir ein Rätsel. Die Einheimischen leiden auch unter den Preisen im Supermarkt und beklagen sich auch hier über die Chinesen. Zur Not wären da noch ein paar Kanonen der Amerikaner aus dem letzten Weltkrieg…
Mit einem ganz passablen Mountain Bike habe ich die Insel auf der Küstenstraße umrundet, ca. 32 km (Susi hatte sich einen Tag auskurieren müssen). Es ist Mangozeit und überhall hängen die Früchte prall und bunt an den Bäumen oder liegen schon matschig und angegoren auf der Straße. Die Ausblicke in die Ferne sind grandios, aber am Straßenrand schaut es so aus, als würde morgen der Sperrmüll eingesammelt, oft qualmt noch ein schwelender Müllbrand und verpestet die Luft, gut, dass immer ein Wind bläst. Zusammengefasst: Bora Bora wird überschätzt.
Aber schöne Sonnenuntergänge können sie schon hier, vielleicht unfreiwillig unterstützt von den australischen Buschfeuern
Tahiti hatte ja noch was gut zu machen, von Silvester und Neujahr. Das ist mit dem Ausflug in die blaue Lagune, eine Lagune innerhalb des Rangiroa Atolls mehr als gelungen. Nach einer Stunde Bootsfahrt erreichen wir eine Landschaft, wie von einer dieser Fototapeten, die in den 70ern so modern waren – aber ganz ohne Photoshop. Die Farben wie aus der Sprühdose lackiert, fast blendend weißer Sand, rosa Sand, sattgrüne Palmendschungel und alle Blautönungen im 30° warmem Wasser, die man auch mit 4.294.967.295 Farben nicht malen kann.
Am Rand der Lagune machen wir halt in Shark City – es wimmelt nur so von Haien, die sich in dem klaren Wasser auf weißem Sand wunderbar beobachten lassen. Aber Hallo, da kommt die nachdrückliche Aufforderung des Kapitäns: Flossen anziehen, Taucherbrille auf und raus ins Meer. Ach, wirklich? Zu unserer Ausflugsgesellschaft zählen auch eine einheimische Familie und Familienangehörige des Kapitäns und nachdem diese die Worte des Kapitäns nicht (wie wir) für einen Scherz gehalten haben und sich tatsächlich ihre Ausrüstung anlegen, kann es ja so gefährlich nicht sein. So springen wir also hinein und lassen uns von den vielleicht 20 Schwarzspitzen Riffhaien umkreisen, mal näher, mal ganz nah und sie beißen wirklich nicht. Endgültig überzeugt sind wir, als die vielleicht 4 jährige Tochter, in einen Rettungsring gesteckt, ebenfalls ihre Füße den Haien vors Maul hält. Auch ein Zitronenhai ist mit von der Partie. Nachdem wir alle wieder an Bord sind, ist klar was hier gespielt wird: Der Kapitän hat einen großen Thunfischkopf im Sack und nun beginnt des Spektakels zweiter Teil, der die Haie sichtlich mehr animiert, als die Beine der Schnorchler. Ein wildes Geraufe um die besten Stücke entbrennt und manch ein Hai lässt sich sogar, in den Köder verbissen, gänzlich aus dem Wasser ziehen.
Zu lang um sich zu verstecken
Dann geht es weiter hinein in die Lagune, vorsichtig um die Korallenstöcke manövriert, in das bald nur noch knietiefe Wasser. Die letzten 100 Meter waten wir durch das Badewannenwasser mit feinem weißen Sand, alle Vorräte für das Mittagessen in schwimmfähige Kühlboxen verpackt, zu einer der kleinen Inseln, auf der es unter den Palmen eine offenen Küche und einen großen Tisch unter einem Dach gibt. Diese Insel, so erfahren wir später, gehört der Familie und es hat den Eindruck, als kämen sie hier zu einem Wochenendausflug her. Der Grill wird angeheizt und während wir in der Lagune schnorcheln, die Insel zu Fuß umrunden und mit den ganz kleinen Haien in dem flachen Wasser spielen, bereitet der 2. Kapitän und Sterne-Koch ein phantastisches Mittagessen aus frischem Fisch, Kokosbrot und einem Topf Reis. Während die Gäste essen, spielt der Kapitän auf seiner Ukulele und die Einheimischen singen mit.
Für die Rückfahrt gibt es noch zwei extra Programmpunkte. Der Kanal beim Dorf Avatoru hat sich in einen reißenden Strom verwandelt, da die Ebbe das Wasser auf den Ozean hinauszieht. Noch ungläubiger als bei den Haien sind wir, als es wieder heißt: Raus zum Schnorcheln. Aber auch hier war es nicht der Versuch, sich der Touristen zu entledigen, sondern ein gemeinsames Erlebnis, als alle auf ein Kommando vom Boot sprangen um ein paar hundert Meter mit der Strömung zu treiben und unter Wasser die Fischschwärme zu beobachten, die sich auch nicht die Mühe machen, gegen die Strömung anzuschwimmen. Wieder im Boot ging es noch etwas weiter durch den Kanal bis zu dem Punkt an dem sich die Brandung am Außenriff bricht und dort befindet sich ein toller Surfspot und tatsächlich war ein Surfer unterwegs mit einem Bodyboard, also eine Art angeschnalltes kleines Surfbrett, mit dem er einige tolle Ritte absolviert hat. Was für ein Tag, vielleicht der beste der ganzen Reise bisher!
Das Rangiroa Atoll hat einige offene Passagen zum Ozean. Einer der größten und mit ca. 15 m auch tiefsten Durchlässe ist der Tiputa Pass. Fische und Delphine begeistern sich für diese Gegend weil sie mit jeder Flut und Ebbe durch die starke Strömung wie von einem Futterautomaten versorgt werden – die kleinen Fische vom Plankton und die großen Fische mit den kleinen. Und Taucher und Schnorchler mögen natürlich zuschauen. Mit der Strömung zu tauchen ist ein besonderes Erlebnis, fliegen unter Wasser sozusagen. Die Kraft des Wassers ist gewaltig und durch den Düseneffekt an der flachsten Stelle erreicht man ein Tempo von vielleicht 20 km/h. Da muss die Steuerung des eigenen Auftriebs schnell und sicher erfolgen, sonst schrammt man wo gegen oder die Strömung drückt einen zu schnell nach oben. Bevor uns die Strömung erfasst, gab es aber auch schon eine Menge zu sehen. Die Sichtweite am Außenriff ist mit 40-60 Meter spektakulär, nach oben und unten sind es jeweils 20 Meter und da kommt man sich doch ziemlich klein und ein wenig verloren vor. In der Tiefe drehen vielleicht 30 Haie ihre Kreise, auf ganz kurze Distanz kommt ein stattlicher Napoleon Fisch heran, es muss schon Neugier gewesen sein, denn Platz zum Ausweichen wäre ja genug. Auch Barracudas und richtig große Kofferfische schwimmen auf Augenhöhe vorbei. Eine Karett-Schildkröte kämpft genauso mit der Strömung wie wir und kriegt ihre Lieblingskorallen nicht zu fassen. Ein Manta zieht unter uns vorbei und immer wieder ballen sich hunderte Fische in kugelförmigen Schwärmen zusammen. Ausnahmsweise von unten sehen wir eine Gruppe Delfine, leider haben sie keine Lust zum Spielen zu uns abzutauchen. Hammer- und Tigerhaie soll es hier geben, aber ob man die so aus der Nähe sehen will, noch dazu wo hier alle Fische viel größer sind, als man sie sonst so kennt? Etwas neidisch bin ich da schon, dass Susi beim Schnorcheln so einen 4 Meter langen Hammerhai entdeckt, während beim Tauchen nur die viel kleineren Riffhaie zu sehen waren.
Eine Flugstunde nordöstlich von Tahiti liegt Rangiroa. Das Atoll hat gewaltige Ausdehnungen, 40*80 km. Sein Rand wird teilweise von bewohnbaren, schmalsten Inselstreifen markiert, aber es fühlt sich an, wie auf einem kleinen Floß in der unendlichen Weite des Ozeans. Wir haben eine bescheidenes Zimmer direkt am Strand vor dem gebügelt ausgebreiteten Wasser, aber mit Palmen, die etwas Schatten spenden und Tischen mit palmgedeckten Sonnendächern. An Neujahr hat auch hier fast alles zu, bis auf einen Dorfladen. Aus dem Sortiment wählen wir das Attraktivste – eine Dose gekochte Linsen und eine Dose Ravioli, die wir in der Mikrowelle der ‚Küche‘ aufwärmen werden. Da uns auch eine kleine Abteilung im Kühlschrank zusteht, kommt noch ein Liter Milch (4,50€) und etwas Käse dazu, man gönnt sich ja sonst nix. Aber die größte Überraschung ist ein Stapel, von Weihnachten übrig gebliebener Panettone Pakete… Trotzdem markiert das den kulinarischen Tiefpunkt der vergangenen 110 Tage.
Wendet man den Blick vom fernen Sonnenuntergang auf das knietiefe Wasser zu seinen Füßen, sieht man häufig kleine schwarze Dreiecke vorbeiziehen, es wimmelt nur so von Haien, allerdings harmlosen Schwarzspitzen Riffhaien, die hier jeden Abend zu Bett gehen… Und morgen wird es wieder spannend, versprochen!
Viele Menschen sind es nicht, die zwei mal Silvester feiern können, denn über die Datumsgrenze gibt es kaum Flugverbindungen, da hatten wir uns was eingebildet, an Neujahr von Auckland nach Papeete zu fliegen. Aber… Die Hauptstadt französisch Polynesiens auf der Insel Tahiti ist am Silvesterabend und am Neujahrstag komplett geschlossen. Wir sind weite Wege gegangen, an der Hafenpromenade entlang in das Zentrum, aber außer Obdachlosen war niemand auf der Straße. Alle Läden, Restaurants und Bars, sofern es diese überhaupt gibt, waren zu. Eine einzige Silvesterparty auf dem Hauptplatz der Hauptstadt ist eine geschlossene Veranstaltung, kein Einlass, wenn man nicht auf der Liste steht und entsprechend gekleidet ist. Zum Glück haben wir am Abend in einem Supermarkt noch ein Baguette, etwas Käse, Salami und Tomaten ergattert. Sonst hätten wir nix zu essen gehabt, denn auch das Hotel war in soweit geschlossen, als nur der Schlüssel zu unserem Zimmer auf dem Tresen lag – die scheinbar taubstummen Gäste verschwanden im Lauf des Abends von der Veranda zum Flughafen. Immerhin tauchte ein Schweizer Ehepaar auf, mit dem man sich unterhalten konnte, bis sie kurz vor Mitternacht ins Bett mussten. Im etwas entfernten Stadtzentrum konnte man dann eine Handvoll Raketen erahnen, vermutlich von der Party. Wahrscheinlich hat der Frust darüber, die letzten auf der Welt zu sein, die das neue Jahr begrüßen, zu einer trotzigen, selbst gewählten Ausgangssperre geführt. In weiser Voraussicht hatte ich die letzten NZ$ am Flughafen in Auckland in eine Flasche Rotwein investiert, aber die Menge Alkohol hat nicht gereicht, über das Elend hinwegzusehen. Immerhin kann es im neuen Jahr nur besser werden, morgen geht es weiter nach Rangiroa.