Zelten im Dampfbad

Fast das Highlight des Tages und Kompensation für den Zeltparkplatz in Rotorua war der Campingplatz Waikite Valley Hotpools. Hier entspringt aus mehreren Quellen kochend heißes Wasser, aus der größten mit 50 Liter/s. Der Campingplatz nutzt ein Teil des Wassers um seine 7 Pools zu füllen, jeder mit etwas anderer Temperatur und Ambiente. Abends wird das Wasser aus den Becken abgelassen um über Nacht frisch befüllt zu werden. Das frische Quellwasser wird über einen ausgeklügelten Prozess von 98° auf ca. 40° abgekühlt, damit man sich in den Becken nicht verbrüht. Die Quelle ist ein sprudelnd kochendes Becken mit ca. 4 m Durchmesser, welches man ab und zu sehen kann, wenn der Wind die dichten Dampfschwaden für Sekunden vertreibt.

Der Bach, der am Zeltplatz entlang fließt, dampft genauso und nachts ist die Gegend in dichten Nebel gehüllt, alles wird tropfnass, bis am Morgen sich die Sonne nützlich macht, damit man das Zelt trocken wieder einpacken kann.

Ach ja, hier treffen wir einen jungen Mann, Philip, der aus der Gegend südlich von München kommt und kürzlich beruflich in Hongkong zu tun hatte. Was genau war wohl geheim, zumindest solange bis sich herausstellt, dass er bei G+D bzw. der Papierfabrik Louisental arbeitet – manchmal ist die Welt schon sehr klein…

Heiße Quellen und Sinterterrassen

Auf dem Weg zwischen Rotorua und Taupo liegen zahlreiche geologische Attraktionen. Da diese Gegend eine vulkanisch sehr aktive Zone ist, treten an vielen Stellen heißes Wasser und mineralische Dämpfe an die Oberfläche. Besonders imposant war das Thermalgebiet von Waiotapu. Dort gibt es einen Geysir, der täglich um 10:15 vor Busladungen von Schaulustigen mit etwas Seife zum Ausbruch gebracht wird, Seifenblasen inklusive. Danach kann man auf ausgedehnten, schön angelegten Holzbohlenwegen durch das Thermalgebiet wandern und die vielen Sinterterrassen und besonders die farbigen Seen bewundern. Einer der Seen ist so krass gelb-grün, dass man seinen Augen nicht traut (und hat einen PH Wert von 2, so dass der eugierige Finger besser draußen bleibt). Einer der kochenden Krater hat einen Durchmesser von 65m und ist mit farbenprächtigen Einfassungen versehen. Überall blubbert und brodelt es und zwischendrin sind ein paar von den faulen Vögeln, die sich hier die Eier im warmen Boden für umsonst ausbrüten lassen, anders als die Touristen, die für jedes heiße Loch happig zahlen müssen.

Heiß gelaufen

Das Thermalgebiet Te Puia

Fast noch in der Stadt Rotorua liegt das Thermalgebiet Te Puia auf Maori Grund und wurde von den dort lebenden Familien zu einem komplett durchorganisierten Massenbetrieb ausgebaut. Parkplätze für hunderte Autos, Besucherzentrum mit Führungen und Maori Culture Shows inclusive. Wir haben an einer Show teilgenommen und waren überrascht, wie ähnlich sie zu der Fiafia Vorführung in Samoa war (die allerdings ungleich virtuoser war). Die Maori sind ja auch erst um ca. 1300 n. Chr. von Polynesien nach Neuseeland gelangt. Die eigentliche Attraktion ist jedoch der Geysir Pohutu, der größte der südlichen Halbkugel. Er bricht 1-2 mal die Stunde aus und sein Ausbruch wird freundlicherweise von einem kleineren Nachbar Geysir angekündigt. Der Ausbruch erfolgt nicht so schlagartig, wie wir das von Island oder dem Yellowstone Park kennen sondern eher zögerlich, dauert dafür aber deutlich länger. Die Fontäne geht dennoch beeindruckend weit nach oben, aber die 30m aus dem Prospekt erreicht er heute nicht so ganz. Der Wind treibt die Nebelschwaden vor sich her und wer am falschen Platz steht, bekommt eine ordentliche Dusche ab. Wenn nach ein paar Minuten der Geysir zur Ruhe kommt, plätschert auch kein Wasser mehr über die Sinterterrassen, nur bescheidene Dampfschwaden markieren das Loch.

Erst vor wenigen Wochen wurde als weitere Attraktion ein Kiwi Nachtgehege eröffnet. Drei Vögel befinden sich darin und tatsächlich ist einer wach und stochert hinter der dicken Glasscheibe mit seinem langen Schnabel in dem losen Waldboden herum. Kiwis können bis zu 60 Jahre alt werden, dieser hier ist aber noch recht jung und kaum größer als ein Huhn. Seine Art zu Laufen ist aber wirklich putzig.

Rotorua und der grauslige Zeltplatz

Hier in Rotorua gibt es so viel zu sehen, dass es ein richtiger Stress ist, das Wichtigste in dem berühmten Thermalgebiet auszuwählen und in einen Plan zu gießen. Der Ort selber ist von erschreckender Gesichtslosigkeit. Das eigentlich wunderschöne Seeufer liegt brach und alle Restaurationen befinden sich in einer Art überdachter Einkaufsstraße in nur mühsam ausgekleideten Lagerhallen aus Wellblech. Der Campingplatz liegt zentral, was bei Hotels üblicherweise die Umschreibung für ständigen Verkehrslärm ist – auch hier trifft das zu, und es ist tatsächlich so, als würde man auf dem kleinen Grünstreifen eines Supermarktparkplatzes zelten. Wir sind umstellt von Wohnmobilen aller Größen, zelten tun wohl nur die Mittellosen, jedenfalls nicht die anderen deutschen Touristen, die den Platz scheinbar exklusiv besetzt haben. Und weil es grad praktisch war, haben wir auch noch für zwei Nächte bezahlt. Da werden wir wohl zukünftig etwas besser aufpassen müssen. Immerhin gibt es zwei kleine Thermalwasserbecken in die man sich zur Beruhigung legen kann. Die sonstige Ausstattung ist perfekt, allerdings brauchen wir weder Hüpfburg noch Fernsehraum. Seit wir uns für 49$ als Mitglied dieser Campingplatzkette haben ködern lassen sparen wir 10% auf den Übernachtungspreis und hätten auch sonst noch hier und da einen Discount, würden wir rechtzeitig daran denken, den Mitgliedsausweis zu zücken.

Coromandel Halbinsel

Ein ganzer Fahrtag war es von der Bay of Islands zu unserem nächsten Ziel nach Coromandel. Neuseeland ist nicht nur größer als gedacht auch die Straßen folgen jeder Laune der Geographie ganz exakt. Und da es viele Hügel und Berge gibt, fährt man nicht nur langsamer sondern auch noch sehr indirekt seinem Ziel entgegen. Auf Coromandel gibt es als wesentliche Attraktionen den Hot Water Beach und die Cathedral Cove. Unweit des Hot Water Beach finden wir einen ganz passablen Campingplatz, allerdings ohne besonderen Charme, aber unser Platz liegt ganz nett direkt an einer enorm hohen Bambushecke, der neue Trieb wächst 10cm am Tag, nachgemessen.

Am Hot Water Beach kommt ca. 60° heißes Wasser aus dem Untergrund. Bei Ebbe kann man sich mit einem ausgeliehenen Spaten eine kleine Badewanne graben, die sich sogleich ganz von selbst mit warmem Wasser füllt. Je nach Lage ist es heißer oder kühler. Wenn man sich schön aufgewärmt hat, ist der Weg in die Brandung zum Abkühlen bei 17° nicht weit. Den Spaß teilt man sich aber mit Dutzenden anderen Badegästen, aber der Strand ist groß und anders als bei den Möven gibt es kein Geschrei um die besten Plätze.

Am Nachmittag fahren wir wenige Kilometer zur Cathedral Cove, zwei Buchten mit wunderschönen fast weißen Felsformationen, verbunden durch eine tatsächlich Kirchen-artigen monumentalen Durchbruch im Felsen. Allerdings sind die Buchten vom Parkplatz in einer guten Stunde über einige An- und Abstiege zu erwandern, auch hier sind wir keineswegs die einzigen – der Strand ist aber groß genug für alle.

Spät sind wir am Campingplatz zurück und bereiten uns zum testen für unseren Great Walk eine dehydrierte Fertigmahlzeit in einer Aluminiumtasche zu, geschmacklich durchaus ansprechend, aber ob man nach einem anstrengenden Wandertag zu zweit aus so einem Beutel satt wird?

Bay of Islands

An der Nord-Ost Küste Neuseelands liegt die Bay of Islands. 144 größere und kleinere Inseln liegen hier im flachen Meer, oft kaum zu unterscheiden vom Festland, welches von vielen Buchten stark strukturiert ist. Mit einem quietscht gelben Katamaran fahren wir bei gefährlich strahlendem Sonnenschein hinaus um neben den Inseln auch Delphine und ein Loch im Felsen zu sehen. Der Kapitän sei heute das erste Mal auf der Brücke, bemerkte einer von den maximal tätowierten einheimischen Seebären an Bord. Zunächst waren wir noch von einem Scherz ausgegangen (Die Neuseeländer machen gerne mal einen Witz auf Kosten der Kollegen), wurden aber beim ersten Anlegen eines besseren belehrt. Aber im Laufe des Tages wurden die Manöver immer besser und der einweisende Kapitän griff seltener ein. Delphine haben wir dann auch noch gesehen und die Wanderung auf einer der Inseln war besonders schön, mit fantastischen Blicken über die Bay. Das besondere an diesen Inseln ist, dass man mit großer Mühe und viel Gift die eingeschleppten Räuber beseitigt hat und nun seltene, bodenbrütende Vogelarten wieder ansiedeln konnte. Welche der vielen Flugfaulen jetzt die besonderen waren blieb uns allerdings verschlossen.

Die Kauris in den Mythen der Maori

Die Kauri Bäume sind nach den Sequoias die zweitgrößten Bäume der Welt. Wir besuchen den Tane Mahuta (Gott des Waldes), der ca. 2000 Jahre alt sein soll. Ein Gigant im Wald, von den Maori als Vater allen Lebens verehrt. Er ist über 50 m hoch, hat einen Stamm mit ca. 6m Durchmesser und bis in eine Höhe von 14m keinen Ast (245 qm Holz). Ein anderes Exemplar, den Tematua Ngahere (Vater des Waldes), ist vermutlich noch 500 Jahre älter, hat einen noch dickeren Stamm, schaut aber altersbedingt in der Krone schon arg gerupft aus.

Es erscheint uns unvorstellbar, wie es die europäischen Siedler (eigentlich Invasoren) es in wenigen Jahrzehnten geschafft haben, mit den damaligen Werkzeugen in dem Land derartig gründlich den Urwald mitsamt diesen riesigen Kauris zu vernichten. Seit einigen Jahren gehört das Land jetzt wieder formell den Maori, na toll. Das Fällen von Kauris ist mittlerweile verboten, nur die Maori dürfen für rituelle Handlungen (z. B. den Bau eines Kanus) noch Bäume schlagen.

Der Begriff des Waldbadens könnte ebenso gut von den Maori stammen. Die Ehrfurcht vor den Bäumen war bei dem Gebet in den Wald unseres Guides auf Te Reo Māori auch ohne Übersetzung zu spüren.

Die Kauri Wälder

Von Auckland sind es fast 4 Stunden Fahrt durch die anfangs sehr hügelige aber hübsche Landschaft gen Norden. Als wir links abbiegen um zur anderen Küstenseite zu gelangen, ändert sich die Landschaft: Weideflächen sind eingezäunt und zahlreiche Rinderherden stehen dicht an dicht. Die Hügel sind jetzt forstwirtschaftlich gründlich zerstört, großflächiger Kahlschlag wird mit Kiefern neu bepflanzt wie ein Maisfeld. Hier sollen also die berühmten letzten Kauri Bäume Neuseelands stehen? Tatsächlich ändert sich hinter einem Schild plötzlich die Vegetation und wir fahren auf einer kurvenreichen kleinen Straße durch einen dichten Urwald mit Palmfarnen und vielen anderen, uns unbekannten Baumarten. Der Campingplatz, den wir uns ausgesucht haben, liegt sehr idyllisch, unweit eines kleinen Flusses am Rand eines urigen Waldstücks, in dem tatsächlich zwei beeindruckend große Kauri Bäume stehen. Diese Bäume wachsen kerzengerade und verzweigen erst in großer Höhe. Ihr Holz ist stabil und war deswegen sehr geschätzt für jede Art von Bau oder Schiff. Dementsprechend wurde der Bestand dezimiert und die traurigen Reste sind nun zwar streng geschützt werden aber von einem Pilz bedroht, gegen den es kein Mittel gibt. Deswegen muss der Wanderer seine Schuhe reinigen und desinfizieren bevor er den Trampelpfad zu den Bäumen betreten darf. Hier zwitschern viele Vögel und besonders nett sind die Sittiche mit ihrem bunten Gefieder.
Auf dem Campingplatz haben wir ein lauschiges Plätzchen am Rande des Waldes gefunden und ich baue das erste mal unser Zelt in einer perfekt gemähten, ebenen Wiese auf. Auch der Gaskocher kommt erfolgreich zum Einsatz. Es schmeckt vorzüglich aus der Pfanne, die billiger war, als das was jetzt darin brutzelt.

Auf einem Nightwalk durch die Kauris erfahren wir von dem Maori-Ranger Erstaunliches über die Tierwelt und die ökologischen Wechselwirkungen und Schäden, die hier seit Eintreffen der Europäer in ungeheurem Ausmaß um sich greifen. Das Artensterben hat hier durch die eingeschleppten Räuber eine ganz andere Dynamik. Das Nationaltier Neuseelands, der Kiwi, wird aussterben, wenn es nicht sehr bald gelingt, Ratten, Possums, verwilderte Hunde und Katzen auszurotten, der Bestand nimmt mit 2% pro Jahr ab. Wir bekommen noch auf der Rückseite eines dicken Stamms die Wetas gezeigt, das sind Riesengrillen! Und in der Nacht hören wir noch zwei der vier Kiwis rufen, die hier in der Nähe des Campingplatzes leben.

Awkland oder der mühsame Anlauf in einem neuen Land

Auckland hat uns am Abend unserer Ankunft mit einer unglaublich leckeren französischen Creperie beglückt. Die kulinarischen Variationen auf den Inseln waren – den verfügbaren Zutaten geschuldet – doch sehr überschaubar. Da waren ein Galette mit Wurst vom Wildschwein, einer Flasche Cidre und anschließendem Käseteller doch eine Offenbarung.

Auch das Appartement im 16. Stock (mit Waschmaschine und Trockner!) war eine willkommene Abwechslung nach den vielen Strohhütten.

Der nächste Tag war dann doch eher eine Serie von Fehlschlägen. Angefangen hat es bei der Autovermietung Hertz, denen ich sehr hertzlich einen Hinterkammer-Infarkt wünsche. Gebucht hatten wir ein Allrad Antrieb, der stand auch auf der Rechnung. Zufällig bemerke ich auf der Heckscheibe einen Aufdruck 2WD, der Blick unter die Hinterachse bestätigt den Verdacht, genauso wie auf Samoa beschissen worden zu sein. Zurück in der Filiale weisen die Mitarbeiter alle Schuld von sich und reden sich mit einem kompletten Austausch der Fahrzeug-Flotte heraus, für den sie ja nicht verantwortlich seien.

Geradezu unterirdisch ist der Auftritt von Lenovo. Die im Internet angegebene Adresse des Repaircenters erweist sich als gähnendes Loch in der Häuserreihe und ein Anruf dort wird geradewegs nach Kalifornien durchgestellt. Auf den Chat im Internet antwortet auch niemand und als ich endlich einen Menschen in Neuseeland am Telefon habe, ist die Verständigung so schlecht, dass kein Gespräch zustande kommt.

Dann haben wir 35€ Parkgebühren zu zahlen in einem Parkhaus, das so eng war, dass wir die halbe Parkzeit mit Rangieren verbracht haben.

Es gäbe aber auch noch was Positives zu berichten: Wir haben ein Zelt gekauft, dass von 500 auf 179 NZ$ reduziert war. Allerdings sind die klimatischen Bedingungen so zweifelhaft, dass auch dieser Preis zu hoch sein könnte.

Als wir uns in einem Billigkaufhaus in einem Außenbezirk von Auckland herumärgern, weil es all das erwartete Outdoor Equipment nicht gibt, tauchen zwischen den Regalen die beiden Kanadierinnen auf, die wir gestern auf Samoa verabschiedet haben. Da das nun schon das 6. zufällige Aufeinandertreffen ist, muss man den Samoanern in ihrem festen Glauben an eine höhere Macht uneingeschränkt Recht geben. Wir haben uns jedenfalls fast schlapp gelacht, als wir uns im Supermarkt nebenan dann nochmal ‚verabschiedet‘ haben.

Dann sind wir zu unserer günstigen Unterkunft, einer sogenannten Cabin, in einem Vorort von Auckland gefahren. Es handelt sich um eine Trabi-artige Pappschachtel im Format eines Schiffcontainers, aber es ist ruhig und es gibt eine Küche in der wir gierig, bei einer Flasche schlechten Rotweins, Spaghetti mit Salat essen. Und es ist drinnen viel wärmer als im Zelt, das noch unausgepackt im Auto liegt.

Matareva Beach Fales

Für uns der schönste Strand und die beste Unterkunft auf Samoa waren die Matareva Beach Fales. Einige Kilometern über eine holprige Piste von der Hauptstraße zu erreichen liegt das Ressort an einer einsamen Bucht. Eingefasst von vulkanisch schwarzen Felsen mit einem perfekten Sandstrand unter Palmen stehen hier ein paar offene Hüttchen, nur mit einer dünnen Matratze und ein paar Palmblättern als Sichtschutz garniert. Es gibt einen großen gemeinsamen Platz für die Mahlzeiten, eine Bar und ein paar ‚Sanitäranlagen‘. Die Bucht wurde von den Eigentümern zur Schutzzone erklärt und wird von einem Korallen-Fachmann aus Fiji betreut. Einige europäische Freiwillige arbeiten hier mit und das Personal ist wohl auch in einem sozialen Kontext angestellt und von einer NGO betreut. Wir treffen zwei sehr nette Kanadierinnen aus Quebec bereits zum 5. Mal seit Blue Lagoon auf Fiji und wir werden uns in Neuseeland sicher nochmal treffen.