Cerro Toco – unser erster Fünftausender

Den Vulkan haben wir seit Tagen vor der Nase, er sieht unspektakulär aus und macht eher den Eindruck eines etwas größeren Maulwurfshügels, aber Entfernungen und Dimensionen sind in der klaren, trockenen Luft der Wüste unglaublich schwer einzuschätzen. Der Cerro Toco ist 5604 m hoch und das ist dann die eigentliche Herausforderung, in dieser Höhe hat sich der Luftdruck (und damit der Sauerstoff) gegenüber der Meereshöhe genau halbiert. Da unterhalb seines Gipfels auf 5250m ein Radioteleskop errichtet wurde, kann man bis dahin mit dem Auto fahren, was die zu bezwingende Höhe bei der Besteigung auf mickrige 350 m schrumpft. Von San Pedro sind es knapp 50 Km in denen man 3000 m hinauf fährt. Auf dem Parkplatz angekommen, geht jetzt besser alles ganz laangsam, schon das Schuhebinden führt zu völliger Erschöpfung. Bei strahlendem Sonnenschein ist es zwar nicht kalt, aber der Wind kann einen hier oben schnell auskühlen und so ziehen wir uns doch warm an und dann geht es auf dem gut sichtbaren Pfad himmelwärts. Ein paar kleine Gruppen sind vor uns auf dem Weg, verlaufen kann man sich nicht. Bewusst langsam, ein Atemzug pro Schritt, kommen wir doch besser voran, als ich es erwartet hätte. Der Puls ist hoch, beruhigt sich aber bei Pausen in kürzester Zeit – das Gehen bergan ist auch nicht wirklich anstrengend, kein Schwitzen nur schnaufen, schnaufen, schnaufen. Susi ist zwar schwindelig, aber nicht so schlimm, dass wir abbrechen müssten. Nach genau einer halben Stunde verordnen wir uns eine Pause von 15 min und in einer weiteren halben Stunde sind wir oben und haben dabei noch eine geführte Gruppe junger Leute überholt. Den Gipfel erreicht zu haben und der Blick über die Anden sind ergreifend, es verschlägt uns die Sprache und es ist nicht der Sauerstoffmangel oder das Delirium der Höhenkrankheit!
Nach langer Rast ist der Abstieg durch das lose Vulkangeröll ein Klacks, das Ausziehen der warmen Sachen ist dagegen schon wieder Anlass zum Hyperventilieren. Auch das Auto pfeift aus dem letzten Loch und schafft es nicht mehr rückwärts aus der Parklücke, zum Glück liegen vorne keine großen Brocken so holpern wir in einem Bogen zurück auf die Piste und bald über die asphaltierte, fast schnurgerade Passstraße 2000m steil bergab zurück nach San Pedro. Ein ausgebranntes Buswrack und zahlreiche Notwege raten zu maßvollem Tempo und permanenter Verwendung der Motorbremse. Unten ist es unerträglich heiß….

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